Kandel
Baumklettermeisterschaften: Ein Wettbewerb in den Baumwipfeln
Wer kann am schnellsten auf einen Baum klettern? Oder eine Wurfleine zielgenau in hohe Äste werfen? Bei den Baumkletterern gehört all das zu wichtigen Fähigkeiten im Berufsalltag. Denn der führt sie regelmäßig hoch in die Baumwipfel, meist am Straßenrand, in Parks oder Gärten, um die Verkehrssicherheit zu prüfen oder wieder herzustellen. Da wird Totholz entfernt oder auf das sogenannte Lichtraumprofil geachtet, damit keine Grenzen überwachsen werden. „Mit Klimawandel und Trockenheit wird es nicht besser“, sagt Fachfrau Katharina Picot. Zwar gibt es den Studiengang zum Arboristen, aber noch keine Ausbildung zum Baumkletterer. Dafür wechseln oft Gärtner oder Landschaftsgärtner wie Picot in diese Sparte.
Treffen der Baumprofis
Baumkletterin Picot arbeitet bei der Stadt Karlsruhe und hat die Meisterschaften der Branche nach Kandel gebracht. Wettbewerbe gibt es schon lange weltweit, erst jüngst „das treffen der europäischen Baumkletter-Elite“ im Juli im polnischen Pszczyna oder die deutschen Meisterschaften im Mai im Augsburg. Seit acht Jahren können die noch weniger Praxiserfahrenen bei den Süddeutschen Meisterschaften ihre Fähigkeiten austesten, erläutert Picot. Beim letzten Wettbewerb am Chiemsee war sie als Helferin dabei und hat mitbekommen, dass immer wieder Gelände und Orte gesucht werden. „Da ist mir der Schwanenweiher eingefallen“, sagt die Kandelerin.
Und so treten am kommenden Wochenende zirka 40 Baumkletterer in fünf Disziplinen gegeneinander an. Dazu kommen etwa 30 Helfer, plus Arbeitskollegen und andere interessierte Zuschauer. „Wir haben von der Stadt die Erlaubnis, den Parkplatz vom Stadion nutzen“, sagt Picot. Die Fläche wird abgesperrt, in Campern und Zelten wird dort das Wochenende verbracht. Dabei seien die Baumkletterer durchaus eine eigene, naturverbundene Szene, verrät Picot.
Bäume werden kritisch geprüft
Doch vorher geht es am Schwanenweiher noch einmal auf den Hubsteiger für einen prüfenden Blick auf die Wipfel. Alle ausgewählten Bäume werden erneut auf ihre Wettkampftauglichkeit untersucht. Und natürlich werde auch darauf geachtet, dass sich in den Ästen keine Nester oder Wohnplätze von Fledermäusen befinden. „Im Zweifel weichen wir auf einen anderen Baum aus“, sagt Picot.
Sicherheit spielt, wie im Berufsalltag, eine große Rolle. Daher wird am Freitag zunächst das Zubehör von einer Art TÜV geprüft. Danach werden die fünf Stationen vorgestellt, die Übungen werden vorgeklettert. Dann werden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt und treten am Samstag ab 9 Uhr gegeneinander an. Spannend für die Zuschauer sollte zum Beispiel auch die Rettungssimulation einer verletzten Person im Baum werden. Alle Übungen werden über Lautsprecher genauer erklärt, kündigt Picot an.
Die fünf Besten werden für Sonntag im Finale zugelassen. Sie müssen sich dann an einem Baum in einer Mischung aus allen Disziplinen beweisen, wobei es eine Frauen- und eine Männergruppe gibt. „Es ist eine Veranstaltung, die viel Spaß macht und sehr ernst genommen wird“, sagt Picot.
Termin
Samstag, 13. September, von 7.30 bis 20 Uhr, und Sonntag, 14. September, von 9 bis 16 Uhr, am Schwanenweiher in Kandel. Das Kandeler Café Bumblebee sorgt für das Catering.