Kandel Börse: Tausche Tomatenpflanzen gegen Erdbeeren
Obwohl erst so ab 12 Uhr die Tische aufgebaut und bestückt werden sollten, tummelten sich um diese Zeit schon einige Besucher vor dem großen Eingang der Kandeler Stadthalle. Und sie hatten allerhand dabei, Kartons voller Pflanzensetzlinge und Sämereien. Diese sollten aber nicht verkauft werden, man hoffte vielmehr auf Tauschpartner. Denn vor der Stadthalle fand am Samstag erstmals eine „Pflanzen- und Samentauschbörse“ statt, für die mit dem Kunstbegriff „Plant-tastic“ geworben wurde. Jennifer Tschirner, Kandels City-Managerin, und ihr Kollege Dominic Hasselwander, der bei der Verbandsgemeindeverwaltung Kandel als neuer Klima-Manager tätig ist, hatten sich zusammengetan, um diese Börse gut vorzubereiten. Und der Versuch gelang, war erfolgreich und, soviel sei schon einmal verraten, soll im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholt werden.
Von Himbeeren bis zur Schlüsselblume
Dann allerdings vielleicht an einem Termin, der einige Wochen später liegt. Denn dann könnten die jungen Pflanzen auch gleich in die Hausgärten gesetzt werden und dort hoffentlich gut gedeihen. Angeboten wurde am Samstag (im Austausch oder gegen eine Spende) nahezu alles, was im heimischen Garten gerne angepflanzt wird: Himbeeren, Erdbeeren, Tomaten, Stachelbeeren, Kirschlorbeer und Minze. Aber auch Schlüsselblumen für den Garten, die man eigentlich bisher ja nur aus dem Bienwald kennt.
Gekommen waren übrigens nicht nur Freizeit-Gärtner aus Kandel und Umgebung. Aus Landau etwa war Daniel Hayna angereist, dessen Pflanzen ebenso wie die der übrigen Teilnehmer schon nach einer guten Stunde zum größten Teil Liebhaber gefunden hatten. Wichtig war für die Besucher, dass sie sich ganz zwanglos austauschen, geradezu fachsimpeln konnten. Auch und vor allem darüber, wie heimische Wildpflanzen die Hausgärten bereichern können und darüber, wie der Boden zu bearbeiten ist, über dessen Innenleben heute noch das meiste unbekannt ist, wie man später noch zu hören bekam.
Hochbeete kommen gut an
Viele Schriften lagen aus, nicht nur vom NABU. An dessen Stand waren auch Insektenhotels oder Nistkästen zu erwerben. Natürlich war der Naturkindergarten Kandel vertreten. Der rege Obst- und Gartenbauverein Kandel informierte ebenso wie die Stadt Kandel selbst. Die hatte schon vor zwei Jahren damit begonnen, sich als „essbare grüne Stadt“ zu vermarkten und Pflanzbeete in Wohngebieten aufzustellen. „In diesem Jahr werden drei weitere Hochbeete aufgestellt“, sagte uns City-Managerin Jennifer Tschirner. Und zwar mittendrin, am Saubrunnen in der Bismarckstraße etwa oder im Wohngebiet „Krautgärten“ sowie bei der IGS.
Hierzu sind Paten erforderlich, die sich um die Pflanzen und deren Wohlergehen kümmern, ehe sich die Bürger dann an den gereiften Früchten bedienen dürfen. Zzwischendurch darf man dem Blühen und Gedeihen der Früchte zuschauen. Ganz kostenlos übrigens, was ganz gut ankommt. Kandel soll ja „essbar“ sein. Die Hochbeete an den bisherigen Standorten werden in diesem Jahr wieder bepflanzt und betreut.
Bald veganes Café in Kandel
Und man freue sich über ein „veganes Café“, das am 25. Mai in der Hauptstraße eingerichtet wird. Dort, wo bisher die Produkte der Bäckerei Minzbrueck verkauft wurden, wollen Judith Bernert und Kathleen Zeher dieses Angebot unterbreiten. Kosten durfte man am Samstag bereits beim „veganen Food-Trailer“, der im Zuge der Tauschbörse aufgebaut war. In Kooperation mit der ersten „Pflanzen- und Samentauschbörse“ gab es nicht nur eine Begleitausstellung zu Fragen des Klimawandels.
Auch die Abschlussveranstaltung der kreisweiten Reihe „Grünes Haus, Bunter Garten“ fand erneut in Kandel statt. Oliver Decken informierte über seinen Hausgarten, der vor allem der Selbstversorgung dient, und die Arbeit des „Ernährungsrats Südpfalz“ im Rahmen der Bürgerstiftung der Pfalz. Christiane Hilsendegen stellte die Initiative „Naturoase Garten“ vor. Die fünf Frauen wollen Menschen dazu motivieren, einheimische Wildpflanzen in Gärten, auf Balkonen und Terrassen zu pflanzen, um Insekten mehr Nahrung und Lebensraum zu bieten.