Maximiliansau / München
60 Sekunden Europäische Union
Wie wird die EU deine Zukunft prägen? Unter dieser Fragestellung wurden kreative Köpfe, Vlogger (also Video-Blogger) und Filmemacher dazu aufgerufen einen Videoclip zu produzieren. Annikas Mutter hat im vergangenen Jahr auf einer Webseite der EU vom Wettbewerb erfahren und ihre Tochter aufmerksam gemacht. Schließlich hatte diese zu der Zeit das Thema in der Schule und sie betreibt mit „Annication“ ihren eigenen YouTube-Kanal, auf dem sie Videos rund um Themen wie Literatur, Informatik oder auch Chemie veröffentlicht. So hat ihr Video, in dem sie die chemische Funktionsweise eines Bleiakkumulators erklärt, bereits über 9500 Aufrufe.
Aufnahme mit Dokumentenkamera
Nun also das Thema EU. „Die Herausforderung war die Länge“, verrät Annika. Die Vorgabe: Das Video darf höchstens 60 Sekunden lang sein. Die Schülerin schrieb ein Skript und machte sich dann an die Aufnahmen. Dafür nutze sie eine Dokumentenkamera, die sie zu Weihnachten bekommen hatte. Diese nutzte sie auch für den Online-Unterricht während der Hochphase der Corona-Lage. „Da ich mein Gesicht nicht im Video zeigen wollte, fand ich das eine gute Idee“, so die Schülerin, die das Wörther Europa-Gymnasium besucht.
Und so sieht man im Video ihre Hände, wie diese zum Beispiel einen Euro-Geldschein entfalten. Annika erzählt, wie sie ganz selbstverständlich in vielen Mitgliedsstaaten mit dem Euro bezahlt. Sie erwähnt die Bildungsprogramme Erasmus und Leonardo und der Arbeitsmarkt, der sich auch dank Wissenschaftsprogrammen auftut. Auf eine kleine Tafel schreibt sie das Wort „Zoll“ und spricht über die Möglichkeit sich überall in der EU nieder zu lassen und zu arbeiten.
Nur einmal wechselt die Kamera-Perspektive: Anstatt des Schreibtisches ist dann ein Skateboard zu sehen, mit dem Annika ganz selbstverständlich zu Freunden ins Elsass brettern kann. Doch die 15-Jährige verschweigt dabei nicht, dass die EU lange nicht perfekt ist: „Definitiv hat die EU aber auch einige große Baustellen.“ Sie erwähnt unverständliche Informationen und die Flüchtlingskrise. Auch der Brexit wird angesprochen. Einfach raus aus der EU? Für Annika keine Antwort auf Probleme. „Denn letztendlich sorgt die EU vor allem für eines: Frieden und Sicherheit.“
Ein Wochenende Arbeit
Nach den Aufnahmen kam der Schnitt. Annika nutze dafür ein kostenloses Schnittprogramm. Sie erstellte die Voice-Overs, also den gesprochenen Text und wählte lizenzfreie Musik zur Untermalung. Ein ganzes Wochenende investierte sie dafür und lud das Video schließlich hoch. Dann hieß es warten. Der Einsendeschluss wurde verlängert und Annika verlor den Wettbewerb fast aus den Augen. Dann kam die Einladung nach München.
Annika hatte es mit ihrem Video in die Top 11 geschafft. Die Preisverleihung fand im ehemaligen Imax-Kino im Deutschen Museum statt. Die Münchener Abendzeitung war Gastgeber. Alle Filme wurden auf der großen Leinwand gezeigt. Annika, ihre Geschwister und ihre Eltern haben sich extra schick angezogen. Musik wurde gespielt – die Europa-Hymne und „Imagine“ von John Lennon – und dann wurden die drei Gewinner bekannt gegeben. Dass es am Ende nicht aufs Treppchen gereicht hat: für Annika nicht schlimm. Sie hat sich gefreut dabei gewesen zu sein und es ins Finale geschafft zu haben. Auch ein Geschenk gab es. Und erstmals in München gewesen zu sein, war ebenfalls ein Erlebnis. Besonders gut fand sie, mit den anderen Teilnehmern über ihre Filme und Europa zu sprechen.
INFO
Das Video kann auf dem Kanal von Annika Schmidt angeschaut werden: https://www.youtube.com/watch?v=gUcbRDunw5s