Bellheim RHEINPFALZ Plus Artikel 35 Eichen vorsichtshalber gefällt

Mehr als 30 Eichen wurden am Radweg zum Abenteuerspielplatz gefällt.
Mehr als 30 Eichen wurden am Radweg zum Abenteuerspielplatz gefällt.

Es war für den Förster ein schmerzhafter Schritt: Anfang vergangener Woche wurden im Bellheimer Wald 35 Eichen gefällt – wegen Einsturzgefahr. Einige Anwohner atmen nun auf, andere sind mit der Entscheidung gar nicht glücklich.

Nachdem vor einigen Monaten ein herabstürzender Baum einen Zaun beschädigt hatte, stellte Förster Jürgen Wenzel eine ganze Reihe an Stileichen, die am Radweg zum Abenteuerspielplatz stehen, auf den Prüfstand. Der Abschnitt verläuft parallel zu einem Wohngebiet, die hoch gewachsenen Bäume könnten im schlimmsten Fall in einem Haus einschlagen. Im November stellte Wenzel dem Gemeinderat seine Befunde vor. Er habe drei Eichen angebohrt, von denen zwei innen faul gewesen seien. Dafür, dass der Rat schließlich der Fällung von über 30 Bäumen zustimmte, sprachen auch andere Faktoren, wie Wenzel gegenüber der RHEINPFALZ später erklärt.

Die sind auf den ersten Blick aber nicht zu erkennen. Als sich ein RHEINPFALZ-Mitarbeiter selbst ein Bild von der Lage macht, ist zufällig gerade ein Anwohner in der Nähe. „Eine Riesensauerei ist das“, sagt Martin Bohsung mit Blick auf die kreuz und quer auf dem Waldboden liegenden und augenscheinlich nicht verfaulten Baumstämme. „Als die hier losgelegt haben, hab ich wirklich an mich halten müssen.“ Bohsung versteht nicht, warum wegen eines Vorfalls all diese gesunden Bäume wegmussten. „Wir haben ja nicht mehr 1958, sondern 2022. Es gibt heutzutage Methoden, die Gesundheit eines Baumes festzustellen, bevor ich ihn absäge.“

Anwohner können nachts nicht schlafen

Er habe den Verdacht, der Förster sei von anderen Anwohnern zu diesem radikalen Schritt gedrängt worden – auch dafür hat Bohsung wenig Verständnis. „Ich sage es mal so: Wenn Sie sich entscheiden, an einem Fluss zu leben, haben Sie eine schöne Aussicht und ein kleines Risiko. So ist es auch für uns hier am Waldrand. Das Leben ist keine Vollkaskoversicherung.“ Bohsung hat bereits Kontakt zu Wenzel und der Kommunalpolitik aufgenommen.

Der Förster bestätigt, dass sich immer wieder Anwohner in Sorge vor umfallenden Bäumen an ihn gewandt hatten – besonders, nachdem im vergangenen Jahr tatsächlich einer in einen Zaun gestürzt war. „Die Leute sagten mir teilweise, dass sie bei starkem Wind nachts kaum noch schlafen könnten“, erzählt Wenzel. Ebenso will er nicht bestreiten, dass viele der gefällten Eichen nicht von innen morsch waren. Es sei nicht primär darum gegangen, kranke Bäume zu entfernen, sondern um die Windwurfgefahr.

Neue Windverhältnisse im Wald

Für seine Gefahrenanalyse zieht er verschiedene Aspekte in Betracht: „Wie überall ist auch unser Wald vom Klimawandel in Mitleidenschaft gezogen. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits einige dürre Bäume entfernen müssen, was die Windverhältnisse im Wald verändert hat.“ Das bedeute, dass die Eichen, die sich in der Nähe des Wohngebietes befunden haben, nun direkter vom Wind getroffen werden und dadurch eine größere Bruchgefahr bestehe. Zu allem Überfluss verursache der Klimawandel ohnehin stärkere Sturmwehen, was sich immer wieder durch Kronenabbrüche bemerkbar gemacht habe. Das sei sowohl für die Anwohner als auch Spaziergänger und Radfahrer gefährlich.

Förster: „Entscheidung nicht leicht gemacht“

Zwei weitere Gründe gab es, die für Wenzel für ein erhöhtes Risiko sprachen. „Die Eichen waren zum Licht hin gewachsen und hingen stark in die Richtung der Häuser. Hinzu kommt, dass sie alle entlang eines Grabens gestanden waren, bei dessen Entstehung seinerzeit viele der Wurzeln gekappt worden sind.“ Die augenscheinliche Gesundheit der Bäume sei also nicht alles. Wenzel berichtet von einem ähnlichen Fall in Rülzheim. Dort sei vor Kurzem ein Baum umgefallen, der völlig gesund gewirkt hatte, aber von der Wurzel herauf angefault gewesen sei. „Glauben Sie mir eins: Ich habe mir die Entscheidung, die Eichen zu fällen, nicht leicht gemacht“, sagt Wenzel. „Aber heute Abend wird es wieder windig, und es ist das erste Mal seit langem, dass ich mir keine Sorgen mehr machen muss, dass etwas passiert.“

Ersatzbäume wachsen nicht so hoch

Zum Ausgleich für die über 100 Jahre alten Eichen werden neue Bäume gepflanzt, die aber nicht so hoch wachsen werden. Außerdem wird Wenzel Eichen, die weiter im Waldinneren stehen und die eigentlich Kandidaten für eine baldige Fällung für den Holzverkauf gewesen wären, nun stehenlassen, bis sie auf natürlichem Wege das Zeitliche segnen.

Kreissprecherin Astrid Seefeldt bestätigt auf Nachfrage der RHEINPFALZ, das Vorhaben sei der Unteren Naturschutzbehörde vorgestellt und damit begründet worden, Verkehrssicherheit herzustellen. Es sei vonseiten des Forstes vorgesehen, durch gezielte Nachpflanzungen einen ökologisch wertvollen und sicheren Waldrand zu entwickeln beziehungsweise nachhaltig zu erhalten.

Ob die Bäume krank waren, spielte nicht die entscheidende Rolle, sondern die Gefahr bei Wind und Sturm.
Ob die Bäume krank waren, spielte nicht die entscheidende Rolle, sondern die Gefahr bei Wind und Sturm.
x