WÖRTH RHEINPFALZ Plus Artikel 50 Tonnen Dachziegel für Flutopfer

Über 30 Helfer und Sponsoren sorgten für einen Erfolg der Aktion.
Über 30 Helfer und Sponsoren sorgten für einen Erfolg der Aktion.

Erst kam das Hochwasser, dann ein Feuer. Die „Flutengel Wörth“ haben wieder geholfen. Viele Dinge mussten wieder einmal ganz schnell organisiert werden.

„Ich bin einfach sprachlos, überwältigt und demütig“, sagte Evelyn Liebich aus Lohmar (NRW) und konnte ihre Tränen im Gespräch mit der RHEINPFALZ nicht verbergen, als sie die große Helferschar und die vielen Gerätschaften der „Flutengel Wörth“ beim Abbau der Dachziegel der bisherigen Lidlfiliale in der Ottstraße sah. Sie und ihr Lebensgefährte Markus Liebertz bekommen den größten Teil dieser Ziegel zu ihrer Familie nach Lohmar gebracht.

Zunächst war die Familie selbst flutgeschädigt, ehe sie als Fluthelfer im Einsatz war. „Jetzt sind wir selbst durch einen Hausbrand am Abend des 9. Mai obdach- und mittellos geworden. Zuerst haben wir aufgeteilt bei Freunden gewohnt, ehe wir zur Miete eine relativ behindertengerechte Wohnung – mein Vater muss versorgt werden – gefunden haben“, erzählt Evelyn Liebich. Sie ist dann gleich wieder auf dem Dach und hilft mit beim Abbau.

2000 Kubikmeter Wasser

Das 1860 erbaute Lehm- und Fachwerkhaus haben sie angefangen trocken zu legen. „Die Feuerwehren haben drei Tage lang gelöscht mit etwa 2000 Kubikmetern Wasser. Damit waren meine Werkzeuge, Gerätschaften, Baumaschinen alle kaputt“, bemerkt Markus Liebertz. Der Brand war in der Garage ausgebrochen, die genaue Brandursache ist bisher noch nicht geklärt – voraussichtlich zwei E-Scooter. Durch seine Kontakte ins Ahrtal als Fluthelfer erfuhr er von den Ziegeln in Wörth.

Als der Vorsitzende der „Flutengel“, Thomas Pfirrmann von dem Unglück erfuhr, war für ihn klar, dass sie hier wieder helfen werden. Er machte sich sofort mit seinem Vorstandskollegen Michael Adam an die Organisation. Sie nahmen Kontakt mit Lidl auf, da der Abriss des bisherigen Geschäftes aufgrund des Neubaus anstand. Nach der positiven Antwort für den Abbau von über 14.000 Quadratmetern Dachziegeln gingen sie an die Organisation der benötigten Gerätschaften, Helfer und Formalitäten wie Berufsgenossenschaft und Versicherungen.

Über 30 Helfer im Einsatz

Trotz der hochsommerlichen Hitze konnten die „Flutengel“ auf über 30 Helferinnen und Helfer am Samstag von 12 bis 18 Uhr zurückgreifen. Am Sonntag waren es 25 von 9 bis 14 Uhr und am Montag für den Rest noch einmal 15, die 12.600 Ziegeln (50 Tonnen) abbauten. Die Wärme dieser Ziegel betrug 58 bis 60,2 Grad – wie Helfer Axel Herzog festgestellt hatte.

Zu der Aktion hatten auch zahlreiche Sponsoren ihren Beitrag geleistet. So wurden die benötigten Handschuhe gestiftet, 100 Paletten geliefert, das Gerüst gebaut sowie Teleskop- und Radlader und Dachdecker-Aufzüge gestellt. Zwei Sattelzüge wurden für den Abtransport benötigt. Einen fuhr der ehemalige Wörther Marco Clausonet, der inzwischen in Dernau im Ahrtal mit seiner Firma (Abbruch und Erdbau) und seiner Familie lebt. Er war dort von Beginn an im Einsatz als Fluthelfer, als er noch seine Firma in Bellheim hatte und dort wohnte. Am Sonntag kam dann Georg Winkler vom Verein „Menschen in Not“ auf die Baustelle, der am Montag mit Pfirrmann die Ziegel nach Lohmar transportierte. Er hatte zuletzt Kleidungsstücke und Möbel aus Wörth mit seinem Verein von den „Flutengeln“ abgeholt.

Ziegel für mehrere Baustellen

Da die Geschädigten nicht alle Ziegeln benötigen werden, geht der Rest an die Ahr an verschiedene flutgeschädigte Privatleute mit kleinerem Bedarf. Dafür sorgt Magnus Wagner, der mit seinen beiden Jungen Simon und Laurence, die am Sonntag beim Abbau mithalfen, vor Ort war. Er selbst ist Flutgeschädigter, organisiert aber auch seit Beginn bei den Hilfsaktionen mit. „Es besteht nach wie vor viel Bedarf“, sagte er der RHEINPFALZ.

„Als Unternehmen macht uns eine solche Hilfsaktion große Freude, wenn ich diese Einsatzbereitschaft vor Ort sehe“, sagte der Verkaufsleiter von Lidl, Hendrik Diezinger. „Gemeinsam mit unserer Immobilienabteilung waren wir sofort bereit zu unterstützen und den Betroffenen damit zu helfen.“ Lidl stellte zum einen die benötigte Folie zur Verfügung, versorgte aber auch die Helfer mit reichlich Getränken und Essen, das dann von Ralf Demes auf dem Gelände zubereitet wurde.

Info

Die Lidlfiliale hat seit Samstagnachmittag geschlossen und eröffnet direkt daneben am 4. August auf größerer Fläche neu

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