Kreis Germersheim
Ärztliche Versorgung: So ist die Situation über die Feiertage
Die Bereitschaftsdienstzentrale in der Kandeler Klinik und die Notaufnahme: Räumlich arbeitet man nahe beieinander, aber deshalb noch lange nicht miteinander. Deshalb wurden die neuen, verkürzten Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxen auch nicht mit denen abgesprochen, die nun mehr Andrang befürchten. „Das wird als Mitteilung kommuniziert, ansonsten erst einmal nicht“, sagt Chefarzt Manuel Lingner von der Zentralen Notaufnahme in der Kandeler Asklepiosklinik.
Seine Einschätzung: Die Tatsache, dass ab dem kommenden Jahr die Bereitschaftspraxen zum Beispiel nicht mehr nachts geöffnet haben, wird Notaufnahmen vor zunehmende Probleme stellen. Schon jetzt müsse man viele Patienten behandeln, die keine Notfälle seien. Der Facharzttermin sei oft erst in drei Monaten, aber in der Zwischenzeit werde die Erkrankung akut oder es träten Schmerzen auf. Beides natürlich außerhalb der Öffnungszeiten von Hausärzten oder der Bereitschaftspraxis. Dazu kämen noch andere akute Beschwerden, die eigentlich nicht notfallmäßig zu behandeln wären. „Viele stellen sich aus Hilflosigkeit vor.“
Rettungsdienst alleine bringt Tausende Patienten
Dieses Jahr seien über 6000 Patienten allein durch den Rettungsdienst in die Kandeler Notaufnahme gekommen. In der Summe würden dort im Jahr 15.000 Patienten behandelt, Tendenz steigend. Mit Herzkatheterlabor, Stroke-Unit und Traumazentrum würde die Kandeler Klinik schließlich auch gezielt vom Rettungsdienst angefahren.
Was viele nicht wüssten: Als Zentrale Notaufnahme hat diese Abteilung der Klinik keine Kassenzulassung. Das bedeutet praktisch, „keine Krankschreibung, keine Rezepte“, sagt Chefarzt Lingner. Wir können nur notfallmäßig Medikamente verschreiben, das müssen wir dann wieder vor der Kassenärztlichen Vereinigung rechtfertigen. Viele Patienten kommen „mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit“, umschreibt der Mediziner. „Das ist ja kein Notfall.“
Über die Pflegekräfte werde triagiert, die Patienten also nach Dringlichkeit sortiert und in den Akten mit entsprechenden Farben - blau, grün, orange, gelb – versehen. Dabei geht es um die Frage, wie lange ein Problem schon besteht, wie stark die Schmerzen sind oder wie die Vitalwerte aussehen. Orange bedeutet zum Beispiel, dass der Patient innerhalb der nächsten zehn Minuten Kontakt mit einem Arzt haben muss, gelb bedeutet, dass für den Kontakt 30 Minuten Zeit sind. Diese Vorgaben bekäme die Notaufnahme auch in 100 Prozent der Fälle hin, sagt Lingner. Betroffen hiervon seien Patienten mit akuten Schlaganfällen, Herzinfarkten oder einem schweren Trauma mit lebensbedrohlicher Verletzung nach einer Wiederbelebung.
Mediziner bittet um Verständnis
Doch inzwischen landen auch Bagatellen in der Notaufnahme, wie der seit drei Tagen gequetschte Finger, der genau jetzt weh tut. „Wir versuchen alle zu behandeln, aber das ist mit Wartezeit verbunden“, sagt Lingner. Doch nicht jeder Patient habe dafür Verständnis. „Dann wird es irgendwann auch auf unserer Seite emotional.“
Wann nach der Einschränkung der Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienstzentrale der Andrang kommen wird, könne man nicht genau sagen. Durch die Kassenärztliche Vereinigung werden Patienten verstärkt an die 116117 verwiesen. Wenn man diese Nummer wähle, sei es jedoch eine Kunst, jemanden zeitnah ans Telefon zu bekommen, sagt der Mediziner Lingner. Viele Fälle würden nicht mehr über einen Fahrdienst versorgt, sondern direkt an den Rettungsdienst verwiesen.
Immerhin ein glücklicher Zufall: Über die Feiertage habe man den Notarztdienst im DRK-Wagen komplett mit Ärzten aus der Klinik besetzt. In der einsatzfreien Zeit könnten diese Mediziner dann in der Zentralen Notaufnahme aushelfen. „Ein günstiger Umstand, der sich zufällig ergeben hat. Wir hoffen nicht darauf zurückgreifen zu müssen.“
Über die Feiertage länger geöffnet
Zum 1. Januar 2024 werden die Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienstzentralen also eingeschränkt. Doch zum Jahresende hat auch die Praxis in Kandel mit Blick auf die Erfahrungen aus den Vorjahren länger geöffnet. „Viele Arztpraxen nutzen die Zeit zwischen den Jahren, um Urlaub zu machen. Daher ist in dieser Zeit mit einem erhöhten Aufkommen im Ärztlichen Bereitschaftsdienst zu rechnen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz.
So hat die Bereitschaftspraxis in Kandel in den kommenden Tagen geöffnet:
Samstag, 23. Dezember bis einschließlich Dienstag, 26. Dezember: 9 bis 23 Uhr,
Mittwoch, 27. Dezember: 14 bis 23 Uhr
Donnerstag, 28. Dezember: 19 bis 23 Uhr
Freitag, 29. Dezember: 16 bis 23 Uhr
Samstag, 30. Dezember/ Sonntag, 31. Dezember: 9 bis 23 Uhr.
Ab dem 1. Januar 2024 wird das Angebot jedoch deutlich eingeschränkt. Dann hat die Bereitschaftspraxis in Kandel nur noch am Mittwoch von 14 bis 22 Uhr, am Freitag von 16 bis 22 Uhr und am Samstag, Sonntag, Feiertagen und Brückentagen von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Die Kassenärztliche Vereinigung rät, zunächst bei der 116117 anzurufen. Der Patientenservice ist sieben Tage in der Woche rund um die Uhr erreichbar – wie Auswertungen zeigen, generell am besten in der Zeit bis 8 Uhr und wieder ab 14 Uhr, heißt es in einer Pressemitteilung.