Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Altenheime überarbeiten Notfallpläne

Bei kleineren Stromausfällen reicht schon eine Kerze, dauert es länger greifen Notfallpläne.
Bei kleineren Stromausfällen reicht schon eine Kerze, dauert es länger greifen Notfallpläne.

Der Strom kommt aus der Steckdose, Gas, Öl, Holz sorgen für wohlige Wärme und Wasser kommt in der gewünschten Temperatur aus dem Hahn. Wenn das so ist, ist – von der preislichen Entwicklung einmal abgesehen – alles gut. Wie die Vorbereitungen für das Gegenteil aussehen.

Dann ist jeder zunächst für seine eigene Vorsorge verantwortlich. Das gilt in jedem Fall für private Haushalte. Wie aber sorgen Heime und Verwaltungen für den „Fall der Fälle“ vor, der voraussichtlich nicht eintreten wird, aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

Caritas und die Diakonissen in Speyer haben übergeordnete Krisenstäbe als Träger von Altenheimen gebildet und entsprechende Notfallpläne erarbeitet. In allen von der RHEINPFALZ kontaktierten Einrichtungen hat man sich verstärkt mit wärmenden Decken und Taschenlampen eingedeckt, teilweise sind Zusatzheizkörper, Stirnlampen oder Lichterketten mit Akkus vorhanden, wurden Lebensmittel- und Wasservorräte aufgestockt.

Auf Stromausfall von 72 Stunden vorbereitet

Im Pfarrer-Johann-Schiller-Haus in Wörth – eine Einrichtung der Diakonissen – hat sich der lokale Krisenstab auf einen begrenzten Stromausfall von 72 Stunden vorbereitet. „Im Rahmen unserer Vorbereitungen tauschen wir uns mit der Kommune aus, bevorraten bestimmte Materialien und sensibilisieren alle Mitarbeitenden für mögliche Szenarien rund um einen mehrtägigen lokalen Stromausfall“, sagt Einrichtungsleiter Tobias Mayer. In diesen Fällen gebe „es auch die Möglichkeit, dass uns andere Seniorenzentren der Diakonissen Speyer zum Beispiel bei der Speisenversorgung unterstützen“, erklärt Mayer.

Auch das Altenzentrum St. Elisabeth in Germersheim, eine von rund 40 Einrichtungen des Caritas-Verbandes in der Diözese, kann notfalls auf Unterstützung durch andere Einrichtungen zurückgreifen, sollte es aus irgendwelchen Gründen für die Versorgung der Bewohner kritisch werden. Nach Gesprächen mit den Energieversorgern mache man sich jedoch „keine Sorgen über eine Versorgungssicherheit“. „Einen Worst Case wird es nicht geben“, sagt Melanie Müller von Klingspor, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit beim Caritasverband. Vor etwa vier Wochen habe man die IT- und Telefonsysteme einem Stresstest unterzogen, einen kompletten Stromausfall simuliert. Notstrombeleuchtung und die hausinterne Rufanlage funktionieren noch eine Zeit lang von der allgemeinen Stromversorgung unabhängig. Der Pflegedienst im Caritas-Altenzentrum kann auf eine Notfallakte aus Papier und damit jederzeit auf wichtige Bewohnerdaten zurückgreifen. Vorsorgliche Gespräche habe es auch mit Lieferanten (Wäsche, Hygieneartikel, Medikamente, Lebensmittel) gegeben, auch diese hätten ihrerseits entsprechende Krisenpläne aufgestellt, sagt Müller von Klingspor.

„Komplette Absicherung nicht möglich“

„Wir sind bei einem Blackout von Strom- oder Wärmeversorgung so vorbereitet, dass wir einen Notbetrieb für einen befristeten Zeitraum überbrücken können. Eine komplette Absicherung ist nicht möglich“, lautet das Fazit von Wolfgang Kuhn, Geschäftsführer des Senioren-Wohn- und Pflegeheims der Braun’schen Stiftung in Rülzheim. Seit Frühjahr beschäftige man sich mit diesen Themen, versuche sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten und aktualisiere entsprechende Notfallpläne regelmäßig. „Die Situation bereitet uns große Sorgen“, sagt Kuhn. Die Wahrscheinlichkeit für einen Versorgungsengpass mit Energie sei wenig greifbar, aber mittlerweile auch nicht auszuschließen. Grundsätzlich gelte, „je länger ein Ausfall besteht, desto schwieriger ist die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs“. Bei kurzfristigen Totalausfall ist in Rülzheim „die Stromversorgung über ein Notstromgenerator sowie Batterieanlagen für einen begrenzten Zeitraum abgesichert“.

