Kreis Germersheim 159 Bomber werfen ihre tödliche Fracht auf die Rheinbrücke

Wörth. In Wörths Baugebiet „Abtswald“ wurde am Montagmorgen eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Der Kampfmittelräumdienst will den Blindgänger entschärfen. Im 500-Meter-Radius werden die Häuser evakuiert und Verkehrswege gesperrt. Das geschieht hier nicht zum ersten Mal.
Bereits im Juni 2013 hatten zahlreiche Einwohner des Stadtteils Maximiliansau wegen einer 500-Kilogramm-Bombe vorübergehend ihre Wohnungen verlassen müssen. Die in sicherer Distanz lebenden Zeitgenossen interessierte freilich mehr die Sperrung der Rheinbrücke und der Rheinschifffahrt. Anfang Dezember 2011 herrschte schon einmal eine wörtlich zu verstehende Bombenstimmung. Eine beim Hofgut Maxau entdeckte Bombe gleichen Kalibers hatte einige Viertel von Maximiliansau urplötzlich in die Gefahrenzone gerückt und dort die Adventsfreude gedämpft. Verständlich, dass die Betroffenen statt des Weihnachtsmannes die Leute des Kampfmittelräumdienstes herbeisehnten. Dank ihres Geschicks lösten diese das Problem in gut 15 Minuten. Das mörderische Erbe des Krieges beansprucht die Entschärfungsexperten fast täglich. Von dem abgeworfenen alliierten Sprengmaterial – mehrere Millionen Tonnen – liegt ein ansehnlicher Teil noch funktionsfähig unter der Erde. Solche gefährlichen Blindgänger werden oft nur zufällig gefunden, obwohl heute bei der Suche die Luftbildaufnahmen der Alliierten helfen. Bekanntlich steigt ihre Zahl mit Ausmaß und Häufigkeit der Bombardierung, die sich auf Brücken, Straßen, Bahn- und Industrieanlagen konzentrierte. Das galt für Wörth als Eisenbahnknotenpunkt und besonders für Maximiliansau mit seinen Fabriken und der Rheinbrücke. Sie waren in den letzten Kriegsmonaten bevorzugte Ziele der anglo-amerikanischen Bomberverbände. „Tag für Tag warfen die Flieger ihre Bomben und richteten großes Unheil an“, klagte Wörths katholischer Pfarrer Stephan im Winter 1944/45. Am 3. Januar 1945 bombardierte eine 159 Flugzeuge zählende Gruppe der 8. US-Luftflotte die Eisenbahnbrücke bei Maximiliansau auf Sicht. Zehn Tage später legte ein neuerlicher Großangriff das Industrieareal um die Rheinbrücke in Schutt und Asche. Schwer beschädigt wurden die Brücke, das Linoleumwerk sowie die rechtsrheinisch gelegenen Zellstoffwerke Maxau. Der Holzhof (Schenck AG) war gar zu 80 Prozent zerstört. Einen regelrechten Aschermittwoch erlebte am 14. Februar 1945 die Nachbargemeinde Jockgrim. Drei Dutzend schwere Bomber beschädigten die Bahnlinie und das Ziegelwerk Ludowici erheblich, forderten außerdem rund 86 Menschenleben, denen bis Ende März noch weitere folgten. Auch in Maximiliansau hatte ein Luftangriff an Heiligabend 1944 12 Tote gekostet. Sie blieben nicht die einzigen. In Wörth registrierte man im Sommer 1948 30 Bombentrichter. Sie befanden sich meist außerhalb des Ortes. Ein Jahr später waren große Mengen an Waffen und Munition beseitigt worden, auffälligerweise aber kaum Bombenblindgänger. So geht in Wörth-Maximiliansau und anderswo das Aufspüren und Entschärfen weiter.