Kreis Germersheim Bürokratie behindert Flüchtlingshilfe
Vollmersweiler. Mit dem Café Asyl als Begegnungszentrum, mit vielen gut besuchten Sprachkursen und mit den Besuchsdiensten wurden in der Stadt und Verbandsgemeinde Kandel recht gute Strukturen für Zuwanderer erreicht, bilanziert Sybille Rauch-Toussaint aus Vollmersweiler. Neben vielen anderen Aufgaben als Ersthelferin und Netzwerkerin ist sie auch Ansprechpartnerin für die Besuchsdienste.
Wenn sich mehrere Personen diesen Dienste teilen, kann Überlastung verhindert werden und jeder Helfer übernimmt die Aufgaben, die am besten passen, von Hausmeisterdiensten über Arzt- und Behördengänge bis hin zu „Omadiensten“. Bisher habe noch niemand der Helfer einen Rückzug gemacht, freut sich Rauch-Toussaint. Es koste zwar Kraft und Einsatz, bringe aber berührende Erfahrungen. So sind in Kandel schon einige gesunde Babys auf die Welt gekommen, wobei eine Frau die Helferin besonders beeindruckte. „Die hochschwangere Eritreerin kam mit zwei Kindern in Kandel an und brachte bereits sechs Wochen später ein gesundes Mädchen zur Welt, das sich trotz aller Strapazen prächtig entwickelt“. Die Mutter sorge tapfer für die drei Kinder, leide aber darunter, dass es kaum Informationen über den Ehemann und zwei weitere Kinder gebe, „solche Schicksale gehen zu Herzen“, meint Rauch-Toussaint. Inzwischen helfen ganz selbstverständlich junge Männer im Asylcafé mit, nie habe es bisher problematische oder gar respektlose Situationen gegenüber Frauen gegeben. Im Übrigen bezeichnet Sybille Rauch-Toussaint gerade die Syrerinnen als recht selbstbewusste Frauen, die ihre Stellung den Männern gegenüber durch die schwierige Flucht noch gestärkt haben. Das Problem sei aber vielschichtig, sagt Rauch-Toussaint, vor allem Frauen aus Eritrea oder Somalia müssten unterstützt werden. Aber sie übt auch deutliche Kritik: Die Arbeit der Asylsuchenden und Helfer werde durch einen Wust an Bürokratie mit unverständlichen Briefen, unterschiedlichen Zuständigkeiten und mangelndem Datenaustausch zwischen Ausländerbehörden, Jobcenter und Sozialamt belastet, sagt Rauch-Toussaint. Die Persönlichkeitsrechte der Asylsuchenden müssten gestärkt werden, denn oft verstehen sie nicht alles, was sie unterschreiben, was im Einzelfall sogar zur Ablehnung ihres Antrages führen könne. Zuwanderer ohne Bleibeperspektive sollten nicht dezentral in die Gemeinden geschickt werden; denn dann sind viele Integrationsanstrengungen nutzlos und verursachen Enttäuschungen auf beiden Seiten, wenn die Leute wieder gehen müssen. Als riesengroße Aufgabe sieht sie vor allem die Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt durch Qualifikation. Die jungen Menschen müssen ausgebildet werden, damit nicht ein chancenloses Heer unzufriedener Hilfsarbeiter heranwächst. Und die Kinder müssen im Kindergarten und in den Schulen für die Zukunft gute Bildung erhalten. (bp)