Kreis Germersheim
Am Sonntag in Wörth Amtseinführung von Pfarrer Walter Riegel – Ein Porträt
Seit 1. Oktober ist Pfarrer Walter Riegel (59 Jahre) offiziell für die Friedenskirche Wörth nach dem Weggang von Pfarrerin Simone Ade-Ihlenfeld zuständig. Am Sonntag wird er von Dekan Claus Müller im Gottesdienst um 10 Uhr in sein neues Amt eingeführt.
Der in Sindelfingen geborene und bis 1970 in Böblingen lebende Pfarrer wuchs nach der beruflichen Übersiedlung seiner Eltern in Jockgrim auf und machte sein Abitur am Wörther Europa-Gymnasium. Nach dem Studium in Mainz absolvierte er sein Vikariat in Nußdorf beim inzwischen verstorbenen Pfarrer Gerhard Postel, der auch Umweltbeauftragter der Pfälzischen Landeskirche war.
„Meine erste Stelle war an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Bad Dürkheim, wo ich drei Jahre Dienst tat. Nach meiner Bewerbung um eine Pfarrstelle in Kandel arbeitete ich dort auch drei Jahre. Meine erste eigene Pfarrstelle war Rülzheim, wo ich von 1997 bis 2009 wirkte“, erzählt Riegel.
Schule und Kirchengemeinde im Wechsel
Danach meldete er sich aus privaten Gründen wieder zum Schuldienst jeweils mit einer halben Stelle an der BBS Landau und an der BBS Germersheim/Wörth. Vorübergehend tat er auch Dienst in Ludwigshafen Pfingstweide bis Anfang 2017. Danach übernahm er eine halbe Stelle in der Seelsorge im Willi-Hussong-Haus in Kandel, während er mit der anderen Hälfte als „Feuerwehr“ im Dekanat Germersheim tätig war (ein Jahr in der Christuskirche Wörth, ein halbes Jahr in Erlenbach und ein Jahr in Westheim-Lingenfeld).
Veränderungen deuten sich an
Vor einigen Monaten wurde Pfarrer Riegel dann gefragt, ob er sich vorstellen könne, noch einmal mit einer vollen Stelle in den Gemeindedienst zu gehen, da in der Friedenskirche in Wörth Bedarf wäre, der zeitlich befristet zu besetzen sei. „Nach einer kleinen Bedenkzeit habe ich zugestimmt – mit der Zusage weiterhin in Rülzheim wohnen zu können“, sagt Riegel. „Es ist ja bekannt, dass es in den nächsten Jahren einige Veränderungen und damit Herausforderungen für unsere Region geben wird. Doch das lassen wir auf uns zukommen“, ergänzt er.
Eigene Rockband fürs Dekanat aufbauen
Für ihn sind in der Gemeinde die Verkündigung (Gottesdienste, Beerdigungen) und die Seelsorge sehr wichtig. „Aber auch die Jugend liegt mir am Herzen und vor allem liebe ich die Musik. Seit meiner Jugend singe und musiziere ich gerne. Ich war im Schulchor und in der Schulband, später im Kirchenchor. Seit etwa acht Jahren spiele ich zusammen mit meinen beiden Brüdern und Freunden aus der Schulzeit in der Rockband „Beaf united“, mit der wir auch schon in Wörth aufgetreten sind. Ich singe und bin an den Keyboards“, sagt er ganz euphorisch. Jetzt will Riegel in Absprache mit dem Dekan versuchen, eine Dekanats-Band aufzubauen, die in Zukunft auch die Jugendgottesdienste mit gestalten könnte.
Er war erstmals von 1989 bis 2009 mit seiner ersten Frau Jenny, die katholische Diplomtheologin (!) war, verheiratet. Sie starb, kurz nachdem er im Sommer in den Schuldienst gewechselt war, um mehr Zeit für sie und die Familie zu haben. Die beiden Kinder Julia (27) und Manuel (24) studieren beide derzeit. 2013 hat Riegel wieder geheiratet. Seine jetzige Frau Helga hat aus erster Ehe drei bereits erwachsene Kinder mit eigenen Familien, so dass er – wie er sagt „über Nacht“ - zum fünffachen Opa geworden ist.
Gärtner, Schreiner, Orgelbauer – Pfarrer!
„Ich wäre vielleicht Gärtner, Schreiner oder Orgelbauer geworden, deren Berufsbilder ich mir alle schon näher angeschaut hatte. Ein väterlicher Freund hat mir aber Mut zum Theologiestudium gemacht. Er leitete in Jockgrim die Kindergottesdienstarbeit als Prädikant, zu der ich als Konfirmand dazu kam. Bei ihm lernte ich vieles über Gemeinschaft, Glauben und christliche Existenz.“
Riegel möchte auch vom Begriff „Kirchenbesucher“ wegkommen. „Die Menschen sollen Teilnehmer sein, sie sollen als Teil des Ganzen teilnehmen. Sie sollen ermutigt werden, mitzugestalten. Ich habe als Pfarrer eine besondere Aufgabe, will aber nicht über den Menschen stehen, sondern mit ihnen auf Augenhöhe sein. Die Kirche muss einladend, offen für Menschen sein. Sie müssen sich sagen können: Da gehe ich wieder hin. Das Angebot muss stimmen“ – so sieht der neue Pfarrer seine zukünftigen Aufgaben in der Friedenskirche in Wörth.