Kandel 100 Jahre Methodisten-Gemeinde: Mit Gottesdiensten im Wohnzimmer fing alles an

Blick über die Stadt.
Blick über die Stadt.

Begonnen hat die Geschichte der Kandeler Methodisten-Gemeinde, als der Müller Heinrich Günther die Hardtmühle kaufte. Mittlerweile gibt es sie seit 100 Jahren in der Stadt.

Nach dem Kauf der Mühle 1922, hielt Günther mit seiner Ehefrau an einem Brauch fest, den sie schon seit 1916 in der Windener Mühle gepflegt hatten, nämlich das Abhalten von Gottesdiensten und Sonntagsschule (Kindergottesdienst). Gehalten wurden diese Gottesdienste jeden zweiten Sonntag zunächst in Günthers Wohnzimmer. Betreut wurden die 20 bis 30 Leute, die anfangs dabei waren, von Pastoren und Laienpredigern der Kirchengemeinde von Pirmasens und Bergzabern.

Da immer mehr Leute die Gottesdienste besuchten und auch viele Kinder in die Sonntagsschule kamen, errichteten die „Müllersleute“ auf ihrem Anwesen einen Gemeindesaal und gründeten auch schon bald einen Chor, der auch heute noch besteht. Bis heute gehören viele Nachkommen der Gründerfamilie der Kirchengemeinde an und sind ehrenamtlich für sie tätig sind.

Auch während der Naziherrschaft hielt man an den Gottesdiensten in der Hardtmühle fest. In den Hungerjahren der Nachkriegszeit halfen die Kandeler Methodisten mit den Care-Paketen ihrer amerikanischen Glaubensbrüder vielen Menschen. Die Zahl der Mitglieder wuchs, auch ein rühriger Jugendkreis hatte sich etabliert. Da aber immer noch nur an jedem zweiten Sonntag ein Gottesdienst stattfinden konnte, wurde für die anderen Sonntage in der Wohnung der Familie Karl Pausch eine Bibelstunde eingerichtet. Seit den Fünfziger Jahren, lange vor der Wiedervereinigung, gibt es eine Partnerschaft mit der methodistischen Gemeinde von Marienberg im Erzgebirge.

Gemeindezentrum in früherer Gaststätte

1970 Pläne gab es bereits Pläne, ein Gemeindezemtrum in der Stadt zu errichten. Erst 1986 war es soweit. Mit über 7000 freiwilligen Arbeitsstunden, vielen Spenden und der Unterstützung anderer methodistischen Gemeinden wurde die ehemalige „Bienwald-Gaststätte“ in der Waldstraße umgebaut. In kurzer Zeit wurde der Tanzsaal zum Gottesdienstraum und die Gaststätte zu Gruppenräumen umgewandelt. Als auch die Pastorenwohnung ausgebaut war, weihte im Mai 1987 Bischof Hermann Sticher das Gemeindezentrum Friedenskirche ein. Mit Philipp Zimmermann wohnte ab September erstmals ein Pastor in Kandel.

Da man jetzt den nötigen Platz hatte, wurde die Kinder-, Jugend-, Senioren- und Familienarbeit verstärkt. Auch Taizé-Abende gab es fortan. Wert wird nach wie vor auf die Zusammenarbeit mit der protestantischen und katholischen Kirchengemeinde gelegt. Es gibt ökumenische Bibelwochen und Arbeitskreis und gemeinsame Gottesdiensten, etwa beim Schulanfang. Weitergeführt wurde und wird dies alles von Pastor Andreas Denkmann, der bis 2020 die methodistischen Gemeinden von Kandel, Speyer und Neustadt betreute, dann aber wegen Krankheit von Pastor Joachim Schumann abgelöst wurde. Beide sind, wie Denkmann sich gegenüber der RHEINPFALZ ausdrückt, „Pastoren deren Herzen für eine gabenorientierte Gemeindearbeit sowie für die Zusammenarbeit aller christlichen Konfessionen schlagen“. Am Sonntag feierte die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde mit einem Jubiläumsgottesdienst mit Bischöfin i.R. Rosemarie Wenner ihr 100-jähriges Bestehen.

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