Kreis Germersheim Angeklagter war mit späterem Opfer durchgebrannt

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Ein 31-jähriger Afghane ist angeklagt, in Wörth in der Nacht des 27. November 2015 seine vermutlich 26-jährige Ehefrau während eines Streits mit einem langen Fleischermesser mehrfach so verletzt zu haben, dass sie daran starb. Er war dabei stark alkoholisiert. Seit gestern läuft das Verfahren vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Landau.

Am Morgen, also mehrere Stunden nach der Tat, wurde noch ein Blutalkoholgehalt von 1,32 Promille bei der Blutprobe festgestellt. Sein etwa vierjähriges Kind war dabei und ist jetzt bei einer Pflegefamilie. An diesem ersten Verhandlungstag – es sind noch vier weitere im Juni und Juli angesetzt – wurde zunächst die Anklage verlesen. Dann wurde der Angeklagte, der in Untersuchungshaft in der JVA Zweibrücken sitzt, mit Hilfe eines Dolmetschers für die persische Sprache, über seine persönlichen Verhältnisse vernommen, auch wurden insgesamt sieben Zeugen befragt. Zur Sache wollte der Angeklagte, der von Rechtsanwalt Ulrich Kempf aus Landau verteidigt wird, nichts sagen. An die Tat kann er sich nicht erinnern, er habe seine Frau geliebt und sehne sich nach seinem kleinen Sohn, sagte er unter Tränen. Schnell wurde deutlich, mit welchen Schwierigkeiten die Prozessbeteiligten zu kämpfen haben werden: Der Angeklagte, der erst im September 2015 nach Deutschland kam, spricht nicht nur kein Deutsch. bleibt auch zweifelhaft, ob er versteht, was mit ihm geschieht, trotz der geduldigen Erläuterungen der Vorsitzenden Richterin Zürker. Er ist afghanischer Herkunft, aber im Iran geboren. Dort hat er die Schule abgeschlossen und Damenschneider gelernt. Danach hat er sich in Arak ein Geschäft aufgebaut mit 20 Angestellten, eine davon seine spätere Frau. Als diese mit einem Cousin verheiratet werden sollte, verkaufte er sein Geschäft. Sie brannten zusammen durch in die Türkei und heirateten dort. Er fing als Händler neu an. Seine Frau sei „nervenkrank“ gewesen, meint er. Nach einem Überfall, bei dem er verletzt wurde und hinter dem er Verwandte des seinerzeit verschmähten Ehegatten vermutete, beschloss er im August 2015, mit Frau und Kind nach Deutschland zu kommen, zusammen mit seinem Vater – die Mutter blieb im Iran - und der Witwe eines Bruders mit Kindern. Hier landete er erst in Birkenfeld und dann in Wörth, wo ihm mit Frau und Sohn eine Wohnung zugewiesen wurde. Vater und Schwägerin hatte er in Griechenland aus den Augen verloren, sie tauchten in Minfeld wieder auf. In Birkenfeld soll es bei der Kleiderkammer einen Auftritt gegeben haben, bei der die Glasscheibe einer Tür zu Bruch ging. Seine Frau wiederum, sagte ein Zeuge, habe sich einer Sozialarbeiterin anvertraut: Sie sei als Zweitfrau zwangsverheiratet worden, ihr Mann sei gewalttätig. Der Tod der Frau verhinderte weitere Untersuchungen. Die Aussagen der Nachbarn für die Tatnacht sind sehr unterschiedlich. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 29. Juni, fortgesetzt. (adö)

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