Kreis Germersheim Bande von Dieben und Hehlern machen Region unsicher
GERMERSHEIM. Als der Sommer des Jahres 1841 zu Ende ging, fand man im Germersheimer Gasthof zum „Elephanten“ Zeit, Inventar und Bestände des von Reisenden und Übernachtungsgästen gerne frequentierten Wirtshauses auf Vollständigkeit zu überprüfen. Dabei fiel dem Wirt Anton Cayenz auf, dass nicht weniger als ein Dutzend Messer und Gabeln und weitere Gegenstände, zum Teil aus dem persönlichem Besitz der Wirtsleute, fehlten.
Die Besteckteile ließen sich aufgrund ihrer schwarz gebeizten hölzernen Beschläge mit kleinen Ringen am Ende des Griffstücks und der Herstellerbezeichnung „Hilzinger“ zweifelsfrei bezeichnen. Auch die übrigen fehlenden Dinge konnte Cayenz, der Anfang September 1841 bei den Behörden Anzeige erstattete, eindeutig beschreiben. Demnach war außer Messer und Gabeln ein nagelneues „Mannshemd“ in feiner Stoffqualität und mehrere Handtücher, die sogar die in rot eingestickten Initialen „A.C.“ des Wirtes trugen sowie drei Paar weißbaumwollene Frauenstrümpfe mit der Kennzeichnung „M.S.18“ – sie gehörten wohl Cayenz 1818 geborener Ehefrau Maria Schantz – gestohlen worden. Außerdem fehlten verschiedene Gegenstände, die vormalige Gäste des Wirtshauses wohl bei ihrem Aufenthalt in Germersheim zurückgelassen hatten: Eine silberne Dose mit dem eingravierten Namen „Franz Joseph Schnezer“ sowie ein silberner Kaffeelöffel, den die Initialen „L.H.“ zierten. Der Verdacht, die Diebstähle begangen zu haben, fiel schnell auf Margaretha Weil aus Wachenheim, die die Wirtsleute in den belebten Sommermonaten Juli und August zur Verstärkung ihres Personals als Dienstmagd eingestellt hatten. In der Tat war Weil zum Zeitpunkt ihrer Tätigkeit im „Elephanten“ längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, sondern bei den pfälzischen Strafverfolgungsbehörden aktenkundig. Zu den nachweisbaren Spuren, die ihre kriminelle Karriere hinterlassen hatte, zählte zum Beispiel ein sechs Jahre zuvor in Wachenheim gemeinsam mit anderen Bandenmitgliedern begangener Diebstahl von Tuchen und Stoffen, die der Speyerer Zeugweber Franz Anton Schneider auf den dortigen Markt gebracht hatte. Damals hatten die Ermittlungen ergeben, dass Margaretha Weil mit zwei Männern und einer Frau, alle aus Pirmasens, „zusammengearbeitet“ hatte. Die Tatverdächtigen waren zwar schnell von der Polizei gefasst worden, doch hatte man bei ihrer Verhaftung nur noch einen kleinen Teil der gestohlenen Waren aufgefunden, so dass der Gedanke nahe lag, dass die Täter mit weiteren „Marktgaunern und Diebshehlern“ in Verbindung standen, die den größten Teil der Beute längst weg gebracht und weiter verkauft hatten. So fahndete der Untersuchungsrichter in Frankenthal noch im Januar 1836 steckbrieflich nach zwei weiteren Hintermännern, die aus Hambach und Pirmasens stammten und im Verdacht standen, am „Vertrieb“ des Diebesgutes beteiligt gewesen zu sein. Angesichts dieser „Vorgeschichte“ liegt die Vermutung nahe, dass es bei den Diebstählen in Germersheim im Sommer 1841 wohl ähnlich zugegangen sein musste und dass die „Dienstmagd“ Margaretha Weil in Wirklichkeit einer organisierten Bande von Dieben und Hehlern angehörte. Vermutlich waren die im „Elephanten“ in den Monaten Juli und August gestohlenen Gegenstände längst an windige Altwaren- und Kleiderhändler übergegangen, während Weil in Germersheim noch „offiziell“ in Dienst stand. Diese Überlegungen und das Fehlen weiterer Nachrichten über eine erfolgte Festnahme oder Verurteilung der Bande lassen vermuten, dass alle Beteiligten längst untergetaucht waren. (lh)