Gegenüber Als Solosänger stets im Mittelpunkt
Der jetzt 86-jährige Altwörther Günther Stieber beendete mit 13 Jahren die damaligen Volksschule und machte eine Lehre als Dreher bei Ludowici in Jockgrim. „Später nannte sich dieser Beruf Zerspanungstechniker“, erzählt er der RHEINPFALZ. Bald nach seiner Gesellenprüfung kündigte er in Jockgrim und wechselte nach Karlsruhe zu den Industriewerken (IWK). „Da hatte ich Chancen zum Aufstieg und den doppelten Verdienst“, sagt er lachend. Nach der Schließung seiner Abteilung war er noch 20 Jahre bei Eichenauer in Kandel beschäftigt, ehe er dort im Alter von 58 Jahren in Rente gegangen ist. 1961 hat er seine Waltraud geheiratet, mit der er zwei Söhne und eine Tochter und inzwischen sechs Enkel zwischen 14 und 32 Jahren hat.
Mit 15 Jahren trat Stieber in den Gesangverein Männerchor ein, in dem schon sein Vater und seine Onkel sowie beide Großväter aktiv waren. „Ich habe schon als junger Kerl immer gerne die neuesten Schlager gesungen. Ich habe sie beim Großvater im Radio gehört und dann selbst gesungen. Als ich mit 13 Jahren an meinem ersten Zahltag 22 D-Mark bekam, habe ich mir gleich auf Raten einen Radioapparat bestellt. Danach habe ich mir jeden Monat Schlagerhefte gekauft und immer gesungen. Alle Freunde haben von mir gelernt“, erzählt er stolz.
Vorsingen beim Dirigenten
Wie er zum Männerchor kam, ist eine besondere Geschichte. „Mein Cousin Erwin Pfirrmann wollte mich in den MGV Concordia aufnehmen. Mein Vater hat nach dem Krieg nicht mehr gesungen und ließ mir dabei freie Hand. Im Concordia sangen die meisten Jüngeren, kaum jemand von meinen Alterskollegen war im Männerchor. So kam meine Trotzreaktion, und viele meiner Freunde gingen mit mir zum Männerchor“, erzählt Stieber.
Dort kam dann die nächste Überraschung. Jeder neue Sänger musste erst einmal beim Dirigenten vorsingen. „Ich war ein Hänfling, der keinen Zentner wog. Chorleiter Karl Lutz – de Lutze Babbe, wie ihn alle nannten – beorderte mich zum Erstaunen vieler Mitsänger in den zweiten Bass mit den Worten: ,Ihr werdet euch noch wundern’.“ Als Stieber dann 18 war, kam der Ernst Kempf, der nächste Chorleiter, auf ihn zu und bestimmte: „Du singst das Solo bei ,Die 12 Räuber’.“ Stieber erinnert sich: „Das wurde dann auch mein Lieblingslied, und ab diesem Zeitpunkt sang ich bei mehreren Liedern das Solo – inzwischen sind es bestimmt 15.“
35 Jahre im Vorstand des Männerchors
Dabei erlebte Stieber noch mit Rudi Himpel, Winfried Quarz (40 Jahre) und jetzt Matthias Tropf drei weitere Chorleiter. Ab dem Beginn seiner Rentnerzeit wirkte er auch 25 Jahre zusammen mit seiner Ehefrau im inzwischen aufgelösten Chor der Christuskirche mit, wo er gerne das Solo „Wo warst du Gott?“ sang. Der Dirigent dieses Chors, Kurt Link, nahm ihn auch mit nach Freckenfeld, wo er im dortigen Chor ebenfalls manches Solo darbot. „Ansonsten trat ich bei allen Gelegenheiten, ob bei Festen oder Feierlichkeiten, wie beispielsweise Hochzeiten, als Solist auf. Natürlich singe ich auch zuhause – ob in der Küche oder in der Wanne. Vieles lässt nach, aber das Singen geht noch“, betont Stieber.
Er war im Männerchor 35 Jahre in der Vorstandschaft, davon sechs Jahre als Hauptkassierer. Überrascht wurde er von seinen Söhnen Jürgen und Markus, als diese 2008 zum ersten (geschäftsführenden) Vorsitzenden und zweiten Vorsitzenden (als Sängervorstand) gewählt wurden, als Karlheinz Pfirrmann nach 26 Jahren als Vorsitzender nicht mehr antrat. „Wie das der Karlheinz mit den beiden gemacht hat, weiß ich bis heute nicht. Keiner hat mir davon etwas erzählt. Das hieß dann auch, dass ich auf keinen Fall mehr für ein Vorstandsamt kandidierte.“