Kreis Germersheim Bei ersten Treffen über Rheinbrücke geradelt

JOCKGRIM. „Es regnet nicht jeden Tag, und wenn es mal regnet, kommt auch wieder der Sonnenschein!“ Das ist die Lebensweisheit, nach der Renate und Karl Wilhelm aus Jockgrim schon 60 Jahre zusammen leben. „Wir waren nie nachtragend oder trutzten nach einem Streit“, ergänzt Renate Wilhelm, und hat sofort ein warmes Lächeln für ihren Ehemann Karl. Die beiden feiern heute Diamantene Hochzeit. Sie wurden genau vor 60 Jahren, im Jahr 1955, standesamtlich getraut.
Renate Wilhelm wurde unter ihrem Mädchennamen Bauer 1934 geboren und wuchs in der Jockgrimer Goethestraße auf, Karl stammt aus Wörth und kam 1932 zur Welt. Anfang der 50er Jahre lernten sich die beiden während eines Dorffestes kennen. Sie sahen sich ab dann regelmäßig. Beide arbeiteten in Karlsruhe, Renate in einer großen Wäscherei, Karl war Maurer. Ab Ostern radelten beide zur Arbeit über die Rheinbrücke und durch Knielingen. „Wir haben damals um 7 Uhr morgens angefangen, also trafen wir uns immer rechtzeitig vorher am Wörther Bahnhof, um bis nach Karlsruhe gemeinsam zu fahren“, erinnert sich Renate Wilhelm. Erst Ende September stiegen die beiden wieder auf die Bahn um. Im Sommer 1953 verlobten sich die jung Verliebten, zwei Jahre später feierten sie Hochzeit. Ihre erste Wohnung befand sich im Obergeschoss von Renate Wilhelms Eltern. Da 1956 das erste Kind, Tochter Birgit, geboren wurde, war es gut, dass die junge Familie mit dem Hausbau beginnen konnte. Überwiegend durch eigene Arbeit des Jubilars und mit Hilfe des Schwiegervaters ging es Stück für Stück voran, bis die Wilhelms 1962 in die eigenen vier Wände einziehen konnten. Renate Wilhelm gab ihre Arbeit in Karlsruhe nach der Geburt der Tochter auf, kümmerte sich dafür um den Haushalt und um die Felder, die die Familie zusätzlich bewirtschaftete. Nicht weit vom Schweinheimer Kirchel entfernt zogen sie Tabak, Spargeln oder auch Kartoffeln. „Später arbeitete ich noch kurz in der „Messphysik“. Das war eine Außenstelle der Karlsruher Siemens im ehemaligen Schloss im Hinterstädtel. Sie hörte dort aber wieder auf, als Sohn Patrick 1968 geboren wurde. Der Familienvater Karl konnte mit 48 Jahren in das Mercedes Benz-Werk in Wörth wechseln, wo er bis zu seinem Ruhestand blieb. Gemeinsame Urlaube führten nach Österreich und in den Schwarzwald, auch die Musik gehörte zu den Hobbys. Karl spielte lange Waldhorn im Musikverein, Renate sang im katholischen Kirchenchor, bis er vor wenigen Jahren aufgelöst wurde. Das Jubelpaar hat mittlerweile drei Enkel, auf das es genauso stolz wie auf seine Kinder ist. Glücklich sind sie, dass sie ihren Haushalt noch alleine bewältigen können. Renate kauft fast ausschließlich mit dem Fahrrad das ein, was die beiden brauchen. Die Arbeit im gepflegten Haus und im gehegten Hausgarten war schon immer ihr Bereich. „Als es jetzt so heiß war, habe ich meine Hortensien sogar mit dem Sonnenschirm beschattet, damit sie nicht so leiden müssen“ verrät sie ihren Pflegetipp. Karl fährt ab und zu mit einem Elektro-Mobil zu seinem Lieblingsziel im Ort, dem Schweinheimer Kirchel. Dabei kann er auch stets einen Blick auf ihre seit langem verpachteten Felder werfen. Richtig feiern werden die Jubilare heute noch nicht, sondern erst morgen, denn am 2. August vor 60 Jahren war die kirchliche Hochzeit.