Kreis Germersheim Bürger wollen Wald, keine Weide

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Naturschutzgroßprojekt-Leiter Peter Keller dämpfte die Stimmung im Ortsbeirat Schaidt: Die zukünftige Unterhaltung eines Umleitungsgrabens werde extrem teuer, weil jahrelang nichts gemacht worden sei, sagte Keller. Den Graben pflegen müsse die Gemeinde. Hierzu formuliert auch der Beschluss: Wenn das Großprojekt abgeschlossen ist, muss die Pflege der Gräben „zwingend und dauerhaft in den Pflegeplan der Stadt Wörth aufgenommen werden“. Dabei hatte es in den vergangenen Wochen schon genug Aufregung um abgeholzte Bäume gegeben.

Der Ortsbeirat hat der Umleitung des Grenzgrabens zugestimmt. Damit wird es einen zusammenhängenden Lebensraum für Amphibien und seltene Tiere im Naturschutz-Großprojekt Bienwald geben. Ob Projekt-Leiter Keller und Axel Wittmann von der Umweltbehörde der Stadt Wörth mit diesem Ergebnis zufrieden sind, ließen sie nicht durchblicken. Immerhin enthält der Beschluss sechs Bedingungen, in die Bedenken der Bürger einflossen. Lange wurde darüber diskutiert und Gerhard Weiller (CDU) hob auch am Schluss seine Hand zur Gegenstimme. „Das Gebiet, wo die Gewässerumleitung fließen soll, ist unsere einzige Alternative zu einer Umgehungsstraße.“ „Wir haben genügend Bäche und wenn wir da unsere Hausaufgaben machen, brauchen wir keinen Graben zu ertüchtigen, der uns bei der Umgehungsstraße hindern wird“, sagte Klaus Jöckle (CDU). Axel Wittmann widersprach Jürgen Vogel (SPD) , der sagte, dass die Bäche im Ort versandet seien. Die Stadt koste es eine Menge Geld, teilte der Verantwortliche aus der Umweltbehörde mit, dass die Gräben jedes Jahr ausgemäht würden. Dieter Völkel (CDU) steht zu dem Projekt „damit wird das Sportzentrum entlastet“. Auch Peter Gast und Reinhard Bersch (beide SPD) sehen im Hochwasserschutz die Vorteile. Im Rahmen des Großprojektes war ein großes Waldstück gerodet worden (wir berichteten). Ortsbeiratsvorsitzender Kurt Geörger (SPD) erklärte: „Was uns erschreckt ist die Differenz der geplanten Maßnahme zu der tatsächlichen Umsetzung.“ Bevor solche riesigen Differenzen aufträten, müsse mit den Menschen gesprochen werden. „Wenn man jetzt dahinkommt, trifft einen der Schlag“, bekam er Zustimmung von den zahlreichen Einwohnern an diesem Abend im Bürgerhaus. „Mit dem Forstamt war das abgesprochen“, wandte Projektleiter Keller ein. „Der Pflege- und Entwicklungsplan ist naturschutzrechtlich ausgerichtet, nicht forstwirtschaftlich“, stellte die Forstamtsleiterin Astrid Berens klar. Teilweise wurden früher Buchen in den Kiefernwald gepflanzt. Wenn man diese nun entnimmt, dann sei das betriebswirtschaftlich ungünstig. Thomas Krämer, einziger Vertreter der Grünen im Ortsbeirat, stört, dass die Menschen vor vollendete Tatsachen gestellt werden. „Sollen tatsächlich 200 Lastwagen den Waldboden abtragen und auf die Deponie bringen?“ Das sei ein Gerücht, wies Keller entschieden zurück. Es werde eine kleine Schicht abgetragen und im Wald belassen. So solle eine Weidefläche entstehen. „250 Jahre haben wir den Bienwald mit Herz und Seele gepflegt“, hat Peter Gast (SPD) kein Verständnis, dass Buchen gefällt werden, um Platz für Ziegen zu schaffen. Nicht nur für Thomas Krämer würde es grauenhaft aussehen, wenn im Bienwald plötzlich Ziegen weideten, wie vom Großprojekt geplant. „Wir wollen den Bienwald nicht umpflügen“, verwies der Projektleiter auf Waldgenerationen, die mit 150 Jahren gezählt würden. So sei der Wald in der Vergangenheit vielfältiger genutzt worden. Heute sei das „eintöniger“, wenn allein 10.000 Hektar, als Wirtschaftswald genutzt würden. Gleichzeitig gebe es in der einmaligen Waldlandschaft Pflanzen und Tiere, die viel Licht bräuchten. Aus den Zuschauerreihen ließ der Vorsitzende des Ortsbeirates ausnahmsweise einen Zwischenruf zu, mit dem ein Vortrag über das Naturschutz-Großprojekt gewünscht wurde. Projektleiter Keller war mit der Idee sehr einverstanden. Er wird nicht nur über das ehrgeizige Projekt referieren, das im wesentlichen auf eine Initiative von Landrat Fritz Brechtel zurück geht. Er lädt auch zu einer Begehung vor Ort und zur Diskussion mit den Bürgern ein. Der genaue Termin werde schnell vereinbart, sagte Keller zu. (mldh)

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