Kreis Germersheim Baden verboten!
Wörth. „Wasser hat keine Balken“ sagt der Volksmund und hat damit wie meist recht. Allenfalls Flößer sehen das anders, aber dieser Berufsstand ist ja praktisch ausgestorben – obwohl es nicht an Bäumen mangelt. Dafür sorgen die Förster, die sich nicht nur ums Holz, sondern auch sonst um alles kümmern, was im Wald geht, steht und – mangels Balken – schwimmt. Ihre Fürsorge findet im konkreten Fall allerdings keinen Beifall. Werner Ortlepp ärgert sich sogar über ein Verbotsschild, das das Forstamt Rheinauen Anfang Juli am Baggersee Ratjens beim Daimler-Werk aufgestellt hat.
Dieses Schild will nämlich Ortlepp und etlichen anderen Wörthern das Baden in diesem Baggersee verbieten. Ein Zustand, den Ortlepp unhaltbar findet. „Wir leben in einer Gegend voller Baggerseen, aber man kommt ja bald nirgends mehr hin“, verweist er auf den zweiten großen See in Wörth hinter dem Bahnhof, der eingezäunt ist. Jetzt müsse er zum Schwimmen nach Neuburg fahren: „Dort hat die Gemeinde was gemacht“, winkt er mit einem Zaunpfahl in Richtung Wörther Rathaus. Zudem sei der Ratjens-See quasi das angestammte Wörther Strandbad, unternimmt Ortlepp argumentativ einen Spaziergang in die Geschichte. Schon immer hätten die Alt-Wörther dort gebadet. Zeitweilig sei das zwar kaum noch möglich gewesen, weil Daimler einen Teil des Ufers gekauft hatte und der Rest vom Kiesabbau blockiert wurde. Aber nach dessen Ende seien einige kleine Sandstrände übrig geblieben und es habe sich wieder ein Badebetrieb entwickelt. Es gab dort sogar ein einfaches Plumpsklo, das die Stadt Wörth errichtet hatte, so Ortlepp. Eine Dixie-Toilette würde allerdings nicht genügen, um all die Missstände abzustellen, das Forstamt Rheinauen bewogen haben, das Verbotsschild aufzustellen. Denn allzu idyllisch geht es am Ratjens-See offenbar öfter nicht mehr zu. „Die Leute fahren mit dem Auto zum See, es wird gegrillt und gecampt und jede Menge Abfall hinterlassen“, beschreibt der zuständige Revierförster Ansgar Vogelgesang die Situation. Zwar versperrt eine Schranke den Weg zum See: „Aber deren Schloss wird oft einfach geknackt.“ Damit die Wörther Polizei gegen all das künftig vorgehen kann, musste zunächst einmal ein Verbotsschild her. Auch haftungsrechtlich ist das Forstamt damit aus dem Schneider, falls mal etwas passiert. Zudem sei der See Vogelschutz- und Natura-2000-Gebiet, weshalb die Naturschutzbehörde auch schon Bedenken wegen des ausufernden Badebetriebs angemeldet hatte, so Vogelgesang. Und die Angler, die den See gepachtet haben, sehen sich zeitweise gar nicht mehr in der Lage, den See zu nutzen. Offenbar sei der Ratjens-See eben keine Badegelegenheit mehr, die vor allem von Wörther Bürgern besucht wird, sondern habe sich als „Geheimtipp“ weit in der Region herumgesprochen. Mit den entsprechenden Folgen.