Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Abends stehen die meisten Taxen still

Murat Kilicer kritisiert fehlende Staatsunterstützung für Taxi-Unternehmen in der Pandemie.
Murat Kilicer kritisiert fehlende Staatsunterstützung für Taxi-Unternehmen in der Pandemie.

Zum neuen Jahr wird der Betrieb von Ruftaxis in Germersheim eingestellt. Die Taxiunternehmen hätten wegen reduzierter Taxiflotten und einem Mangel an Taxifahrern die Aufrechterhaltung des Betriebs abgelehnt, berichtete die Stadt Germersheim. Derweil klagen die Taxiunternehmen in der Region meist über ein anderes Problem.

„Eigentlich bräuchte ich noch einen Fahrer, aber die Auslastung ist aktuell zu gering. Wir müssen unsere derzeitigen Fahrer versorgen“, sagt Murat Kilicer von Taxi Max in Wörth. Es sei „schwer, Fahrer zu finden“, weiß er aus seiner letzten Suche. „Wir haben lange, lange inseriert, aber viele haben sich selbst schwergetan in den Beruf einzusteigen.“ Vielfach hätten die Voraussetzungen und Erfahrungen gefehlt. „Was man nicht kennt, davor fürchtet man sich“, fasst Kilicer seine Erfahrungen zusammen. Trotz des „mageren Geschäfts“ hält er den Betrieb aufrecht und kann daher aktuell nicht über fehlende Fahrer klagen. „Unsere Fahrer sind geblieben, weil wir nicht geschlossen haben. Sie mussten sich nicht anders orientieren.“

Arbeitsbedingungen und Mindestlohn

„In dem Moment, in dem Taxifahrer was anderes, besser bezahltes finden, machen die das andere“, sagt Heiko Nagel vom Verband des Verkehrsgewerbes Rheinhessen-Pfalz. Während der Corona-Pandemie hätten viele Menschen aus Angst vor einer Ansteckung im fremden Auto das Taxi gemieden. „Die klassische Laufkundschaft überlegt sich zweimal, Taxi zu nehmen und auf engstem Raum mit einer unbekannten Person zusammen zu sein.“ Viele Taxiunternehmer hätten zwar aufwendig für „größtmögliche Sicherheit gesorgt“, doch an vielen Stellen wurden die Taxi-Flotten mangels Nachfrage verkleinert. „Einige Taxifahrer haben sich daraufhin beruflich umorientiert“, sagt Nagel, der aber nicht allein Corona für die schwierige Rekrutierung von Taxifahrern verantwortlich macht. „Wir haben seit Jahren Probleme, geeignete Kräfte zu finden. Taxi fahren mit langen Nacht- und Wochenendschichten ist von den Arbeitsbedingungen nicht ausreichend lukrativ. Es läuft in der Regel auf dem Niveau des Mindestlohns.“ Die Auswirkungen der Pandemie hätten in Teilen sogar gegenläufige Effekte. „Durch den teilweisen Wegfall der Jobs in der Gastronomie konnten wir wieder Menschen auf das Taxi bekommen“, sagt Nagel.

Kaum Anlässe zum Taxi fahren

Doch die Taxiunternehmen im Landkreis kämpfen derzeit vor allem selbst mit den Folgen der Kontaktreduzierungen in der Pandemie. „Alles ist zu. Nachtfahrten am Wochenende, da ist fast gar nichts mehr. Silvester, Fasching, alles ist weg“, sagt Maria Plewa vom Kandeler Taxi. „Eine Nacht bringt vielleicht noch 50 Euro, wenn es gut läuft.“ Als einzige Vollzeitkraft komme sie mit ihren vier Aushilfen, die sie schon seit Jahren beschäftige, gut aus. Ohnehin seien die meisten Touren derzeit fast ausschließlich Krankenfahrten, bei denen die Krankenkassen die Kosten für medizinisch notwendige Fahrten ins Krankenhaus oder zum Arzt übernehmen.

Krankenfahrten mach den Hauptanteil aus

„Früher hatten wir mehr Privatfahrten, jetzt mehr Krankenfahrten“, sagt auch der Germersheimer Taxiunternehmer Yusuf Yilmaz. Mit 14 Fahrern gehört er zu den größten Taxiunternehmen in der Region und fährt mit seiner Flotte während der Corona-Pandemie mehr als die Hälfte seiner Touren mit Patienten. Bei Taxi Wörth und Schaidt sei das Fahrtvolumen an manchen Tagen auf ein Drittel des früheren Aufkommens zurückgegangen. „An manchen Tagen haben ich nur drei bis fünf Fahrten“, sagt Mehmet Kaya, der auch meist Krankentouren fährt. An den Wochenenden fahre er „eigentlich nur noch mit Vorbuchungen. Drei bis vier Stunden rumsitzen, das bringt nichts“, sagt Kaya.

Im Vergleich zu den Taxiunternehmen in Städten seien die Taxen im ländlichen Raum durch die Krankenfahrten zur Dialyse, Chemotherapie oder anderen Anlässen noch relativ gut ausgelastet, sagt der Verbandsgeschäftsführer Nagel. „Unternehmen mit Krankenfahrten kommen ganz gut durch. Wer auf private Fahrten angewiesen ist, dessen Unternehmen leidet.“

Beförderungspflicht contra Kurzarbeit

Er beklagt wie Kilicer, unzureichende staatliche Hilfsprogramme. Aufgrund der gesetzlichen Beförderungspflicht war Kurzarbeit vielfach nicht möglich. Setze sich die Entwicklung fort, befürchtet Nagel 2022 eine große Zahl von Betriebsschließungen. „Für uns gab es keine Extra-Hilfen der Bundesregierung. Die Begründung war, wir müssten nicht schließen. Dabei sind wir doch auf geöffnete Hotels und Gastronomie angewiesen. Die Regierung hätte uns da mitdenken müssen“, sagt Kilicer.

Er ist daher dankbar, dass der Landkreis Germersheim für das neue Jahr die Initiative ergriffen hat, die Tarife anzupassen. Durch die höheren Spritpreise, aber auch den Mindestlohn stiegen die Kosten für Taxiunternehmer weiter an. Auch Yilmaz hofft vor allem, dass das Geschäft wieder anzieht. Sorgen um einen Fahrermangel macht er sich dagegen weniger. „Es kommt auch darauf an, wie man mit den Fahrern umgeht. Manche Unternehmen sind manchmal selbst schuld, wenn sie keine Fahrer haben oder bekommen.“

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