Kreis Germersheim / Hagenbach
Am Sommerdeich wird’s knapp
Die drei Feuerwehrmänner und eine Feuerwehrfrau am Deichwachthaus bei Neuburg können in Ruhe ihren Kaffee trinken. Zwar steuert der Rhein nach einem sogenannten fünfjährigen Hochwasser – das wird durchschnittlich alle fünf Jahre erwartet – Ende Januar/Anfang Februar nun auf ein zehnjähriges zu. Aber anders als im Westen von Rheinland-Pfalz gehören Hochwasser in unserer Region ein Stück zum Alltag. Was auch bedeutet: Alles ist vorbereitet. Dazu gehören die Deichwachen: Ab einem Pegelstand von 7,80 Meter (Maxau) besetzen Feuerwehrleute die Wachhäuschen bei Neuburg und Leimersheim. Regelmäßig fahren sie die Deiche ab und suchen nach sogenannten Sickerstellen: Dort ist der Deich vom Wasser durchweicht und wird durchlässig. Wenn nicht mit Sandsäcken gegengehalten wird, wird auf Dauer das Erdreich ausgespült – im schlimmsten Fall wird ein Deich dann löchrig und kann brechen.
Und die Dämme sind zurzeit nass wie alles Erdreich und das nicht allein wegen des Hochwassers: Rund 300 Liter Regen pro Quadratmeter seien am Rhein in der letzten Zeit gefallen, sagt ein Feuerwehrmann. Es wurden nur wenige, kleine Sickerstellen gefunden, so die Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus Wörth: „So das Übliche. Nichts Besonderes.“ Probleme bereitet allenfalls das auch auf den Deichen hoch gewachsene Gras: Unter ihm sind die dünnen Rinnsale kaum zu erkennen. Deshalb mussten gestern an einigen Stellen nochmals die Mäh-Mannschaften ausrücken.
Gesteuerter Polder wird nicht geflutet
Falsch sind Gerüchte, der gesteuerte Teil des Polders Wörth/Jockgrim solle eingesetzt werden. Danach sehe es gar nicht aus, so eine Sprecherin der Behörde SGD Süd. Die Regeln für den Poldereinsatz am Rhein sehen vor, dass der Rückstauraum bei Wörth/Jockgrim genutzt werden soll, wenn bei Worms mehr als 5300 Kubikmeter Wasser in der Sekunde den Rhein hinab fließen. Das entspricht einem Pegelstand von etwa 7,35 Meter. Und davon ist der Pegel Worms in den aktuellen Prognosen weit entfernt: wahrscheinlich sind sechs Meter, im Bereich des Möglichen liegen maximal 6,75 Meter.
An einigen Stellen schon etwas übergeschwappt ist hingegen in der Nacht zum Donnerstag das Wasser am Sommerdeich bei Hagenbach, berichten Feuerwehrleute. Der Sommerdeich trennt den Polder „Daxlander Au“ vom Rhein. 1882 errichteten die Gemeinden Hagenbach und Neuburg einen Sommerdeich, der vor dem Rheinhauptdeich gelegene Äcker vor den jährlichen Sommerhochwassern schützen sollte.