Kandel
350 Zuhörer bei Amtsübergabe von Poß an Schönlaub
Eigentlich war es eine ordentliche Sitzung, zu der sich die Mitglieder des Verbandsgemeinderates am Donnerstag in der Bienwaldhalle trafen. Und doch war es eine besondere Tagesordnung. Anlass war der Wechsel an der Spitze der Verbandsgemeindeverwaltung: Volker Poß (SPD), seit 16 Jahren Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel und Chef der Verwaltung, wurde in den Ruhestand verabschiedet, sein im November gewählter Nachfolger Mike Schönlaub (SPD) in das Amt des Bürgermeisters eingeführt. Der Amtswechsel erfolgt zum 1. April.
Eingeladen waren nicht nur die Ratsmitglieder, sondern gleich die gesamte Bevölkerung. Aber selbst langjährige Sitzungsbeobachter können sich nicht erinnern, dass jemals mehr als 350 Zuhörer an einer solchen Zeremonie teilgenommen haben, wer etwas später kam, der musste sich sogar mit Stehplätzen begnügen.
Poß wünscht Nachfolger Glück und Gelassenheit
Rasch war der Wechsel vollzogen. Nach der Amtseinführung und der Verpflichtung von Mike Schönlaub zum neuen Bürgermeister, legte dieser den Amtseid ab. Seinem Nachfolger wünschte Poß die erforderliche Portion Gelassenheit, Energie, Glück und vor allem Gesundheit. „Ab Dienstag bin ich dann daheim!“, sagte Poß in Richtung seiner Frau Heike und seiner aus Berlin und München angereisten Kinder. Doch Befürchtungen, wie man sie aus Loriots Film „Papa ante portas“ kennt, brauche seine Frau nicht zu haben.
Der 41-jährige Mike Schönlaub bezeichnete es als große Ehre, die Aufgaben des vierten Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Kandel übernehmen zu können, die er mit vollem Einsatz und ganzem Herzen anpacken wolle. Er habe in der Verwaltung von vielen viel gelernt, sich vieles abgeschaut und das Beste herausgepickt, fachlich wie menschlich. Auch im Ehrenamt als Brand- und Katastrophenschutz-Inspekteur des Landkreises. Schönlaub dankte allen, die ihn bisher unterstützt hatten. „Ich habe in den letzten Wochen und Monaten unzählige Gespräche geführt, Anliegen gehört, Ideen aufgenommen. Es gibt viel zu tun, und ich werde mit voller Energie loslegen“, sagte der neue Bürgermeister.
Als Meilenstein in der Geschichte der Verbandsgemeinde Kandel bezeichnete Ministerpräsident Alexander Schweitzer diese „außergewöhnliche Sitzung“. „Du hast den Ruhestand verdient“, sagte er zu Poß, und würdigte dessen angenehme Art des Auftretens, seinen ruhigen Ton und seine sachbezogene Arbeit als erster Dienstleister für die Ortsgemeinden. Bürgermeister seien gewissermaßen ein Art „wandelnder Vermittlungsausschuss“. Und noch ein Lob aus dem Munde des Landesvaters, der aus der Südpfalz kommt und Kandel sehr gut kennt: „Du hast die Verbandsgemeinde in hervorragender Weise nach vorne gebracht und dir bleibende Verdienste erworben!“
Kurt Beck unter den Ehrengästen
Seinen Nachfolger Mike Schönlaub erinnerte Schweitzer an das „heiße Rennen mit knappem Ergebnis“ im letzten November. Der neue Bürgermeister sei „ein Typ, der in die Region passt“, meinte der Ministerpräsident, dessen Vor-Vorgänger Kurt Beck ebenfalls unter den Ehrengästen war. Als Vorbild in vielerlei Hinsicht, als fairen und verlässlichen Partner trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit würdigte Landrat Martin Brandl den scheidenden Verbandsbürgermeister. Schönlaub bot er für den Fall von kritischen Meinungsverschiedenheiten eine Art „Schorle-Diplomatie“ an, die Zutaten hatte Brandl mitgebracht.
Vertreter der fünf Ratsfraktionen fanden jeweils persönliche Dankesworte für die gute Zusammenarbeit mit dem scheidenden Bürgermeister und drückten ihre Hoffnung für die Zukunft aus. Michael Detzel (Steinweiler) dankte mit einem Bilderrückblick. Marcus Schaile, Bürgermeister von Germersheim, überbrachte Dankesworte und Glückwünsche der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebundes.