Kreis Germersheim Über 50 Jahre im Bankwesen

91-95435576.jpg

Kandel. Die Sparkasse Germersheim-Kandel wird ärmer, nicht im finanziellen Sinne, sondern im personalen Bereich: Hermann Eichmann, der seit 1970 dem Betrieb angehörte, trat am 10. März nach über 50 Berufsjahren, 47 allein bei der Sparkasse Germersheim-Kandel, in den Ruhestand. Hermann Eichmann erlebte in seiner beruflichen Laufbahn sämtliche Bereiche und Umstrukturierungen des Finanzgeschäfts der Sparkasse.

Eichmann wurde 1950 in Kapsweyer geboren. Er besuchte die Volksschule und darauffolgend die Handelsschule. Im Anschluss habe er verschiedene Möglichkeiten abgewogen und sich schließlich bei der Sparkasse Bad Bergzabern und dem Finanzamt beworben. „Die Sparkassen damals waren noch kleine Betriebe, das darf man sich nicht wie heute vorstellen“, erinnert er sich. Mit dreizehn Mitbewerbern war die Konkurrenz für damalige Verhältnisse groß. Bei der Sparkasse musste Eichmann eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Schließlich erhielt er die Zusage für eine Ausbildung als Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Bad Bergzabern, welche er im April 1966 begann und dank seiner kaufmännischen Vorkenntnisse schon nach zweieinhalb Jahren beenden konnte. Eichmann erlebte den Übergang von der Sechs auf die Fünf-Tage-Woche und erinnert sich schmunzelnd daran, wie lang ihm plötzlich das Wochenende vorkam. Nach seiner Ausbildung wechselte er zur Kreissparkasse Kandel. Nur kurze Zeit später wurde er in den damals noch 18 Monate dauernden Wehrdienst eingezogen. Während dieser Zeit bewarb er sich bei der Sparkassenakademie in Mainz auf den Sparkassenfachlehrgang, welcher ihn nach dem Wehrdienst erst mal für einige Zeit in die Landeshauptstadt brachte. Mit dem Betriebswirt in der Tasche, kehrte er nach Kandel zurück. Hier erlebte er 1978 die Fusion der KSK Kandel mit der KSK Germersheim und war fortan Angestellter bei der Sparkasse Germersheim-Kandel. Im Verlaufe seiner beruflichen Karriere habe er als Sachbearbeiter alle Tätigkeiten im Kreditbereich durchlaufen. Hier erlebte er den umfangreichen Wandel, durch den technischen Fortschritt. So arbeitete er in den Anfängen der elektronischen Datenverarbeitung noch mit Lochkarten, schrieb an Schreibmaschinen, zunächst mechanisch, später elektronisch, bis schließlich der erste PC ins Büro und auch in den privaten Haushalt fand. Den technischen Fortschritt nahm er als immer schneller werdend wahr und konnte sich glücklich schätzen, in diesem Bereich nie Berührungsängste gehabt zu haben. Im Jahre 1996 wurde er Abteilungsleiter des Kreditsekretariats. Einschneidend für die ganze Branche war die Umstellung auf den Euro 2001, die sich „wesentlich besser gestaltete als zunächst angenommen.“ Sein Steckenpferd waren seit je her sämtliche rechtlichen Aspekte der Kreditgebung. Hier entwickelte er ein feines Gespür und eine schnelle Auffassungsgabe, welche er durch regelmäßige Fortbildungen zu schulen wusste. Dieses Wissen gab er wiederum in Schulungen an seine Mitarbeiter weiter. Der Beruf sei umfassender geworden, die Bereiche spezialisierter. Die Sparkasse beschäftigt somit heute auch Juristen, Bauingenieure und Betriebswirte. „Lediglich das Kerngeschäft, der Kunde, ist gleich geblieben“, so Eichmann. Das einzige Bedauern, was man aus seinen Erzählungen heraushört, gilt der Gleichförmigkeit der Bewerber im Bankkaufmannsberuf, die sich durch die strengeren Auswahlprozesse ergebe. „Früher hat die Persönlichkeit mehr gezählt. Man durfte sich noch entwickeln. Heute hat man ohne gute Noten fast keine Chance mehr.“ Seine Berufswahl sei glücklich verlaufen. Bis zuletzt ging er gerne zur Arbeit. „Sonst wäre ich kaum so lange geblieben“, erklärt der bald 67-Jährige und lacht. Das spreche er auch dem besonders guten Betriebsklima in der Sparkasse Germersheim-Kandel zu. Sein Beruf hat ihn gelehrt, positiv an die Dinge zu gehen und dennoch realistisch zu bleiben. Bis zum Schluss unternahm er in jeder Mittagspause lange Spaziergänge. Den Ruhestand möchte er nutzen, um seine beiden erwachsenen Kinder häufiger zu besuchen, die in München und Frankfurt leben. Ebenso freut er sich darauf mit seiner Frau gemeinsam den großen Garten zu gestalten, Fahrradtouren und noch einige Reisen zu unternehmen. Obwohl lange geplant, hatte er vor dem endgültigen Abschied ein „mulmiges Gefühl“. Dennoch weiß Eichmann sicher, „man muss loslassen können.“ |nbs

x