Freckenfeld Arbeit am Band für Kfz-Meister nie ein Thema
Harald Appel genießt nach genau 50 Jahren im Berufsleben seinen verdienten Ruhestand. Im Kandeler Ortsteil Minderslachen ist er aufgewachsen, besuchte dort die kleine Dorfschule mit zehn Jahrgängen in einem Klassenzimmer. Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte er in der Karlsruher Werkstatt seines Onkels eine Lehre als Tankwart, lernte die technischen und kaufmännischen Seiten des Kfz-Gewerbes kennen. Bedienung der Kunden, kleinere Reparaturen und Betanken der Autos bestimmten den Alltag. Er blieb bis zur altersbedingten Schließung 1982.
1981 fand er mit seiner späteren Frau Pia eine Wohnung in Freckenfeld direkt am Dampfnudeltor, dem Wahrzeichen des Dorfs. Appel war kurzzeitig arbeitslos. Er sah, wie die Freiwilllige Feuerwehr erste Vorbereitungen für die 1000-Jahr-Feier an Pfingsten 1982 traf. Er bot den Feuerwehrmännern einfach seine Mithilfe an und kam mit dem damaligen Kommandanten Heinz Memmer ins Gespräch. Er erlaubte Appel, in seiner kleinen Werkstatt in der Kirchstraße den VW Käfer eines Freundes zu reparieren. Memmer erinnert sich: „Ich habe sofort gesehen, dass er richtig was drauf hat und habe ihn im Sommer eingestellt.“
Appel hat die Entwicklung vom kleinen Drei-Mann-Betrieb zur VW-Vertragswerkstatt mit 20 Mitarbeitenden begleitet und mitgeprägt. 1987 hat er nach zwei Jahren Abendschule erfolgreich die Meisterprüfung abgelegt. Der heute 55-jährige Jörg Frech war der erste von rund fünfzehn Auszubildenden, die er unterstützte. Frech ist heute noch im Betrieb beschäftigt. An die Arbeiten in der Grube im Freien bei Minus zehn Grad denkt Appel nicht so gerne zurück, eher schon an die Einsätze im Abschleppwagen. „Wir waren rund um die Uhr erreichbar durch ein ganz schweres, tragbares Telefon mit E-Netz. Es dürfte das erste Mobilfunkgerät im Ort gewesen sein“, so Appel lachend.
Es gab auch schwere Zeiten. Wegen einer Venenkrankheit musste der Chef mehrere Male für längere Zeit ins Krankenhaus. Appel unterstützte Memmers Frau Marianne mindestens zwölf Stunden täglich. Neben der Arbeit in der Werkstatt leistete er Telefondienst, bereitete Auftragszettel für die Rechnungsstellung vor, erklärte den Lehrlingen Schaltpläne. Der heutige Seniorchef gibt sich nachdenklich und dankbar: „Ich weiß nicht, ob ich ohne Harald den Geschäftsbetrieb hätte aufrechterhalten können.“ Nach dem Umzug und dem Neubau im Industriegebiet „Karlshöhlchen“ 2001 spezialisierte sich Appel sukzessive in den Bereichen Karosserie und Abgasuntersuchung.
Viele Freckenfelder gingen nach Wörth zu Daimler-Benz, das war für Appel nie ein Thema. Er zog die abwechslungsreichen Tätigkeiten in einem familiären Umfeld der monotonen Bandarbeit im Schichtbetrieb vor. Trotz seiner Erkrankung an Diabetes hatte der 64-Jährige in all den Jahren nur drei oder vier Krankenscheine. Appel engagierte sich im Ehrenamt, bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden war er in vier Jahrzehnten bei der Freiwilligen Feuerwehr Maschinist und trug bei Löscheinsätzen den schweren Atemschutz.
Für die SPD-Fraktion saß er fünfzehn Jahre im Gemeinderat, durch zahlreiche Besuche war er einer der Wegbereiter der Partnerschaft mit dem österreichischen Telfes im Stubaital. Er findet auch kritische Worte: „Im Ort fehlt ein Baugebiet, deshalb sind in den letzten Jahren mindestens sieben aktive Feuerwehrleute weggezogen.“ Angst vor Langeweile im Ruhestand hat er nicht. Seine beiden Söhne wohnen mit ihren Familien um die Ecke in Minfeld und Kandel, täglich weilt mindestens eines der vier Enkelkinder zwischen vier und elf Jahren beim Opa. Die Appels haben einen großen Garten, möchten im Pfälzerwald wandern. Die Familientradition im Autohaus stirbt nicht aus, Sohn Marco ist seit zwei Jahren ebenfalls bei den Memmers beschäftigt.