Kommentar
Bahnlärm: Anwohner sind ausgeliefert
Der Güterverkehr auf der Schiene zählt zu den umweltfreundlichsten Transporten, sagt die Deutsche Bahn. Ein Güterzug ersetze bis zu 52 Lkw und verursache 80 Prozent weniger CO2-Emissionen. Zwischen den Zeilen heißt das, wer Klimaschutz möchte, muss mehr Güterzüge in Kauf nehmen. Die meisten Menschen werden das wohl unterschreiben – nämlich die, die nicht an den Bahnstrecken wohnen.
Die Anwohner hingegen sind den höheren Transportmengen und deren Auswirkungen ausgeliefert. Vor allem diejenigen, die dort schon seit Jahrzehnten leben. Wenn die Bahn Strecken neu oder ausbaut, muss sie Lärmvorsorge betreiben. Das ist gesetzlich geregelt. Für das Bestandsnetz gilt das nicht. „Freiwillige Programme“, um auch Anwohnern an älteren Gleisen das Leben mit Lärmschutzmaßnahmen erträglicher machen, gibt es seit Ende der 1990er-Jahre. In Germersheim sind diese Bemühungen allerdings noch nicht angekommen. Bis 2050 will die Bahn den Lärm für alle Anwohner an „belasteten Strecken“ reduzieren. Das nützt vielleicht den Enkeln der Germersheimer Familien, die jetzt über mangelnde Nachtruhe klagen – sofern sie dann noch dort wohnen.
Die Bahn war zuerst da. Nicht nur Anwohner werden mit solchen Aussagen abgespeist. Auch politische Vertreter laufen gegen eine Wand. Haarsträubend ist, dass geparkte Züge stunden- oder tagelang vor sich hin brummen. Das ist nicht nur den Anwohnern gegenüber eine Zumutung, sondern konterkariert sämtliche Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskampagnen des Unternehmens.