Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Altdeponie treten Gefahrstoffe aus

1976 wurde das Gelände der ehemaligen Deponie an die Forstverwaltung übergeben.
1976 wurde das Gelände der ehemaligen Deponie an die Forstverwaltung übergeben.

Eine jahrzehntelang vergessene Industriemülldeponie zwischen Jockgrim und Rheinzabern beschäftigt die Behörden. Bei Messungen wurde der Austritt von Gefahrstoffen entdeckt. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, betont die Kreisverwaltung. Allerdings gibt es noch offene Fragen.

Nichts deutet heute darauf hin, dass sich in dem kleinen Waldstück zwischen Jockgrim und Rheinzabern westlich der Landesstraße 540 einst eine Mülldeponie befand. Auch bei der Kreisverwaltung war das nicht bekannt, wie Landrat Fritz Brechtel (CDU) bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz betonte. Schon gar nicht hatte man bei der Behörde damit gerechnet, dass auf dem Gelände Gefahrstoffe, in erster Linie Benzole und Leichtflüchtige Halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) austreten, die eine Gefahr für das Grundwasser darstellen.

Von der Deponie habe man erst erfahren, als die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) im März 2017 beim Kreis eine Begehung der Altdeponie ankündigte und nach Unterlagen fragten. „Der Deponie-Standort war bis 2017 den aktuell handelnden Personen der Kreisverwaltung nicht bekannt“, sagte Brechtel. Im Archiv der Abfallwirtschaft fand man eine Akte aus dem Jahr 1996, die unter anderem ein Gutachten zum ehemaligen Deponiegelände enthielt. „Wir wissen längst noch nicht alles. Vielleicht gibt es noch den ein oder anderen Zeitzeugen, der uns Informationen geben kann“, so Brechtel.

Kriminelle Machenschaften

Was man weiß ist, dass bis 1969 die ehemalige Ziegelei Teeuwen dort Ton abbaute. Anschließend betrieb die Firma Südpfälzische Gesellschaft für Verbrennung und fachgerechte Beseitigung von Industriemüll aus Offenbach dort eine Deponie. Brechtel spricht von kriminellen Machenschaften, denn die Firma fälschte Stellungnahmen des Wasserwirtschaftsamtes sowie Genehmigungen des Landratsamtes Germersheim, dem Vorgänger der Kreisverwaltung. Das Landratsamt entzieht im August 1971 die Betriebsgenehmigung, weil entgegen der Auflagen in der ehemaligen Tongrube Teerrückstände, Farbreste, Harzrückstände und ölverunreinigter Boden entsorgt wurden. Die Firma musste drei Grundwassermessstellen mit vier Brunnen einrichten. Wasserproben förderten deutliche Belastungen mit Cyanid zutage. Außerdem entdeckte die Polizei im östlichen Teil des Geländes ein Lager mit Fässern, die hochgiftiges cyanidhaltiges Härtesalz enthielten. Die Fässer lagern laut Brechtel heute sicher in einem alten Stollen eines Salzbergwerks.

Nichts erinnert heute mehr daran, dass in der einstigen Tongrube Gefahrstoffe entsorgt wurden.
Nichts erinnert heute mehr daran, dass in der einstigen Tongrube Gefahrstoffe entsorgt wurden.

Die Industriemülldeponie wurde ab 1973 vom Kreis als Hausmülldeponie genutzt, Anfang 1974 war ihre Kapazität erschöpft, sie wurde stillgelegt. Im Oktober 1976 wurde die Fläche an die Forstverwaltung zurückgegeben, die Deponie geriet in Vergessenheit – bis sich 2017 die SGD dafür interessierte. Mit der SGD arbeite man sehr eng zusammen, so Brechtel, auch wenn es eine juristische Auseinandersetzung wegen der Übernahme der Kosten für die Untersuchungen gebe. Rund 250.000 Euro sind bisher angefallen.

Keine Gefahr für Trinkwasserversorgung

Mit den Erkundungen des Geländes wurde 2020 das Ingenieurbüro Peschla + Rochmes aus Kaiserslautern beauftragt, eine ausgewiesene Fachfirma. Zusätzliche Brunnen wurden gebohrt, weitere Messstellen eingerichtet. Geschäftsführer Horst Peschla konnte beim Blick auf die Schadstofffahnen Entwarnung geben. Als Schadstofffahne wird der Teil einer Grundwasserverunreinigung bezeichnet, in der die Schadstoffe vorwiegend gelöst vorliegen. Aufgrund des natürlichen Schadstoffabbaus und entsprechender Verdünnungseffekte lägen diese bei Benzol bei 400 Meter und bei LHKW bei 2200 Meter. Für die Trinkwassergebiet Jockgrim und Kuhardt bestehe keine Gefährdung. Durch die hohe Flüchtigkeit der Gefahrstoffe bestünde auch für Nutzpflanzen keine Gefahr, sollten diese mit Grundwasser aus dem Bereich gegossen werden. Auf Initiative der Kreisverwaltung sollen acht weitere Brunnen, teilweise etwas weiter entfernt vom ehemaligen Deponiegelände gebohrt werden. Es werde regelmäßig Messungen geben, kündigte Michael Gauly, Dezernent für die Bereiche Bauen, Umwelt und Abfallwirtschaft bei der Kreisverwaltung an.

Westlich der Landesstraße 540 zwischen Jockgrim und Rheinzabern liegt das kleine Waldstück unter dem sich die Deponie befindet.
Westlich der Landesstraße 540 zwischen Jockgrim und Rheinzabern liegt das kleine Waldstück unter dem sich die Deponie befindet.

Karl Dieter Wünstel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Jockgrim, gab in seiner Funktion als Verbandsvorsteher der Wasserversorgung Germersheimer Südgruppe ebenfalls Entwarnung: „Wir haben immer hervorragendes Trinkwasser geliefert und werden das auch in Zukunft tun.“ Zusätzlich zu den regulären Trinkwasseranalysen habe es in jüngster Vergangenheit Sonderanalysen gegeben, die ebenfalls unbedenklich gewesen seien. „Unsere Entnahmestellen sind auch weit entfernt von der alten Deponie, deshalb sind wir relativ entspannt“, sagte Wünstel.

Am kommenden Dienstag, 12. Dezember, 19 Uhr, werden die Einwohner der betroffenen Orte von Landrat Brechtel, Bürgermeister Wünstel sowie Vertretern der SGD und des Fachbüros bei einer Einwohnerversammlung im Bürgerhaus Jockgrim über den aktuellen Stand informiert.

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