Kreis Germersheim 60: „Da muss man halt durch“

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Kreis Germersheim. „Ich kann mich noch nicht so richtig damit abfinden, 60 zu werden. Aber das ist ein Tag, da muss man halt durch“, sagte Landrat Fritz Brechtel zwei Wochen vor seinem 60. Geburtstag am 3. Januar. „Das wird aber mein Lebensgefühl nicht ändern.“ Brechtel feiert morgen von 11 bis 14 Uhr im Straßenmuseum in Germersheim, wo Gratulanten willkommen sind. „Danach geht’s woanders privat weiter.“

Dass 60 vor noch nicht allzu langer Zeit für viele Menschen ein Rentenalter war, ist für ihn selbst schwer vorstellbar. „Die Alten waren noch nie so jung wie heute“, sagt Brechtel und lacht. Und er fühlt sich natürlich jung genug, um 2017 für eine weitere Amtszeit als Landrat zu kandidieren. Es wäre seine dritte. Die wird er auch brauchen, um seine größten Ziele zu erreichen. Die zweite Rheinbrücke bei Wörth nennt er. Das rote Band bei der Freigabe werden vermutlich Verkehrsminister und Ministerpräsidenten durchschneiden, aber Brechtel wäre schon gerne als amtierende Germersheimer Landrat dabei. Das zu kleine Kreishaus ist auch so ein Projekt, an dem bereits Vorgänger herumdokterten. Er selbst hat schon einige Pläne in der Schublade. Anbau, Umbau, Neubau. Verworfen ist der einst diskutierte Umzug ins ehemalige Lazarett der Festung. Dort laufen gerade die Vorbereitungen für den Bau eines Einkaufszentrums. „Das Ziel ist ein modernes Kreishaus, in dem die Bürger alle Leistungen auf kurzen Wegen erhalten“, wünscht sich Brechtel. Und als Hausherr könnte der Chef der Kreisverwaltung die Einweihung hier sogar selbst gestalten. Brücke und Kreishaus würde Brechtel gerne zusammen mit der in seiner Amtszeit verwirklichten S- und Stadtbahn in die „Top 3“ seiner Amtszeit packen. Dass er sich als CDU-Landrat bei der Landtagswahl 2016 einen Regierungswechsel wünscht, ist naheliegend. Er hofft, dass seine Partei als Regierungspartei mit den Kommunen besser umgeht, als die jetzige Landesregierung. „Es reicht schon, wenn eine Regierung, das, was sie verspricht, auch selbst bezahlt und nicht den Kommunen aufbürdet“, spielt er unter anderem auf kostenfreie Kitaplätze und Schülertransport an. Selbst die „6“ vor Augen zu haben erleichtere sicher den Zugang zu Projekten wie „Gemeinsam älter werden - zu Hause“. Es gehe darum, die gute Lebensqualität in den Dörfern und Städten im Kreis bis ins hohe Alter mitzunehmen, so Brechtel. Gerade diese Projekte der Bürgervereine und Nachbarschaftshilfe zeigten auch die gute und parteiübergreifende Zusammenarbeit des Kreises mit den Kommunen. „Mit diesem Thema haben wir den Zeitgeist getroffen“, interpretiert der Landrat das große ehrenamtliche Bürgerengagement in diesem Bereich. „Ich musste lernen, auch für gute Projekte mit Geduld auf den richtigen Zeitpunkt zu warten“, nennt Brechtel eine der wichtigsten Erfahrungen seiner Amtszeit. Ziemlich am (Neupotzer) Zeitgeist vorbei ging das Projekt Feriensiedlung auf dem Setzfeldsee. Er ist nach wie vor überzeugt, dass es ein gutes Projekt wäre, „aber so lange die Bevölkerung nicht will, wird’s nicht gemacht. Die Menschen müssen mitgenommen werden.“ Im Kreis Germersheim sieht der Landrat noch viel Entwicklungspotenzial, sei es in der Wirtschaft („Die Basis unseres guten Lebensstandards“), in der Bildung, im Jugend- und Sozialbereich, im Tourismus. „Landrat ist einer der schönsten Jobs der Welt,“ schwärmt Fritz Brechtel im Interview mit der RHEINPFALZ. Man lerne den gesamten Landkreis in all seinen Facetten und viele verschiedene Menschen kennen. „Das bringt viel Hintergrundwissen und auch Hintergrundbauchgefühl.“ Das sei zusammen mit Vertrauen, das man bei den Bürgern gewinnen und erhalten müsse, die Basis für erfolgreiche Arbeit.

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