Kandel
13 Jahre Warten auf Baubeginn
Im Neubaugebiet K2 kann gebaut werden. Was so unspektakulär klingt, ist für Kandel fast eine Sensation. Über Baugebiete im Nordwesten der Stadt diskutiert wurde seit 1994, am 19. Juni 2008 kam für K2 der erste Aufstellungsbeschluss. Die Zeit danach glich jedoch einem Hürdenlauf. Immerhin sah es nach dem ersten Spatenstich am 16. Mai 2019 kurz so aus, als würde zumindest der Endspurt unproblematisch verlaufen. Doch weit gefehlt ...
Zwei Themen beschäftigten Verwaltung und Bauherren. Zum einen das wasserrechtliche Verfahren, in dem es zum Beispiel um die Ableitung von Oberflächenwasser geht. In den Straßen unterhalb von K2 hatte es nach Starkregen mehrfach Überschwemmungen und geflutete Keller gegeben. Entsprechend ist die Vorsorge in Kandel ein sensibles Thema.
Frist wegen Corona nicht eingehalten
Der erste Knackpunkt war jedoch die Pandemie: Wegen mehrerer Corona-Fälle innerhalb der Verbandsgemeindeverwaltung musste diese im Frühjahr 2020 gleichsam über Nacht geschlossen werden. Damit war die Frist für die Auslegung um exakt einen Tag unterschritten, die Formalien konnten also nicht im ersten Anlauf eingehalten werden.
Dazu kamen Widerspruchsverfahren: Bürger sorgten sich, dass der Dierbach bei Starkregen das vom Baugebiet kommende Wasser nicht aufnehmen könnte. Kaum waren diese Fragen geklärt, gab es die nächsten Einwände. Diese wurden zwar im Januar 2021 in Gesprächen ausgeräumt. Doch bis dahin durften keine Kanäle gebaut und entsprechend auch keine Straßen asphaltiert werden, da ja das Regenwasser sonst nicht mehr hätte versickern können.
Zeit für das Baukindergeld wird knapp
Das nächste Problem: Der Bebauungsplan, der über die Jahre schon achtmal ausgelegt worden war. Grundstückseigentümer protestierten unter anderem lautstark, dass sie unter Berücksichtigung der Vorgaben wie die Ausrichtung des Dachfirsts ihre Häuser nicht sinnvoll platzieren konnten. Eine Doppelhaushälfte war überhaupt nicht anfahrbar, Bauanträge wurden reihenweise abgelehnt. Eine Arbeitsgruppe unter Führung des ersten Beigeordneten Michael Gaudier formulierte neue Vorschläge, derzeit liegt die zweite Änderung des Planes aus.
Diese Verzögerungen brachten jedoch so manchen Bauherrn in die Bredouille: Bis Ende März 2021 mussten die Anträge für das Baukindergeld eingereicht sein, dafür waren Baugenehmigungen nötig. Diese habe man vorgezogen, damit die Fristen eingehalten werden konnten, sagt Bauamtsleiter Ralf Wagner. Nun droht neues Ungemach, weil der Bebauungsplan ja wieder geändert wurde und noch offen ist, ob die Förderung dennoch gewährt wird.
Verkehrssorgen und ein gestrichener Zuschuss
Dabei war die Zeit nach dem ersten Aufstellungsbeschluss im Juni 2008 schon turbulent genug. Heftig umstritten war lange Zeit die Anbindung an das Baugebiet Nord-West, die über eine schmale Bahnbrücke läuft. Anwohner hatten 2011 sogar aus Angst vor dem Durchgangsverkehr in der Guttenbergstraße eine Bürgerinitiative gegründet.
Dann war der Erschließungsträger abgesprungen, was das Projekt weiter verzögerte. Als ein Neuer gefunden war, musste wieder umgeplant werden: Ursprünglich sollte eine Ortsrandstraße über den Höhenweg an den geplanten Baugebieten K2 und Nordwest-B vorbei führen. Das Land hatte zwar im September 2016 einen Zuschuss zugesagt. Doch eine Kosten-Analyse ergab kurz darauf, dass die Straße gemäß den Kriterien des Landes von zu wenigen Fahrzeugen befahren werden würde – und der versprochene Zuschuss war wieder weg. Eine klamme Stadt wie Kandel konnte die Umgehung nicht alleine finanzieren. Also musste wieder ein neuer Plan her. Vor Ostern 2017 gab es deshalb sogar eine außerordentliche Stadtratssitzung.
163 Grundstücke sind bereit
Danach weigerten sich einige der 41 Grundstückseigentümer, den neuen Erschließungsvertrag zu unterschreiben. Als auch diese Klippe umschifft war, musste der Plan erneut wegen der Regenrückhaltebecken geändert werden.
Stand 20. Mai 2021 warten 163 Grundstücke darauf, bebaut zu werden. 58 davon gehören der Stadt, die wegen der hohen Nachfrage die Interessenten nach einem Punktesystem eingestuft hat. 5 Grundstücke wurden in der langen Wartezeit zurückgegeben und müssen jetzt neu verlost werden. 39 Baugenehmigungen wurden bisher erteilt. In der Bauabteilung rüstet man sich nun auf einen möglichen Ansturm in der kommenden Woche.
Termin
Das Neubaugebiet ’K2’ wird am Freitag, 21. Mai 2021, 14 Uhr, förmlich für die Bauherren freigeben.