Kreis Germersheim Badepark: zu groß, zu schön, zu teuer

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Der Werkausschuss der Stadt Wörth hatte vor einem halben Jahr beschlossen, die Gesellschaft für Entwicklung und Managementsystemen (GMF) in Neuried mit der ersten Phase eines Bäderkonzepts zu beauftragen. Diese beinhaltet die Untersuchung und Bewertung der Ist-Situation der beiden Bäder – des Hallenbads sowie des Badeparks. In einer zweiten Phase sollen mögliche Varianten näher analysiert und Zielkonzepte erstellt werden. Thomas Meyer von GMF stellte die Ergebnisse in der Ausschusssitzung am Dienstagabend vor und erläuterte die einzelnen Parameter, die bei den Berechnungen und Betrachtungen eine Rolle gespielt haben. Die demografische Entwicklung in 20 Jahren wurde ebenso unter die Lupe genommen wie das geänderte Badeverhalten der Besucher. Deren Zahlen sinken seit Jahren, Familien mit Kindern machen höchstens noch 30 Prozent aus. „Die Kinder haben einfach keine Zeit mehr“, erklärte Meyer. Dagegen sei in den vergangenen Jahren ein Anstieg der Besucher im Bereich Wellness und Sauna zu verzeichnen, es werde mehr Wert auf Gesundheitsangebote und auf gute Gastronomie gelegt. „In 20 Jahren werden Sie außerdem 60 Prozent Zuwachs an über 80-Jährigen haben“, berichtete Meyer auf Grundlage der Entwicklungszahlen von statistischem Landes- und Bundesamt. Trendentwicklung, Ausrichtung auf Zielgruppen und lokale Angebote mit sehr gutem Service spielen eine ausschlaggebende Rolle. Da aber auch eine große Konkurrenz in direkter Umgebung herrsche, empfehle er, sich nicht am überregionalen Wettbewerb beteiligen zu wollen, so der GMF-Vertreter. „Hierfür müssten Sie ungleich mehr investieren, um sich von den zahlreichen anderen Bädern und Seen abzuheben.“ 2013 besuchten etwa 38.000 Nutzer das Hallenbad, 11.000 die Sauna – möglich sind laut Meyer 63.000 im Bad und 16.000 bis 19.000 in der Sauna – je nach Konzept. Bei diesen Badbesuchern seien die Nutzer aus Schulen und Vereinen, die derzeit etwa 15.000 ausmachen, nicht mit eingerechnet. Für den Badepark sprach er von derzeit durchschnittlich 113.000 Besuchern pro Jahr. „Der Badepark gehört mit seinen 3000 Quadratmetern Wasserfläche zu den größten Bädern Deutschlands. Durchschnittlich werden Bäder etwa mit 1500 Quadratmetern Wasserfläche betrieben“, erklärte Meyer. Die Größe errechne sich aus der Zahl der Einwohner des jeweiligen Ortes; er empfehle, die Fläche aus Kostengründen zu reduzieren. 1984 erbaut, habe das Freibad die durchschnittliche Nutzungsdauer einer solchen Anlage erreicht, zwei bis vier Millionen Euro müssten in die reine Sanierung gesteckt werden. Beim Hallenbad, das 1970 erbaut und mehrfach in Teilen renoviert wurde, seien ebenfalls 1,5 bis 2,5 Millionen Euro nötig – ohne Attraktivierung. Auch hier gehöre die Wasserfläche von 324 Quadratmetern zu den größeren. Die Preise für den Einzelbesuch in den beiden Bädern lägen außerdem unter dem Marktniveau; gerade auch die Zehner- und Saisonkarten ergäben einen zusätzlichen großen Rabatt. Ebenso seien die Öffnungszeiten überproportional viel, jedoch wegen des Bedarfs auch nötig. Ungewöhnlich sei das Beheizen der Freibecken und das Sauna-Angebot im Sommer. Beides verursache hohe Energiekosten. Hierzu komme noch die nicht sanierte Gebäudehülle des Hallenbads. Der Gesamtumsatz des Hallenbads liege mit 224.000 Euro 2013 deutlich unter, der Badepark mit 425.000 Euro über den Kennzahlen im Vergleich. Die Personalkosten seien eher gering, wobei Meyer empfahl, gerade im Badepark die Personalsituation wegen der Überwachung und Verkehrssicherung zu überdenken. „Es gibt einfach Risikostellen in einem Bad, die bei Nutzung dauerhaft beaufsichtigt werden müssen.“ Als Fazit brachte Meyer vor, speziell den Badepark nicht zu schließen, da er das Aushängeschild der Stadt sei. Bei beiden Bädern mache eine Bestandserhaltung und Modernisierung Sinn. Bei der Variante eines Hallenbad-Neubaus sei mit Kosten von sechs bis 13 Millionen Euro zu rechnen. Einen Badepark-Neubau halte er nicht für sinnvoll. Für den Bau eines Ganzjahresbades auf dem Badeparkgelände müssten 13 bis 20 Millionen investiert werden. Ein mögliches Naturbad empfahl Meyer nur zusammen mit einem Freibad, da die Wiederaufbereitungsfläche für das Wasser benötigt würde und die Besucherzahlen begrenzt wären. (kbro)

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