Kandel
Asklepios online: „Das Krankenhaus ist sicher“
„Wir bekommen einige Rückmeldungen von Ärzten, dass Patienten aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona nicht in ein Krankenhaus wollen“, sagt Frank Lambert, der Geschäftsführer der Südpfalzkliniken in Germersheim und Kandel. Im Vergleich zu den Vorjahren würden etwa fünf Prozent der sonst in dieser Jahreszeit üblichen Patienten fehlen. In einer Online-Patientenveranstaltung warben daher am Freitagabend vier Ärzte der Asklepios-Klinik dafür, dass die Krankenhäuser auch in Zeiten der Corona-Pandemie sicher seien.
Der Infektiologe und Intensivmediziner Tim Eichenauer informierte über den Stand der Corona-Forschung und den Verlauf einer Infektion. „Spätestens bei Kurzatmigkeit und Luftnot muss die Versorgung im Krankenhaus erfolgen“, appellierte er, Symptome nicht zu verschleppen. Dies sei keine Frage des Alters. Im Vergleich zur ersten und zweiten Welle seien die Covid-Intensivpatienten wesentlich jünger. „Wir haben bei uns Patienten mit 20 bis 30 Jahren, die um ihr Leben kämpfen“.
Noch immer verlaufe die Mehrzahl der Corona-Infektionen aber symptomfrei. Eichenauer warnte gerade junge Menschen, eine Infektion zu unterschätzen und besonders vor den „lebenslangen Folgen durch Long Covid“. Mehr als ein Dutzend Fragen erreichten Eichenauer nach seinem Vortrag. Viele interessierten sich für die negativen Folgen einer künstlichen Beatmung. Eichenauer stellte klar: „Eine Beatmungstherapie kann auch Probleme verursachen, aber sie rettet das Leben von Patienten“.
Verschleppen gefährlicher als Corona
„Ich konnte mir nicht vorstellen, wie wichtig mein Arbeitsbereich mal werden würde“, sagte Michael Königs, der Leiter der Krankenhaushygiene der Asklepios-Klinik. In seiner Verantwortung liege, dass „Menschen sorgenfrei in die Kliniken gehen können“. Um dies zu gewährleisten, hätten auch „unpopuläre Entscheidungen“ wie das weitgehende Besuchsverbot in den Kliniken oder die Schließung der Kantine getroffen werden müssen, so Königs. „Wir können leider nicht davon ausgehen, dass sich draußen alle vernünftig verhalten“.
Alle Patienten würden daher bei der Einlieferung auf Corona getestet und vielfältige Maßnahmen getroffen, um Corona-Patienten von Gesunden zu trennen und Patienten und Personal zu schützen. „Das ist eine große körperliche und physische Belastung für das Klinikpersonal“, sei aber notwendig, um ein „sicheres Krankenhaus“ zu sein.
Lebensgefahr durch versteckte Herzinfarkte
Der Chefarzt der Gefäßchirurgie, Cetin Kocaer, und der Ärztliche Direktor Jörg Stypmann appellierten anschließend, auch andere Symptome und Krankheiten nicht zu unterschätzen. „Die Gefahr einer verzögerten Erkennung von Erkrankungen ist größer als die einer Corona-Infektion“, sagte Kocar. Stypmann warnte insbesondere vor nicht entdeckten Herzinfarkten. „Man trinkt und man isst gerne in der Südpfalz“, daher gebe es in der Region viele Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden würden. Etwa 200 Herzinfarkte pro Jahr werden in der Klinik behandelt. Zwar habe „die dritte Welle auch uns voll erwischt“, aber: „Sie können zu jeder Zeit ins Krankenhaus kommen, wir werden Sie sicher behandeln“, fasste er die Veranstaltung zusammen.