Kandel 46 Jahre lang als Krankenschwester gearbeitet

Pflegedienstleiterin Andrea Armbrust-Müller (links) und Geschäftsführer Frank Lambert bedanken sich bei Gerlinde Knebl und Vera
Pflegedienstleiterin Andrea Armbrust-Müller (links) und Geschäftsführer Frank Lambert bedanken sich bei Gerlinde Knebl und Vera Rück (rechts) für ihre 46-jährige Dienszeit im Krankenhaus.

46 Jahre als Krankenschwester in ein und demselben Krankenhaus zu arbeiten – in der heutigen Zeit ist das kaum vorstellbar. Doch Vera Rück und Gerlinde Knebl haben genau das getan. 1977 haben sie Kandeler Krankenhaus, der heutigen Asklepios-Klinik ihre Ausbildung begonnen.

Während der Pandemie wurde den Pflegekräften in Krankenhäusern und Altenheimen applaudiert. Doch der Pflegenotstand ist auch weiterhin – wie seit vielen Jahren - in aller Munde. Helfende Hände werden überall gesucht, in der häuslichen Pflege, aber auch in den Kliniken und Heimen. Das Interesse am Beruf der Krankenschwester oder des Altenpflegers etwa hat spürbar nachgelassen. Gründe dafür gibt es viele. Und vermutlich spielt die Bezahlung dabei gar nicht die ausschlaggebende Rolle.

Das war noch anders in den 1970er Jahren, als sich zwei junge Frauen gegen Ende ihrer Schulzeit entschlossen, Krankenschwester zu werden und sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Die Rede ist hier von Gerlinde Knebl aus Kandel, die auch heute noch, nach 46 Jahren, in der Asklepios-Klinik in Kandel arbeitet, und von Vera Rück aus Jockgrim, die, ebenfalls nach 46-jähriger Tätigkeit am Kandeler Krankenhaus, zum 1. Juni in Rente gegangen ist. Beide haben nicht nur ihrem Beruf, den sie heute sofort wieder erlernen würden, die Treue gehalten, sondern auch ihrem Arbeitgeber, dem Kandeler Krankenhaus. Auch wenn sich der Arbeitgeber zwischenzeitlich geändert hat und nicht mehr der Landkreis, sondern der private Asklepios-Konzern Träger des Hauses ist.

164 Bewerber auf 24 Stellen

Und die beiden haben viel zu erzählen. Gerlinde Knebl und Vera Rück kannten sich zunächst nicht. Erst am 31. August 1977 sahen sie sich zum ersten Mal. Im Schwesternwohnheim, das zwischenzeitlich abgerissen wurde, bezogen sie an diesem Tag ihr Zimmer. Und sie waren sehr glücklich. Denn zu der damaligen Zeit war es nicht selbstverständlich, einen der begehrten Ausbildungsplätze für ihren „Traumberuf“ zu ergattern. Auf die 24 Stellen hatten sich insgesamt 164 Schülerinnen und auch schon einige Schüler beworben. Sicherheitshalber hatten sie zwar auch andere Bewerbungen geschrieben, doch Krankenschwester, das war ihr Wunschberuf.

Erste Einblicke gewonnen hatte Vera Rück beim Sonntagsdienst im Krankenhaus. Gerlinde Knebl, die aus Ottersheim stammt, hatte zuvor bereits Erfahrungen gesammelt. Sie half sonntags in der damaligen orthopädischen Klinik in Queichheim, durfte das Essen ausgeben und andere Arbeiten verrichten. Nun standen sie im Schwesternwohnheim, räumten das Zimmer ein und bereiteten sich auf ihren ersten Schultag vor. Allzu früh wollten sie nicht in den Unterrichtsraum gehen, warteten noch etwas bis kurz vor Unterrichtsbeginn. „Und als wir dann in den Saal kamen, waren fast alle Plätze bereits besetzt. Nur noch zwei, genau vor dem Pult, waren frei. Dort mussten wir Platz nehmen. Und dort saßen wir dann drei Jahre lang in jeder Unterrichtsstunde“, erinnert sich Vera Rück.

Strenger Lehrer

Und beide denken noch heute gerne an ihre damaligen Lehrer, vor allem an den früheren Chefarzt der Inneren Abteilung, Werner Gerardy. Er war zugleich Leiter der Krankenpflegeschule, ein strenger Lehrer, aber auch ganz menschlich, verständnisvoll und an ihrem Weiterkommen interessiert, berichten sie. Und er habe sich die Namen seiner Schüler sehr gut gemerkt, sie später auch auf der Straße oft persönlich angesprochen. Die drei Jahre als Schülerin seien nicht einfach gewesen, oft sei man von den Stationsleitungen und den älteren Schwestern zurechtgewiesen worden, doch am Freitag, den 13. Juni 1980, war es dann soweit. Beide legten ihr Examen ab, mit einem sehr guten Ergebnis.

