Kreis Germersheim 15,9 Prozent der Kreisfläche für Siedlung und Verkehr
Wohnhäuser, Firmen, Straßen und Wege – alles braucht Platz. Und die Flächenerweiterung für Siedlungszwecke ist ein ewiges Spannungsfeld in der Kommunalpolitik. Planer, Bürgermeister und Gemeinderäte treffen dabei häufig auf erbittert kämpfende Bürgerinitiativen und Naturschützer – oder konsequente Naturschutzbehörden. Siehe Baugebiet Abtswald II in Wörth, das vom behördlichen Naturschutz gekippt wurde.
Wie viel Fläche beansprucht der Mensch fürs Wohnen, Arbeiten und die nötige Infrastruktur? Insgesamt lag diese Siedlungs- und Verkehrsfläche im Kreis Germersheim zuletzt bei 7380 Hektar, das sind 747 Hektar mehr als zwei Jahrzehnte zuvor. Wobei rund 443 Hektar seit 2005, dazu kamen. Insgesamt ist der Landkreis 46.326 Hektar groß. Naturschützer schimpfen über Flächenfraß und Flächenverbrauch. Planer argumentieren mit der Flächenumwidmung. Tatsache ist, die Fläche an sich bleibt vorhanden, nur wird sie zukünftig anders genutzt – entweder als Landwirtschafts- und Waldfläche, als Wasserfläche oder als Siedlungs- und Verkehrsfläche. Letztere umfasst Häuser, Straßen, Plätze und Gewerbegebiete, aber auch Sportplätze, Grünanlagen und Friedhöfe. Diese Siedlungs- und Verkehrsfläche liegt nach den jüngsten Zahlen (Jahreswechsel 2014/15) bei 7380 Hektar. Damit werden derzeit rund 15,9 Prozent der Gesamtfläche im Kreis Germersheim für Siedlung und Verkehr genutzt. Im Langzeitvergleich zeigt sich, dass 2005 dieser Anteil noch bei 6937 Hektar beziehungsweise 15,0 Prozent gelegen hatte. Der Rest ist Wald, Landwirtschafts- und Wasserfläche, aber auch nicht unbedingt Natur pur. Felder werden bewirtschaftet und Wald besteht nicht nur aus unberührtem Totholz-Gebiet, sondern dient der Holzgewinnung für Möbel, Bodenbeläge, Kaminöfen oder Pelletheizungen. Rund 17.737 Hektar Landwirtschaftsflächen gibt es derzeit im Kreis Germersheim; sie erstrecken sich damit auf rund 38,3 Prozent der Gesamtfläche (2005: 18.310 Hektar gleich 39,5 Prozent). Die Waldfläche umfasst aktuell 18.645 Hektar oder 40,2 Prozent (2005: 18.495 Hektar/39,9 Prozent), macht zusammen 36.382 Hektar Wald, Feld und Wiese. Problematisch wird es in der Kommunalpolitik immer dort, wo die Ausweisung neuer Bau- oder Gewerbegebiete auf fruchtbare Ackerböden trifft. Erkennbar hat sich der Zuwachs bei der Siedlungs- und Verkehrsfläche in den letzten Jahren übrigens abgeschwächt, liegt aber noch über der Zielvorgabe der Bundesregierung. Ihr Ziel ist es, die Nutzung neuer Flächen bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Aktuell (im Vierjahresdurchschnitt) sind es 69 Hektar pro Tag. Umgerechnet in Fußballfelder á 0,71 Hektar werden täglich etwa 97 Fußballfelder überbaut, angestrebt sind weniger als halb so viele – etwa rund 42. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass die Siedlungs- und Verkehrsfläche nicht gleich versiegelte Fläche ist. Laut Statistischem Bundesamt sind schätzungsweise durchschnittlich 43 bis 50 Prozent der Wohn-, Erholungs- und Straßengebiete versiegelt. Denn unter diese Flächenart fallen auch sämtliche Frei- und Erholungsflächen (zum Beispiel Sportplätze) sowie Friedhöfe. Konkret werden im Kreis Germersheim fürs Wohnen 1846 Hektar (2005: 1644 Hektar) verwendet und 789 Hektar für Gewerbe und Industrie (2005: 592 Hektar). Rechnet man die Flächen für Wohnungen, Straßen und Betriebe auf die hier lebenden Menschen um, ergeben sich 584,5 bebaute Quadratmeter pro Nase. Das ist besser als der Bundesdurchschnitt mit 602,2 Quadratmetern. Vergleiche zu früher sind dabei nicht möglich, denn nach dem Zensus 2011 haben sich die Einwohnerzahlen so verändert, dass die Zahlen nicht mehr vergleichbar sind. |zds