Kreis Germersheim Angeblich zu wenig Platz für Ganztagsschule
Vorwürfe richtet der stellvertretende Kreisvorsitzende der Vereinigung Bildung und Erziehung (VBE), Konrad Ochsenreither, an die Adresse der Stadt Wörth. Die Situation an der Grundschule Dorschberg habe sich angeblich„im Hinblick auf die räumlichen Gegebenheiten seit mehr als einem Jahrzehnt erheblich verschlechtert“. Der Personalrat der Schule teilt diese Auffassung. Verantwortlich für die Raumsituation ist der Schulträger, also die Stadt Wörth.
„Immer wieder musste die Schule Räume für die Realschule Plus beziehungsweise die IGS abgeben“, so Ochsenreither in einer Stellungnahme zu unserem Bericht „Grundschule will nicht ganztags öffnen“ (RHEINPFALZ vom Dienstag). Die Folge laut Ochsenreither: „So scheint mittlerweile eine echte Raumnot zu herrschen. Wie soll da unter anderem ein Raumkonzept für eine Ganztagsschule werden?“ Vor diesem Hintergrund wundere es ihn nicht, dass sich die schulischen Gremien allesamt ablehnend gegenüber dem Plan der Stadt für die Einrichtung eines Ganztagsangebots verhalten, meint Ochsenreither. Ähnlich argumentiert der Personalrat der Dorschberg-Grundschule. Organisatorische Bedenken spielen bei seiner Ablehnung der Ganztagsschule eine große Rolle, heißt es in seiner Stellungnahme. Die Dorschbergschule sei für das Konzept einer Ganztagsschule verhältnismäßig klein, meint der Personalrat: „Hinzu kommt ein Raumproblem.“ Derzeit herrsche bereits eine Knappheit an Räumen, da das Qualitätsprogramm der Schule viele Maßnahmen zur individuellen Förderung vorsehe. Es sei also damit zu rechnen, dass der Raumbedarf auch ohne die Errichtung einer Ganztagsschule weiterhin steigen wird. In einer Ganztagsschule allerdings würden deutlich mehr Räume benötigt, es sollten Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten geschaffen werden, ebenso wie Platz zum Toben – auch bei schlechtem Wetter, so der Personalrat. Sport am Nachmittag könnte nur begrenzt angeboten werden, da die Grundschule nach dem Umbau der eigenen Sporthalle zur Mensa für die IGS nur noch über ein Drittel der Dorschberghalle verfüge. „Zusätzliche Räume wurden vom Schulträger zwar versprochen, können jedoch erst nach dem Auszug der IGS- Schüler in Anspruch genommen werden, der allerdings zeitlich nicht terminiert werden kann“, so der Personalrat. Der Auszug der IGS ist mehr als nur ein Versprechen, stellt Tobias Simon fest. Der geschäftsführende Beamte der Stadt Wörth weist auf einen entsprechenden Beschluss des Stadtrats von Mitte Dezember hin. Danach wird die Stadt zusammen mit dem Landkreis als Träger der IGS die Planung entsprechend vorantreiben. Bezüglich der derzeitigen Raumsituation sagt Simon, dass der Dorschberg-Grundschule im Zuge der Mensa-Planung ein kompletter Neubau angeboten wurde. Den habe die Schule aber abgelehnt, weil sich dann ihre räumliche Situation verschlechtern würde. Das bedeutet im Umkehrschluss: Schon die jetzige Raumsituation ist nach Meinung der Schule besser als der Gesetzgeber verlangt. Und für den Schulsport stehe der Grundschule künftig sogar mehr Platz dauerhaft zur Verfügung (siehe Kommentar). Der Personalrat der Dorschberg-Grundschule betont, dass es zu keinem Zeitpunkt den Lehrern um egoistische Motivationen ging: „Zumal sich das tatsächliche Arbeitspensum nicht erhöhen würde, da zusätzliche Zeiten zu einem Großteil von außerschulischen Kräften übernommen würden.“ Aus Lehrersicht zählten vielmehr in erster Linie die pädagogischen Aspekte. Unter anderem gehe es darum, dass das tägliche Pensum Grundschüler überfordere. Es handele sich um 6- bis 10-jährige Kinder, die erfahrungsgemäß acht Stunden unter „Dauerstress“ stünden. Die psychische und körperliche Leistungsfähigkeit der Schüler werde dabei vollkommen überreizt. Das starre zeitliche Konzept lasse im Gegensatz zu einer flexiblen Betreuung nur wenig schulfreie Zeit für private Termine am Nachmittag zu. Entgegen der Annahmen vieler Eltern würden in der Ganztagsschule in Angebotsform oftmals nicht qualifizierte Kräfte für die Nachmittagsbetreuung eingesetzt, so der Personalrat. Außerdem wäre ein erhöhtes Konfliktpotenzial vorprogrammiert, da den Schülern die Zeit und der Raum für persönliche Auszeiten fehlten. (lap)