Kreis Germersheim Aus Freundschaft wurde Liebe
WÖRTH. Heute feiern Ruth und Ewald Scheurer das Fest der Diamantenen Hochzeit. „Aber nur im engsten Familienkreis“ betont der Ehemann, „da wir beide gesundheitlich angeschlagen sind.“ Während Ewald Scheurer trotz seiner schweren Erkrankung sehr agil ist und am privaten und öffentlichen Geschehen regen Anteil nimmt, benötigt seine 82-jährige Ehefrau tägliche Pflege.
Kennengelernt haben sich der in Jockgrim geborene und dort aufgewachsene Ewald und die Wörtherin Ruth, geborene Pfirrmann, 1952 beim Kerwetanz im Gasthaus Hirsch in Wörth. „Von da an war es in den nächsten Jahren eine lose Freundschaft“ sagt der 83-jährige gelernte Schiffsbauer. Von 1953 an absolvierte er drei Jahre lang eine Ausbildung bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Nürnberg. „Auch diese Abwesenheit hat die Freundschaft überdauert, ehe ich zur Stadtpolizei nach Karlsruhe versetzt wurde“ erinnert sich Scheurer. „Am 3. November 1956 heiratete ich dann meine Ruth und wurde in Wörth wohnhaft.“ Aus der Ehe sind drei Kinder (Heidi, Stefan und Astrid) mit sieben Enkeln und zwei Urenkeln hervorgegangen. Scheurer war zehn Jahre im Polizeirevier in Karlsruhe, ehe er als Kriminalmeister bei der Kripo übernommen wurde. Dabei war er bei der Fahndung und als Sachbearbeiter in mehreren Mordkommissionen tätig, zuletzt als stellvertretender Leiter im Sonderdezernat „Organisierte Kriminalität“ eingesetzt. Zwischendurch war er beim Landeskriminalamt in Stuttgart im Gebiet „Fahndung nach gestohlenen Kunstgegenständen“ unterwegs. 1993 wurde er als Kriminalhauptkommissar pensioniert. Inzwischen hatte seine Ehefrau Ruth 1963 in der Königstraße eine Wäscherei eröffnet, die später in das neu errichtete Gewerbegebiet Niederwiesen umgezogen ist. Dort wird sie von Tochter Astrid und deren Ehemann weiter unter dem Namen Wäscherei Scheurer betrieben. „Wenn Not am Mann ist und ich gerufen werde, helfe ich gerne dort noch mit“ meint Ewald lächelnd. In Wörth wurde Scheurer auch bald im Vereinsleben aktiv. Ausschlaggebend für seinen Eintritt in die Kommunalpolitik war eine Abstimmung über die Abschaffung der zwei Konfessionsschulen, die es 1960 in Wörth noch gab. Diese endete mit einem deutlichen Votum. „Da die SPD diese Abstimmung unterstützte, trat ich in die Partei ein“ erzählt er. Er wurde später Geschäftsführer und von 1968 bis 1972 Vorsitzender. 1969 wurde er in den Gemeinderat und später in den Stadtrat gewählt. Im Ortsbeirat war er Fraktionssprecher und von 1999 bis zum Ausscheiden 2004 auch stellvertretender Ortsvorsteher. Für seine Verdienste erhielt er 1997 die Landesehrennadel. Beim Schützenverein, dem er seit seiner Gründung 1960 angehört, war er zeitweise zweiter Vorsitzender und ist schon länger Ehrenmitglied. Seit 1967 ist er Mitglied der AWO, von 1993 bis zu diesem Jahr war er ihr Vorsitzender in Wörth und ist jetzt Ehrenvorsitzender. Gerne erinnert er sich an die 700-Jahrfeier der Stadt Wörth, als er beim Verfassen des Schauspiels mit dem Regisseur Hugo Wunsch und auch bei der Organisation der Veranstaltung aktiv war. „Alle diese ehrenamtlichen Tätigkeiten konnte ich nur mit der Unterstützung meiner Ehefrau Ruth leisten, die auch beim Schützenverein und in der AWO mit geholfen hat “ gesteht Ewald Scheurer gerne ein. Am liebsten denkt er aber an die gemeinsamen Urlaube mit ihr zurück, die sie in viele ferne Länder geführt haben. „Wir haben die halbe Welt bereist. Es gibt ja kaum ein Land, das wir nicht kennen“ sagt er stolz. |jopa