Kreis Germersheim Alte Schönheiten mit analoger Technik
Mit fast 70 teilnehmenden Fahrzeugen und vielen interessierten Gästen feierte der Oldtimer-Club-Kandel (OCK) eine gelungene Premiere seines Oldtimer-Treffens vor den Toren des Adamshofs. Vom Weltkriegsmotorrad über Traktoren bis zu Automobilklassikern des 20. Jahrhunderts war alles geboten, was den Reiz an schönem Design und analoger Technik ausmacht. Und mindestens 45 Jahre alt ist.
Den Reflex kennt jeder, der heute ab und zu wieder in eine Raucherkneipe gerät: Wie hat man das damals nur ausgehalten? Ähnliches geschieht wohl auch denjenigen, die in den 70er Jahren oder noch früher aufgewachsen sind. Beim Nasenzug in der Nähe des Auspuffs eines damals zeitgenössischen Autos werden Erinnerungen an Zeiten wach, als dessen blau-graue Pestilenz noch gottgegebener Alltag war. Dennoch ist die Begeisterung groß, wenn man auf der Straße einen solchen Oldtimer entdeckt. „Mit einem Oldtimer wird man freudig begrüßt, da gehen die Türen auf“, freut sich Horst Wagner. Weshalb es für das OCK-Mitglied aus Steinweiler auch keine Überraschung ist, dass der Adamshof auf Anfrage sofort die Zusage gegeben hatte, das erste Oldtimer-Treffen auf dessen Parkplatz durchzuführen. Mit der Ortswahl demonstrieren die Automobilfans eindrucksvoll, dass sie vor rein gar nichts Angst haben: Nur ein dürrer Drahtzaun trennt die schnittigen Schätze von der Fußgolfanlage. Andererseits ist es eher unwahrscheinlich, dass einer der vorzeitig aus Russland heimgekehrten Holzfüße ausgerechnet hier ganz von vorne anfängt. Vereinschef Ludwig Pfanger hat an diesem Tag gleich zwei Klassiker vorgefahren: Einerseits einen roten Porsche 356, mit dessen Speedster-Version einst James Dean nicht nur seine Filmkarriere beendet hat. Daneben steht noch sein buttercremefarbiger Ford Taunus 17m, der in den 50ern vom Volk den klingenden Beinamen „Barockengel“ erhalten hatte. Pfanger pflegt seine Autos, die für den Winter sogar eine beheizte Garage gestellt bekommen. Er fährt sogar lieber einen der Oldtimer als sein modernes Auto: „Da winken alle Leute freundlich und keiner hupt, wenn du mit Tempo 80 vor ihm herfährst“, sagt er. Alle Teilnehmer des Oldtimer-Treffens kommen aus der Umgebung der Verbandsgemeinde. So auch der Rohrbacher Otto Kurz. „Einmal muss man seinen Kindheitstraum anpacken“, sagt er strahlend. Wenn er einst in seiner Jugend mit seinem Vater „uff Landau“ fuhr, dann seien sie immer am Mercedes-Händler Hochdörfer vorbei gekommen. Heute hat er seinen eigenen Mercedes 170s. Gleich zwei Ersatzräder hat das Nachkriegsmodell. Denn seinerzeit seien noch viele Nägel von Pferdegespannen auf den Straßen gelegen, erinnert er sich: „Wenn sie von hier nach Ludwigshafen gefahren wären, dann hätten sie die bestimmt auch gebraucht“, sagte er und lacht. Fünf Meter und 78 Zentimeter lang ist wiederum der Cadillac von Thomas Hoffmann aus Erlenbach. Das Modell von 1959 musste er einfach haben, denn es ist das einzige mit doppelstrahligen Rücklichtern. Das Design ist so grenzenlos verwegen, dass ihm Scotty von der Enterprise gewiss problemlos einen Warp-Antrieb hätte einbauen können. Hoffmann liebt sein „Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch immer – und das trotz Donald Trump. Aber ein Träumer ist er nicht: „Klar ist es mit den Möglichkeiten nicht mehr so arg wie früher. Aber bei uns ist es ja auch nicht mehr so locker wie in den Sechzigern oder Siebzigern“, sagt der Charaktertyp mit dem stilechten Backenbart. Sein Traum wäre, einmal mit seinem Cadillac von New York nach San Francisco zu fahren: „4800 Kilometer! Und wenn es mit meinem Auto doch nicht klappen sollte, dann mit meiner Harley. Denn die hab ich auch noch.“