Kreis Germersheim Über 2000 Paar Handschuhe aus Lkw-Werk gestohlen

„Wir gucken immer mal, was im Umkreis so verkauft wird“ – so wurde der Werkschutz auf einen Mitarbeiter des Daimler-Werkes Wörth aufmerksam, der die Firma bestahl.
Wegen Diebstahls in 10 Fällen, Betruges in 99 Fällen sowie gewerbsmäßigen Betruges verurteilte das Amtsgericht einen 40-jährigen Ingenieur aus dem Kreis Südliche Weinstraße jetzt zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung. Als Auflage muss er 400 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die familiäre Situation und die Arbeitsbedingungen seien der Hintergrund für seine Taten, gab der Angeklagte an. Er lebt getrennt von seiner Ehefrau. Ein Sohn ist bei ihm, der andere Sohn lebt bei der Mutter, sodass sich Unterhaltszahlungen aufheben. Doch nun stünde die Scheidung bevor. Frust hatte er außerdem wegen der Arbeitsbedingungen. Er finde sie „nicht attraktiv“. Mehrere Mobbingfälle seien ihm bekannt. Springer, die an mehreren Arbeitsplätzen eingesetzt werden könnten, bekämen dies nicht vergütet. Mit dem Griff nach dem Firmeneigentum wollte er sich Geld für die Scheidung ansparen. Das Klauen selbst fiel nicht schwer, er musste nur in große Container greifen, in denen Massenteile bereit liegen. Wie zum Beispiel Arbeitshandschuhe, Temperaturfühler, Rücklaufventile oder Tragfahrleuchten. Das geschah immer wieder zwischen Januar 2012 und dem 3. Februar 2014. An welchem Tag er was mitgenommen hatte, das wusste der 40-Jährige nicht mehr genau. „Manchmal zweimal die Woche“, schätzte er. Grundsätzlich vertraue das Unternehmen den Mitarbeitern betonte der Leiter des Werkschutzes als Zeuge. Doch Kontrolle gehöre auch dazu. Zum Beispiel bei eBay nach Angeboten und Verkäufern schauen. Den Diebstahl der Handschuhe und anderer Kleinteile bezeichnete der Zeuge als „größeren Fall“. Stutzig geworden war der Werkschutz bei Arbeitshandschuhen, die es nicht im Handel sondern nur für die Industrie gibt. Ein Testkauf führte schnell zu dem Mitarbeiter. In der Wohnung wurde Diebesgut sichergestellt. Etwa die Hälfte der 2202 Paar geklauten Arbeitshandschuhe waren schon verkauft. Der Gesamtwert der gestohlenen Waren wurde auf 4700 Euro geschätzt. Die Käufer hätten keinen Schaden, stellte der Amtsrichter klar. Das Unternehmen halte sich an dem Angeklagten schadlos. Sein Festvertrag wurde fristlos gekündigt, eine Gewinnbeteiligung vorläufig eingefroren. Bisher hat er keine neue Arbeit gefunden. (mlhd)