Kandel Bauernprotest: Viel Verständnis für Blockaden

Mit ihrem Infostand wollen Landwirte informieren, warum sie auf die Straße gehen.
Mit ihrem Infostand wollen Landwirte informieren, warum sie auf die Straße gehen.

Ins Gespräch mit Bürgern kommen wollten Vertreter des Kreisverbandes Germersheim im Bauern- und Winzerverband Süd am Samstag. Es galt, die Gründe dafür zu erläutern, dass Bauern seit Wochen gegen Entscheidungen der Regierung Sturm laufen.

Vor zwei Wochen wurden bei der Protestaktionen die Auffahrten Kandel-Süd und Kandel-Nord zur A65 mit zig Traktoren blockiert. Am vergangenen Montag wurde die deutsch-französische Grenze bei Neulauterburg und Scheibenhardt dicht gemacht. Solidarisch zeigten sich dabei Bauern aus dem Elsass, die ihre deutschen Berufskollegen unterstützten und die Grenze auf der französischen Seite stundenlang blockierten. Das fiel auf. Viele von den Protestaktionen betroffenen Autofahrer zeigten aber volles Verständnis, nur einzelne murrten wegen der Umwege und des Zeitaufwandes, den sie in Kauf nehmen mussten.

Am Samstag nun standen Vertreter des Bauern- und Winzerverbandes an gleich zwei Stellen in Kandel bereit, um ihre Sicht der Dinge zu erläutern. Auf dem freien Platz unter dem alten Rathaus in der Hauptstraße hatte man nicht nur ein Zelt aufgebaut, sondern auch einen großen Traktor postiert. Alles war zuvor abgesprochen und von der Verbandsgemeindeverwaltung und der Kreisverwaltung genehmigt worden, wie Kreisvorsitzender Roland Bellaire erläuterte. Gerne hätte der Kreisverband Germersheim auch auf dem Gelände des Maximilian-Centers in Wörth-Maximiliansau Präsenz gezeigt. Allerdings bekam man dort keine Genehmigung, was Bellaire als sehr bedauerlich bezeichnete.

Zwei Infostände

Der zweite Informationsstand konnte dann aber im Eingangsbereich des Hofladens Zapf in Kandel aufgebaut werden. Mit ihrer Unterschrift zeigten viele Passanten, unter ihnen auch Kandels Erster Beigeordneter Michael Gaudier, ihre Unterstützung für die bekannten Ziele und Forderungen der Bauern, und die allermeisten taten dies auch ohne lange zu zögern. Immer wieder war zu hören, dass man Verständnis für die schwierige Lage der Landwirte habe. Schließlich lege man als Verbraucher größten Wert auf eine gute Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus der Region. Bei importierten Waren wisse man nicht, unter welchen Bedingungen sie produziert wurden.

Grenzblockade deutscher und französischer Landwirte bei Neulauterburg und Scheibenhardt.
Grenzblockade deutscher und französischer Landwirte bei Neulauterburg und Scheibenhardt.

So sagte etwa Giuseppe Ivaci, der mit seiner Frau gerade den Hofmarkt Zapf verlassen hat und in der Rheinstraße wohnt, dass er die regionalen Produkte bevorzuge, deren Frische zu schätzen weiß und auch die Nähe zu seiner Wohnung. Das alles seien Vorteile, die er nicht missen möchte. So oder ähnlich äußern sich fast alle, die am Samstagvormittag gefragt wurden.

Jammern der Landwirte

Aber nicht alle stehen vorbehaltlos hinter den Forderungen des Bauernverbandes. Es gibt durchaus auch kritische Stimmen. Sein Verständnis hierfür sei schon etwas begrenzt, meint etwa Rüdiger Kühnast, der auch persönliche Erfahrungen aus einer Familie mit Nebenerwerbslandwirtschaft mitbringt und sich erinnert an den kleinen Deutz-Traktor mit dem Einscharpflug. Schon immer hätten die Landwirte es gut verstanden, zu jammern. Man müsse aber schon genauer hinschauen, wo der Schuh wirklich drückt, wirbt er im Gespräch für eine differenzierte Betrachtungsweise. Es gebe große Unterschiede zwischen kleinen und mittleren Familienbetrieben und der schon industriell betriebenen Landwirtschaft, die von Konzernen gelenkt werden. Und viele Subventionen würden hier landen, nicht bei den Familienbetrieben. Auch den Anbau riesiger Flächen mit Mais oder Raps sehe er kritisch, sagt Kühnast, ebenso den Umgang mit Pestiziden. Und fragt: „Wo sehe man heute noch einen Hasen auf dem Feld?“

Auf der Hauptstraße verteilen die Bauern unterdessen viele Flugblätter an Passanten und Autofahrer. Und machen immer wieder deutlich, dass es nicht nur um die Streichung der Agrardieselentlastung gehe oder darum, dass man künftig Kfz-Steuer bezahlen müsse. Dies sei nur die Spitze des Eisberges. Damit habe die Regierung das Fass zum Überlaufen gebracht. Der Berufsstand der Bauern und Winzer fühle sich gegängelt mit immer weiteren Vorschriften und Einschränkungen. „Als wolle irgendein Bauer seinen Nachkommen nicht einen intakten Hof hinterlassen“, sagt Roland Bellaire. „Jeder Bauer, der hier steht, hat seine Berufsausbildung vollendet, sei Landwirtschaftsmeister und wisse, was gut für Tiere und den Boden ist. Die Proteste der Bauern und Winzer dürften wohl weitergehen, wie zu hören war. Mit dieser Aktionswoche sei noch lange nicht alles vorbei.

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