Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Allein die Dieselpreise bremsen Busse nicht aus

Der Rohölpreis ist mittlerweile wieder spürbar gesunken, so Meldungen vom Dienstag.
Der Rohölpreis ist mittlerweile wieder spürbar gesunken, so Meldungen vom Dienstag.

Die Diesel- und Benzinpreise erreichen Höchststände. Doch die gestiegenen Preise sind nur ein Teil des Problems im Reisegewerbe.

„Gerade hatten wir gedacht, es wäre Licht am Ende des Tunnels, dann kommt die nächste Hürde. Sprünge von 10 Cent an einem Tag, das ist Wahnsinn“, sagt Jürgen Trischan. Die deutliche Erhöhung der Kraftstoffpreise habe „heftige Auswirkungen auf das gesamte Transportgewerbe“, fürchtet der Busunternehmer aus Kandel. In den bestehenden Buchungsverträgen sei der Dieselpreis mit 1,50 bis 1,70 Euro pro Liter kalkuliert worden. „Wir haben bereits Gespräche mit den Kunden begonnen“, sagt Trischan. „Mit einigen Vereinen und Gruppen haben wir schon vereinbart, dass beide Seiten jeweils die Hälfte der Mehrkosten des höheren Dieselpreises tragen.“ „Bei einigen Gruppen gibt es Elternabende, Beschlussgremien oder andere Budgetvorgaben, viele müssen dort erst Rücksprache halten.“

Auch bei neuen Buchungen passt Trischan die Preise an. „Die Kunden werden auf Situation hingewiesen.“ Er bereite sich dabei auf verschiedene Szenarien vor. „Sollte sich der Dieselpreis erholen, können wir am Preis wieder was machen. Erhöht er sich weiter, schlucken wir die Mehrkosten bis zu zehn Prozent. Wenn der Dieselpreis noch stärker steigt, gibt es wieder Gespräche.“

Für die Kunden des Busunternehmens Jürgen Böhm aus Bellheim wird es auch teurer. „Für unsere Ausflugsfahrten im Mai und Juni mussten wir die Preise erhöhen. Ich kann den Leuten aber auch keine Wucherpreise geben und muss schauen, dass wir im Rahmen bleiben“, sagt Gaby Böhm, die hofft, dass „die Preise wieder runter gehen.“

Späte Ausgleichszahlungen im Linienverkehr

„Für uns ist das wie bei jedem anderen, der Tanken geht“, gibt sich Rainer Pfadt erstmal gelassen. „Im Linienverkehr haben wir feste Verträge. Bei denen ist in den meisten Fällen ein Ausgleichsmechanismus vorgesehen.“ Dabei werden die höheren Treibstoffpreise im Nachhinein von den Auftraggebern kompensiert. „Erfahrungsgemäß werden dabei aber nicht alle Kostensteigerungen abgedeckt“, sagt der Inhaber des Germersheimer Busunternehmens auch mit Blick auf die Verdopplung der Preise der Harnstofflösung Ad Blue. Bis zur Ausgleichszahlung dauere es zudem in der Regel bis zu 18 Monaten. „Das ist zwar einfacher, als sich rumstreiten zu müssen, aber auch eine Herausforderung, alles vorzufinanzieren.“

„Es ist zwar schön 2023 eine Kompensation zu bekommen, aber die Unternehmen müssen das erstmal erreichen“, sagt auch Trischan, der die Hälfte seiner Busflotte im Linienverkehr einsetzt. „Die nötige Vorfinanzierung trifft eine nach zwei Jahre Coronakrise ohnehin gebeutelte Branche, in denen der Reiseverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen ist.“ Auch nach dem Ende des staatlichen Reiseverbots in den ersten Monaten der Pandemie hätten sich viele Schulen und Universitäten weiter ein internes Verbot von Reisen auferlegt und viele Gruppen zum Schutz ihrer Mitglieder auf das Reisen verzichtet.

Nicht höhere Preise bremsen Reiselust

„Die Dieselpreise sind ein Problem, aber wir haben größere Probleme als die Kosten beim Tanken“, sieht Pfadt nicht nur für seine Branche Gefahren durch die wachsende Verunsicherung durch den russischen Angriff auf die Ukraine. „Die größere Sorge ist, ob für die kommenden Monate überhaupt noch Buchungen eingehen. Schon bei der Finanzkrise 2008 hat sich das Buchungsverhalten von heute auf morgen verändert, da haben die Konsumenten in Krisenzeiten auf Urlaubsreisen verzichtet. Jetzt ist die Situation ja noch extremer.“ In Krisensituation habe das Reisen nicht mehr den Stellenwert. „Ich befürchte die generelle Reisebereitschaft wird zurückgehen.“ Dies spüre Pfadt schon jetzt. „Zwei Tage nach Kriegsbeginn waren die Telefone tot. Man meint gerade, es wäre geschlossen. Es ruft niemand mehr an, aber das ist in einer Kriegszeit ja auch irgendwie normal.“

Menschen beim Reisen zurückhaltender

Im Wörther Reisebüro Schmuck spürt Christine Pilgram die Folgen des Krieges nicht nur bei der Wahl der Reiseziele der Kunden. „Ich habe schon den Eindruck, dass die Menschen beim Reisen zurückhaltender sind. Das hat aber nur zum Teil mit den Preisen zu tun. Aus meiner Sicht überwiegt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Krieges in der Ukraine.“ Höhere Preise nimmt sie nicht nur bei Linienflügen wahr. „Der Flughafentransfer hat die Preise gerade um 10 Prozent erhöht.“ Doch nach zwei Jahren Pandemie seien viele „ausgehungert und wollen endlich weg“. Trotz der Unsicherheit höre sie von Kunden derzeit oft. „Wir riskieren es mal.“

Bei den Busunternehmen dominiert derweil die Hoffnung auf die Politik und eine positivere Zukunft. „Ohne das Eingreifen von Politik werden sich die Preise nicht erholen und die Senkung der Mehrwertsteuer alleine wird uns nicht helfen. Dazu sind die Sprünge der letzten Woche zu hoch“, hofft Trischan auf Erleichterungen für sein Gewerbe aus Berlin. „Die Devise bei uns ist jetzt wie bei vielen Unternehmen: so lange durchhalten, wie man meint, dass es sinnvoll ist durchzuhalten“, sagt Pfadt, der auf einige Busunternehmen verweist, die aufgegeben hätten. „Da wir nicht nur im Reiseverkehr tätig sind, ist das für uns anders. Da stirbt die Hoffnung später.“

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