Für die medizinische und pflegerische Versorgung relevante Daten könnten bei Ausfall der IT-Anwendung über einen notstromversorgten Drucker/Laptop von Datensicherungen abgerufen und ausgedruckt werden. Diese Dokumentationen würden dann - wie im analogen Zeitalter - von Hand fortgeschrieben werden. In der Rülzheimer Senioreneinrichtung muss auch die Küche im Fall eines Falles nicht zwangsläufig kalt bleiben. Eigene Kochfelder und Kühlmöglichkeiten können bei Bedarf von zwei Notstromgeneratoren versorgt werden. Bei Ausfall der Telefonie könne man, soweit das Mobilfunknetz zur Verfügung steht, auf Nottelefone zurückgreifen. Präventiv hat die Rülzheimer Einrichtung weitere Aggregate für einen Notbetrieb bestellt.

Notstromaggregate werden angeschafft

Auch bei den Diakonissen wird aktuell auf Trägerseite geprüft wird, ob mehrere Notstromaggregate angeschafft werden. Diese könnten zentral gelagert und bei Bedarf lokal in den Einrichtungen eingesetzt werden, sagt Isabel Flory, Pressereferentin bei den Diakonissen. Um kurze Ausfälle zu überbrücken, wurde umfangreich Vorsorge getroffen. Geschäftsführer Wolfgang Kuhn weist in seiner Stellungnahme aber auch darauf hin, dass es gegebenenfalls auch einer Unterstützung Dritter bedarf.

Gibt es entsprechende Regelungen für eine solche Unterstützung durch den Katastrophenschutz im Landkreis? Antworten auf die Frage gibt die Pressestelle des Landkreises: Bei einer Gasmangellage regle der Bund das weitere Vorgehen. Ein gemeinsamer Alarm- und Einsatzplan (AEP) auf Kreisebene wurde für Stromausfall noch nicht erstellt. Allerdings hätten Kommunen und Städte im Landkreis auf „örtlichen Ebene Alarmpläne für einen Stromausfall im Katastrophenfall erstellt“. Diese AEP würden „in Teilen bereits umgesetzt“. Auf Kreisebene existieren „Pläne für Lagen, in denen das Landesgesetz über den Brandschutz, die Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz seine Anwendung findet“. Bei Stromausfall und kurzzeitigen Zusammenbruch der Kommunikation zwischen Hilfs- und Einsatzkräften sowie der Verwaltung, stehen Funkgeräte zur Verfügung. Diese Netze seien mit Pufferbatterien ausgestattet.

Wasserversorgung ist gesichert

Zum Thema Wasserversorgung verweist die Pressestelle auf sechs Wasserwerke, die insgesamt 31 Brunnen bewirtschaften und erhöhten Wasserbedarf über Verbundleitungen regeln können. Im Landkreis gebe es hauptsächlich Tiefbrunnen bis 100 Meter, deren Wasser im Notfall auch ohne Aufbereitung verwendet werden könne. Bei Ausfall der Stromversorgung, könne die Wasservorversorgung über Notstromaggregate kreisweit gewährleistet werden. Bevor im nächsten Jahr neue Sirenenanlagen (mit Sprachfunktion und Batterien im Falle eines Stromausfalls) im Kreis installiert werden, informiere man Bürgerinnen und Bürger über alle Social-Media-Kanäle, im Rahmen der Pressearbeite des Kreises und zusätzlich über die Apps Nina und Katwarn. Aktuell soll „Cell Broadcast“ bundesweit getestet und eingeführt werden. Das System kann in Form von Kurznachrichten Warnmeldungen und Informationen direkt auf alle Mobiltelefone verschicken. Nach dem Cyberangriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises steht nicht nur die Versorgungs-, auch die IT- und Datensicherheit verstärkt im Mittelpunkt.

Dezentrale Anlaufstelle für Bürger im Krisenfall

Ja, es gebe entsprechende Krisenpläne, darin könnten aber nicht alle Eventualitäten im Detail abgebildet werden. Da bei größeren und längerfristigen Versorgungsausfällen Vieles ineinandergreife, müsse pragmatisch auf die jeweilige Situation reagiert werden, ist das zusammengefasste Ergebnis eines Telefonats mit dem Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile. Dezentrale Anlaufstellen für Bürger oder „Wärmestuben“ seien nicht geplant. Welche Folgen eine nicht mehr funktionierende Kommunikation im Krisenfall haben kann, sei bei der Flutkatastrophe im Ahrtal deutlich geworden. In Germersheim seien bei einem Ausfall der Kommunikationssysteme Stadthaus und beispielsweise die Einsatzzentrale der Feuerwehr in jedem Fall personell gut besetzt, entsprechende Meldeketten würden dann eingerichtet, betont Schaile.

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