Auch andere Arbeitsplätze in der Umgebung seien für sie interessant gewesen, etwa wegen der Nähe zu ihrem damaligen Wohnort. Aber Gerlinde und Vera entschieden sich fürs Kreiskrankenhaus in Kandel. Zusammen mit zwei anderen Absolventinnen aus ihrem Ausbildungsjahrgang. Nun durchliefen sie verschiedene Stationen, Gerlinde Knebl etwa die Chirurgie und auch die Innere Abteilung. Dann folgten viele Jahre als Leiterin der Station für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. „Hier habe ich meine schönste Zeit im Hause erlebt“, erinnert sich Schwester Gerlinde. Allerdings sei die Verantwortung auch sehr groß gewesen, die ihr HNO- Belegarzt Philip Haubold anvertraute. Die Zusammenarbeit mit dem Arzt habe ihr viel Freude bereitet. Sie denke noch heute ebenfalls an so manche Patienten, vor allem auch an Jüngere, die vor und nach ihrer Operation zu versorgen waren.

Strenge Vorgaben

Nachdem sie gesundheitlich selbst etwas angeschlagen war, übernahm Gerlinde Knebl dann andere Aufgaben, etwa als Stationssekretärin. Ihr Arbeitgeber bot ihr eine Teilzeitstelle an, und nach den schweren Jahren während der Pandemie übernahm sie die Betreuung des Krankenhausarchivs. Wenn alles gut läuft, dann wird Gerlinde Knebl bis zum 1. November nächsten Jahres noch arbeiten, ehe sie in Rente geht.

Ähnliches berichtet Vera Rück, die heute in Jockgrim wohnt und sich noch gut an strenge Vorgaben erinnert. Wehe, man habe etwa unnötig Handschuhe verbraucht oder etwas Zerbrechliches fallen lassen. Heute gebe es meist Einweg-Hilfsmittel, die nach dem Gebrauch weggeworfen werden. Früher wurde so manches noch ausgewaschen, erinnert sich die Krankenschwester. Vera Rück war jahrelang Stationsleiterin der Inneren Abteilung und arbeitete zuletzt im zentralen Test-Zentrum.

Dankbare Angehörige

Auch sie erinnert sich an viele Patienten, aber auch an Angehörige, denen sie als Krankenschwestern begegneten. „Deren Reaktionen hat uns auch für vieles entschädigt, uns einfach gut getan“, meint Vera Rück. Oder zuletzt in der Zeit der Corona-Pandemie, als etwa die Inhaber des Kandeler Hotels „Zum Riesen“ eine „Suppen-Aktion“ gestartet hatten. Solche positiven Erlebnisse hätten es möglich gemacht, die für alle Beteiligten schwierige Zeit zu überstehen. Man habe auch alles daran gesetzt, Angehörigen den Besuch von Schwerstkranken zu ermöglichen, ist zu hören. Und auch darüber seien viele Menschen glücklich gewesen. Wenn man heute Klagen über die Belastungen im Beruf zu hören bekomme, dann habe man schon etwas Verständnis dafür. In den ersten Berufsjahren habe man immer mehr das Gefühl gehabt, eine große Familie zu sein, meinen die beiden. Und während ihrer Fortbildungs-Einsätze in größeren Kliniken hätten sie bemerkt, „dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird“.

Die vielen Umbauten und Umzüge, aber auch Veränderungen in den Arbeitsabläufen, hätten die Arbeit in „ihrem“ Krankenhaus nie langweilig werden lassen, bekennen Knebl und Rück. Sie können nicht so recht verstehen, warum es heute unter den Schulabsolventen so wenige gibt, die sich für die medizinischen Pflegeberufe interessieren. Sicher seien die Belastungen gestiegen, wie in vielen anderen Bereichen auch. Aber man bekomme auch vieles zurück, erfahre Dankbarkeit.

So zeigte sich auch Geschäftsführer Frank Lambert sehr angetan von der Lebensleistung der beiden Krankenschwestern, deren Beitrag man nicht hoch genug einschätzen könne. Weil es am Nachwuchs mangele, werde die Pflege in der Zukunft wohl „international“ aufgestellt werden. Das bedeute, so Lambert, dass man in fernen Ländern, etwa in Indien, auf die Suche nach geeigneten Nachwuchskräften gehe. Die werden auch dringend gebraucht, betont Pflegedienstleiterin Andrea Armbrust-Müller. Sie zeigte sich beeindruckt von den Schilderungen der beiden Krankenschwestern, die sie selbst nun auch schon lange kenne und sehr zu schätzen gelernt habe. Gerlinde Knebl und Vera Rück seien in all den Jahrzehnten stets auch offen für Neues gewesen, so dass alle davon profitieren konnten.

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