Herxheim am Berg RHEINPFALZ Plus Artikel „Zwockelstammtisch“: Ganz viel Bayern in der Pfalz

Thomas Griesbeck (vorne, mit Brezeln) hat mit seiner Stammtisch-Idee einen Volltreffer gelandet.
Thomas Griesbeck (vorne, mit Brezeln) hat mit seiner Stammtisch-Idee einen Volltreffer gelandet.

Da bahnt sich etwas Originelles an: In Herxheim am Berg hat sich am Samstag der „Zwockelstammtisch“ zum ersten Mal getroffen. Das Interesse an der Gruppe war groß. Längst verlorene Verbindungen sind wieder aufgetaucht.

Der Ort des Treffens in der Speyerer Straße war nicht zu verfehlen: Eine Flagge mit weiß-blauem Rautenmuster verriet unmissverständlich, dass man das richtige Haus ansteuerte. Dort angekommen erwartete die Zwockelstammtischler eine urige, gemütliche Stube im bajuwarischen Stil. Bilder aller bayerischen Könige hingen an der Wand, steinerne Bierkrüge zeugten vom speziellen Lebensstil des südlichsten Bundeslandes, und Vereinsschal sowie Wimpel des TSV 1860 München verrieten die Leidensfähigkeit des Hausherrn. Schließlich zierte noch ein Bild an der Wand mit einer alten Landkarte, die Bayern und die Pfalz noch vereint zeigt. Dezente Blasmusik lief im Hintergrund.

Thomas Griesbeck hatte zu dem Stammtisch in seinem Wohnhaus eingeladen. Zielgruppe: Menschen, die in der Pfalz leben, aber bayerische Wurzeln haben, oder Pfälzer, die eine spezielle Affinität zu Bayern haben. Alle Teilnehmer hatten von dem Stammtisch über einen Aufruf in der RHEINPFALZ erfahren.

Pfalzbeauftragter in bayerischer Staatskanzlei

„Was viele Menschen nicht wissen: Es bestehen durchaus noch enge Verbindungen von Bayern in die Pfalz“, erklärte Nicolas Meyer. „So gibt es in der Bayerischen Staatskanzlei noch heute einen Pfalzbeauftragten“, berichtete der gebürtige Münchener, der in Frankenthal wohnt. Und hochbegabte Pfälzer Abiturienten, solche „aus linksrheinischem Gebiet“, genießen noch immer das Privileg, im Maximilianeum des bayrischen Landtags zu studieren und zu wohnen. „Nicht zuletzt gibt es in der Münchner Residenz noch immer eine Pfälzer Weinstube“, so der Jurist, dessen Frau aus Frankenthal stammt und der vor drei Jahren vom Bayrischen Staatsdienst zum Polizeipräsidium nach Mannheim gewechselt ist. Inzwischen sind auch Meyers Eltern von München nach Frankenthal gezogen. „Den Schritt haben wir aus familiären Gründen vollzogen, wir wollen nahe bei den Kindern und Enkeln sein“, erzählte Vater Stefan Brantl. Keine ganz einfache Entscheidung, aber: „Meine Frau ist in Frankenthal groß geworden und hat sich schnell wieder eingewöhnt“. Und dann berichtete Stefan Brantl noch Kurioses: „Meine Eltern stammten aus dem 2000-Seelen-Ort Falkenstein aus der Oberpfalz und sie sind einst nach München gezogen. Und jetzt hat sich herausgestellt, dass mein Großvater in Falkenstein der Lehrer von Thomas Griesbecks Vater war, der ebenfalls aus dieser Gemeinde kommt.“

Kontakt zur alten Heimat nie verloren

Ein schöner Zufall, dass beide Familien über den neuen „Zwockelstammtisch nun wieder zusammengekommen sind, fand der 74-jährige Hermann Griesbeck. „Natürlich kann ich mich noch an den Lehrer erinnern“, schmunzelte er. „Ich bin aber schon mit 14 Jahren nach der Schule aus Falkenstein weggezogen und nach Ludwigshafen zur BASF gegangen.“ Den Kontakt zur alten Heimat hat Hermann Griesbeck aber nie verloren, hat dort noch Verwandte und seinen Sohn Thomas schon oft nach Falkenstein mitgenommen.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern ist auch der Grund, warum Christian Reber in der Pfalz landete: „Ich bin die ersten sieben Lebensjahre in Cham in der Oberpfalz aufgewachsen“, berichtete er. „Dann hat mein Vater bei der BASF eine Arbeitsstelle gefunden und wir sind nach Bobenheim-Roxheim gezogen, wo wir heute noch leben. Wir fahren noch regelmäßig nach Cham und ich verbringe mit meiner Familie oft den Urlaub im Bayerischen Wald.“ Ebenfalls aus der Oberpfalz stammt Helga Rasp, und zwar aus Weiden. Und auch bei ihr gab die „Anilin“ den Ausschlag, dass sie in die Pfalz übersiedelte: „Mein Mann hat 1977 einen Job in der BASF gekriegt.“ Und ihre Tochter habe sie ermutigt, den Zwockelstammtisch zu besuchen, erzählte die gelernte Bankkauffrau, die sich für das nächste Treffen ein Dirndl kaufen will.

Die andere Richtung hat Matthias Nägele eingeschlagen. Der Freinsheimer hat mit Freunden in Rosenheim Holztechnik studiert und dort oft in fröhlicher Runde gefeiert. Auch die Pfälzer Markus Spuck aus Gerolsheim und Klaus Gass aus Herxheim am Berg zieht es regelmäßig nach Bayern. „Wir fahren seit Jahren regelmäßig nach München zum Oktoberfest“, verriet Markus Spuck. Klaus Gass verbringt seinen Urlaub gerne in der Oberpfalz. „Ich hoffe, dass dieser Tag heute keine einmalige Angelegenheit bleibt“, sagte Thomas Griesbeck. Denkbar seien etwa ein monatlicher Stammtisch oder gemeinsame Wanderungen.

Kontakt

E-Mail: Zwockelstammtisch@gmx.de oder Telefon: 0176 24222756 (Thomas Griesbeck)

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