Kreis Germersheim „Ausgrenzung – das tut mir weh“

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Neupotz. Der Mann mit den schlohweißen Haaren gestikuliert viel, während er über ein Thema spricht, in dem er sich inzwischen besser auskennt, als ihm lieb ist. Emil Heid weiß, wo in Sachen kommunaler Flüchtlingspolitik der Schuh drückt. Aber nur darüber zu reden, das reicht dem ehemaligen Ortsbürgermeister von Neupotz nicht. Zusammen mit vielen weiteren Unterstützern setzt er sich für die Geflüchteten in seinem Ort ein. Fast beiläufig wirkt dagegen sein Kommentar, der aber so vieles von seinem Engagement erklärt: „Ich war ein kleiner Junge, als 1946/47 die Flüchtlinge kamen und wie die ausgegrenzt wurden – das hat mir damals schon wehgetan.“

Deshalb setzt Heid heute alles daran, die Geflüchteten ins Gemeindeleben in Neupotz zu integrieren. Das freut auch die örtlichen Vereine, die so Zuwachs bekommen. Heid schwärmt über den Erfolg: „Ein Asylbewerber ist beim Fußballverein und schießt schon anständig Tore!“, freut sich der Altbürgermeister. Besonders gern erinnert sich der 75-Jährige an die Jubiläumsfeier des Gesangsvereins, für die eine Gruppe Flüchtlinge ein Lied einstudiert hatte. Dazu gab es ein Solo mit der eritreischen Gitarre. „Sehr außergewöhnlich“, merkt Heid mit einem Lächeln an. Wichtig sei aber auch der Sprachunterricht, betont der Neupotzer, der trotz einer Karriere bei einem französischen Reifenersteller nie selbst die Gelegenheit hatte, eine Fremdsprache zu lernen. Den Unterricht hat er mit vielen freiwilligen Helfern und mit Profes, die über den europäischen Sozialfonds finanzierte Deutschkurse anbieten, im Rathaus organisieren können. Nicht nur Neupotzer, sondern auch Leute aus den umliegenden Ortschaften spendeten Kleidung, Bettzeug und Fahrräder. Letztere sind gerade in der kleinen Gemeinde wichtig, damit die Geflüchteten mobil sein könne. Ein ehemaliger Mechaniker repariere die Räder, erklärt Heid, der für die Geflüchteten und für die Helfer eine erste Anlaufstelle ist. Wenn nötig, etwa für Arztbesuche, fährt Heid die Flüchtlingen im eigenen Auto in die Klinik und Praxis. Sehr am Herzen liegt ihm auch der kleine Gemüsegarten, den er und sein Frau Inge gemeinsam mit einer Gruppe Flüchtlinge angelegt haben. Die Geflüchteten kümmern sich um die Pflanzen und aus der Ernte wurde schon manche gemeinsame Mahlzeit gekocht. Der Garten sei zwar keine große Beschäftigung, aber immerhin überhaupt eine für die Menschen, die herkommen, meinen die Heids. „Die Leute kommen zu uns und sagen, dass sie arbeiten wollen, was sie ja aber nicht wirklich dürfen.“ Es sei wichtig, dass Menschen eine Aufgabe hätten, um nicht depressiv zu werden. „Ansonsten kann man ja auf schlechte Gedanken kommen.“ Derzeit gebe es in Neupotz etwa 30 Asylbewerber, die meisten junge Männer aus Eritrea und Somalia, aber auch Menschen aus Afghanistan und Ägypten. „Die Zahl ändert sich allerdings ständig“, merkt Heid an. So wie sich ständig auch etwas in der Gesetzgebung ändere. Heid ist deshalb immer auf dem Laufenden, verfolgt die Entwicklungen in der Asylpolitik. Gerade erst hat er sich dafür eingesetzt, dass einige Asylbewerber ein Praktikum in örtlichen Betrieben machen können – dazu musste er etliche Anträge ausfüllen. „Und dann erfahre ich aus den Nachrichten, dass das nun gar nicht mehr nötig ist!“ Aber seine Frustrationstoleranz ist hoch. Wegen solcher Kleinigkeiten sein Engagement zurückzufahren, das kommt für ihn nicht in Frage. Immerhin hat er schon zehn Leute für Praktika an örtliche Betriebe vermitteln können. Trotzdem zeigt Heid, der zehn Jahre lang Bürgermeister war, Verständnis für die Aufgaben und Herausforderungen der zuständigen Behörden. „Aber wenn, dann sehe ich mich halt als kritischer Mitarbeiter“, erklärt er. Deshalb kann er nicht zu allem Ja und Amen sagen. Seiner Ehefrau Inge und ihm war es etwa ein Dorn im Auge, dass die Menschen in ihren neuen Unterkünften sich erst einmal selbst überlassen werden. Mit der katholischen Frauengemeinde verteilen sie nun Begrüßungspakete mit Lebensmitteln, Schreib- und Hygieneartikeln. „Und wir wollen dabei sein, wenn jemand Neues kommt, um sie willkommen heißen“, erklärt das Ehepaar Heid. Nur manchmal, gibt er zu, sei sein Geduldsfaden kurz vorm Reißen: „Seit Februar haben wir versucht ein Pärchen zusammenzuführen.“ Das Paar stammt aus Eritrea, in Libyen wurden sie getrennt. Sie landete in München, er in Trier und anschließend in Neupotz. Der 75-jährige Heid erzählt, wie er von einer Verwaltung zur nächsten geschickt wurde, wie es dem jungen Paar immer schlechter ging. „Die wissen beide, sie sind im selben Land, aber sie können nicht zueinander“, schnaubt die 72-jährige Inge Heid. Anfang August hat es schließlich geklappt: Die Heids sind mit dem Mann gemeinsam nach Bayern, um seine Frau dort abzuholen und mit nach Neupotz zu nehmen. Dort hat das Paar nun gemeinsam eine kleine Wohnung beziehen können. „Die anderen hatten die Räume schon vorbereitet, als wir zurückkamen; das war einfach toll!“, freut sich Heid.

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