KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Liebesbriefen wurde die große Liebe

Heide-Rose und Werner Mühl haben viel gemeinsam erlebt.
Heide-Rose und Werner Mühl haben viel gemeinsam erlebt.

Früh, schon in der Schule, entdeckte Werner Mühl, seine Vorliebe für alles, was zu texten, zu formulieren war. Als „wm“ schreibt er seit drei Jahrzehnten Artikel für die RHEINPFALZ. Auch der Beziehung zu seiner großen Liebe Heide-Rose kam diese Leidenschaft zugute: In seiner Zeit bei der Bundeswehr konnte er mit ihr nur über Briefe Kontakt halten. Das gelang den beiden jungen Leuten so gut, dass sie am 12. Mai 1961 heiraten konnten und jetzt ihre diamantene Hochzeit feiern.

So richtig gefunkt hatte es zwischen Werner Mühl und seiner Heide-Rose schon vorher bei Treffen der Katholischen Jugend der Pfarrei St. Pius. Es muss so um das Jahresende 1957 gewesen sein, erinnern sich die beiden. Sie wohnte bei ihrer Großmutter in relativ beengten Verhältnissen. Ihren Vater hatte sie nie kennen gelernt. Er war zwei Monate nach ihrer Geburt 1942 in Stalingrad gefallen. Werner unterbreitete seiner fünf Jahre jüngeren Freundin einen pragmatischen Vorschlag: Heiraten und zusammenziehen!

Am 12. Mai 1961, vor genau 60 Jahren war es dann soweit. Standesamtlich getraut wurde das Paar vom legendären Kandeler Stadtbürgermeister Oskar Böhm. Einen Tag später vollzog die kirchliche Trauung Pfarrer Heinrich Ohmer. Und gefeiert wurde daheim, im Elternhaus von Werner Mühl. Gleich zwei Feste fielen zusammen. Nicht nur die Hochzeit von Heide-Rose und Werner, sondern auch die „Silberne Hochzeit“ der Eltern des Bräutigams. Viele Gäste hatte man eingeladen. Den weitesten Weg hatten ein Onkel und eine Cousine von Heide-Rose zurück gelegt. Sie waren aus Wien angereist.

Brautleute waren in der Stadt bekannt

Die jungen Brautleute waren nicht ganz unbekannt. Der Pfarrer hatte mit ihnen zu tun, schließlich waren sie aktiv in der Katholischen Jugendarbeit tätig. Werner Mühl sollte seiner Heimatpfarrei über Jahrzehnte hinweg eng verbunden bleiben. Nicht nur als Mitglied im Pfarrgemeinde- oder Verwaltungsrat, sondern auch als Mitbegründer des Seniorenkreises St. Pius, in dem er 17 Jahre lang aktiv war und viele Nachmittage aktiv mit gestaltete.

Auch der Kandeler Bürgermeister kannte den jungen Werner, dessen Vater Jakob als einer der Mitbegründer der CDU in Kandel zu dieser Zeit Mitglied des Stadtrates war. Sohn Werner war später viele Jahre Mitglied im Vorstand, gehörte dem Stadtrat (auch als Fraktionssprecher der CDU) und dem Kreistag Germersheim an, ehe er sich aus der Kommunalpolitik zurückzog. Das war seiner Frau Heide-Rose auch recht. Denn wenn er von politischen Sitzungen nach Hause kam, war er häufig „nicht bester Stimmung“, wie sie es vorsichtig ausdrückte.

Im Hauptberuf war Werner Mühl lange beim Kandeler Elektrounternehmen David&Baader beschäftigte, ehe er in einen Betrieb nach Ettlingen wechselte und dort nebenbei ein Studium an der Betriebswirtschaftsakademie absolvierte, das er mit der Prüfung zum Betriebswirt abschloss. Vielen Kunden des Kandeler Schuhhauses Grahn ist Heide-Rose Mühl sicherlich als Beraterin bekannt, schließlich war sie 48 Jahre lang dort beschäftigt. Halbtags, denn zu Hause musste die Familie versorgt werden. Zu der gehörten Tochter Beatrix, Sohn Stefan, der heute Pfarrer in Frankenthal ist und bei seiner Geburt der 6000. Einwohner von Kandel wurde. Sohn Alexander, der im Saarland wohnt, kam 1971 zur Welt.

Gemeinsam Marathon gelaufen

1965 zog man die Familie in die Saarstraße, das Haus war mit viel Eigenleistung erbaut worden. Trotz allem leistete man sich 1970 einen ersten Urlaub im Schwarzwald, später fuhr man regelmäßig nach Bayern, Tirol, auch in andere europäischen Länder und sogar nach Asien, Südamerika und Afrika. Lebhafte Erinnerungen haben Heide-Rose und Werner an einen Urlaub in Marokko, in dem sie ihrem weiteren großen und gemeinsamen Hobby, dem Wandern, zehn Tage lang gefrönt haben.

Daheim engagierte er sich für seine Bienwaldstadt, etwa als Mitbegründer des „Vereins grenzüberschreitende Freundschaften“ oder beim TSV Kandel, zu dem die beiden als begeisterte Läufer – auch bei mehreren Marathon-Läufen gingen sie an den Start - eine besondere Beziehung hatten. Altersbedingt, so ist zu hören, müssen sie mittlerweile sowohl auf das Laufen, Wandern und das Radfahren verzichten.

Das närrische Publikum freute sich über Werner Mühls Büttenreden, die er selbst verfasst und vorgetragen hat. Heute ist er Ehrenmitglied und Ehrensenator der BiKaGe. In Kandeler Mundart holte er Preise bei Mundartwettstreiten in Bockenheim und Dannstadt-Schauernheim. Und er ist Chronist seiner Heimatstadt, mehrere Werke stammen aus Feder des heute 83-Jährigen.

An das, was „Domols, vor 60 Johr“ (so ein Gedichttitel) begonnen hat, wird man sich heute im Haus in Oberkandel vielfach erinnern. Ungezwungenes Feiern ist heute wegen der Pandemie wohl nicht möglich. Die Ehe-Jubilare freuen sich aber schon auf „normale“ Zeiten und darauf, wieder mehr Leute zu treffen.

Auch nach 60 Jahren ein glückliches Ehepaar.
Auch nach 60 Jahren ein glückliches Ehepaar.
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