Kreis Germersheim Am Anfang zog der Traktor den Spritzenanhänger

„Es war die erste Jugendfeuerwehr im Kreis“, erinnert sich Berthold Simon. Als damals Elfjähriger gehörte er zu den ersten Mitgliedern der 1965 gegründeten Jugendfeuerwehr in Wörth. Neben Simon, der bis zum Kreisfeuerwehrinspekteur aufstieg, sind noch weitere Mitglieder der „ersten Generation“ der Feuerwehr verbunden geblieben. „Es war ein guter Jahrgang“, blickt Gerolf Isemann, damals 14, zurück. Die Idee eine Jugendfeuerwehr zu gründen kam von Alois Wöschler, dem damaligen stellvertretenden Wehrführer. Auch Hugo Wärther, Beigeordneter für den Brandschutz bei der Gemeinde und aktiver Feuerwehrmann, war an der Initiative beteiligt. Die Freiwillige Feuerwehr Wörth war gerade mal neun Jahre zuvor gegründet worden. Mit der stolzen Zahl von 22 Jugendlichen wurde 1965 begonnen. Darunter waren auch Helmut Karl, Edgar Pfirrmann und Manfred Fried. Gemeinsam wurde so einiges erlebt, viel gelernt und auch gelacht. Die erste Übung fand unter dem Wasserturm statt: Der Tragkraftspritzenanhänger wurde mit dem Traktor dorthin gezogen und ansonsten getragen. Es gab Schläuche, Pumpen und Verteiler – und dann immer mehr. „Wir haben jede Modernisierung mitgemacht“, weiß Pfirrmann. „Heute sind wir in Rente“, erklärt Isemann. Mädchen gab es damals noch nicht in der Jugendwehr. Anders als heute, wo unter den elf Mitgliedern der Jugendfeuerwehr Wörth fünf Mädchen sind. „Heute gehören Mädchen natürlich einfach dazu“, so Simon. Die Bedeutung einer Jugendfeuerwehr für das Heranführen an das Ehrenamt und das dadurch mögliche Aufrechterhalten einer Feuerwehr vor Ort war früher genauso wichtig wie heute, wissen Jugendwart Michael Simon und sein Stellvertreter Steffen Reidt, die aktuell von vier Betreuern unterstützt werden. „Die Ausbildung ist wichtig. Quereinsteiger gibt es nur wenige“, weiß Karl. „Ein großer Teil der aktiven Wehr stammt aus der Jugendfeuerwehr.“ Geübt wird jeden Montag, früher wurde ein oder zweimal in der Woche geübt. „Unsere Nachfolger haben mal ein Feuerwehrauto im Altrhein versenkt“, erinnern sich die Ehemaligen und ergänzen: „Wir waren ja immer die Braven.“ Derweil übt die aktuelle Jugend das Löschen eines Containerbrandes. Nils (16) hat die Führung und erkundet die Lage. An seine Kameraden gibt er weiter, was zu tun ist. Schläuche werden ausgerollt und schon heißt es „Wasser marsch!“ „Es ist wichtig, dass sie Routine bekommen“, erklärt Michael Simon, dessen Vater früher zu den ersten Jugendlichen bei der Feuerwehr Wörth gehörte. Dass die Begeisterung von Familienmitgliedern weitergegeben wird, ist nicht ungewöhnlich. Auch Michelle Pfirrmann kam durch ihren Vater zur Wehr. Der Opa von Kevin Schwendich repariert Feuerwehrautos und Baturalp Arioglu kam vorbei. Auch wenn dieser nicht mehr dabei ist, macht es ihm hier Spaß. „Der Zusammenhalt ist einfach toll“, freut sich Simon, weil hier auch Kinder mit Migrationshintergrund Teil des Ganzen werden. Julia Meyer und Hanna Fischer berichten von Aktivitäten, die bei der Jugendwehr angeboten werden – von Wanderrallyes, der Mithilfe beim 1.-Mai-Fest oder Ausflügen. Beeindruckt hat die Jugendlichen ein Ausflug zur Flughafen-Feuerwehr Stuttgart. Auch bei den Aktivitäten hat sich viel getan: 1966 war für die Jugendfeuerwehr noch der Umzug zum Feuerwehrfest ein Höhepunkt. Gefeiert wurde damals übrigens das 150-jährige Bestehen der gerade mal zehn Jahre alten Wörther Wehr. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. (mb)