hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Wir haben – endlich wieder – die Haare schön

Friseurtermin unter Corona-Bedingungen: Sabrina Ohlinger mit Kundin Ulrike Baumann.
Friseurtermin unter Corona-Bedingungen: Sabrina Ohlinger mit Kundin Ulrike Baumann.

Es darf wieder geschnitten und gefärbt werden. Die unfreiwillig friseurfreie Zeit ist vorbei. Entsprechend groß ist der Andrang, aber auch der Aufwand, den die Salons jetzt betreiben müssen. So auch das zehnköpfige Team von „Haar Treff Family&Kids“ in Haßloch am Montagmorgen.

Endlich. Die Haare, ob zu lang, widerspenstig oder verblasst, sollen schnell getrimmt werden. Als hätte es die vergangenen sechs Wochen, die sich für die meisten wie Monate angefühlt haben dürften, nicht gegeben. Zumindest das Desaster auf dem Kopf darf seit Montag wieder zum Friseur. Gesichtsbehandlungen an Bart, Augenbrauen oder Wimpern sehen die gelockerten, aber immer noch strengen Corona-Regeln noch nicht vor.

Aber sei’s drum. Schon eine Dreiviertelstunde vor der Öffnung um 9 Uhr sind Wiedersehens-Freudenschreie aus dem Hinterhof von „Haar Treff Family&Kids“ in der Langgasse in Haßloch zu hören. Sieben Frauen und Männer warten verfrüht auf Einlass. Das traditionelle Phänomen „Schlangestehen“ ist jedoch verboten: Die Kunden müssen sich schon vor der Tür gut „verteilen“ und dabei den Mindestabstand von anderthalb Metern einhalten. Sogar die schwarzen Ledersessel aus dem Salon sind, mit viel Platz dazwischen, unterm Vordach als Außenwartebereich angeordnet. Fast wie eine hippe „Lounge“, wäre da nicht der ernste Corona-Hintergrund. Und wie vor einer angesagten Disco geben vier Friseurinnen gezwungenermaßen die pflichtbewussten „Türsteherinnen“ mit Desinfektionsmittelspender und Einweg-Frisierumhängen.

Wer schön sein will, muss Maske tragen

Trotz der Stoffmasken erkennen sich die Stammkunden und das zehnköpfige Friseurteam natürlich trotzdem sofort wieder. Auf eine innige Begrüßung in Form von Umarmungen müssen alle jedoch verzichten. Dennoch ist die Stimmung super: „Glei geht’s los, dann derfe mer nochenanner noi“, freut sich ein junger Mann mit ehemaliger Kurzhaarfrisur.

Auch im Salon mit etwa 200 Quadratmetern Fläche herrscht Aufregung. So manche Friseurin „kämpft“ noch mit ihrer Maske, aber Scheren und Schneidegeräte sind bereit. Die Inhaberinnen Sabrina Ohlinger und Tanja Mohr bereiten sich auf einen Ansturm vor – und versuchen, das Telefon zu bändigen. Es klingelt dauernd: „Ja, ab heute wieder offen. Nein, keine festen Termine. Bitte Maske und viel Zeit mitbringen!“

Dann ist es soweit. Die ersten Kunden müssen sich die Hände waschen und desinfizieren, den Einmalumhang umlegen und ihre Kontaktdaten nennen. Staunen bei den Stammkunden: Das Spielzimmer ist nun Aufbewahrungsort für die Kaffeemaschine und überschüssige Sitze. Trennstangen wie in einer Kino-Warteschlange und weiß-rotes Absperrklebeband grenzen die Waschplätze und die sechs Frisierplätze voneinander ab. „Der siebte wäre zu eng an den anderen gewesen“, sagt Inhaberin Tanja Mohr. Dort steht nun eine „Desinfektionsbar“ für die Kasse. Ein Kescher mit Stiel wird später über den Tresen gereicht. Der passende Zahlbetrag oder Rückgeld gehen ins Netz: Den Kunden ist heute alles recht.

Wie lange ist der letzte Besuch eigentlich her? Chefin Sabrina Ohlinger kann es natürlich am rausgewachsenen Ansatz leicht erkennen. Kundin Ulrike Baumann sagt lachend: „Ach du lieber Gott. Ewig her ist das!“ Am Montag hat sich die 50-jährige kaufmännische Angestellte extra freigenommen, um eine der Ersten zu sein. Also verschwendet auch Sabrina Ohlinger keine Zeit und mischt die schokobraune Farbe an, die der Kundin so gut steht. Was aber, wenn trotz aller Sorgfalt was ans Gummiband der Stoffmaske käme? Die Kundin lacht: „Ich hab’ nur eine, die ich immer wasche. Aber das ist mir so egal.“ Oder, auf gut Pälzisch: „Hauptsach', die Hoor sinn widder schää!“

Nur Kinder unter sieben Jahre dürfen noch nicht wieder in den Salon. Das gehört zu den Regeln, die das Team zuvor schon über die sozialen Medien mitgeteilt hat: „Der Waschplatz ist für sie zu hoch, es tut uns leid“, wirbt Mohr um Verständnis. Doch die Haarwäsche ist Pflicht. Das kostet viel Wasser und unlängst teurer gewordenes Shampoo. Natürlich müssen die Kunden das auch zahlen. Vor lauter Freude über die Wiedereröffnung gibt es aber null Protest. Eine Seniorin ohne Maske bittet indessen um Einlass und verspricht, sich ein Tuch vors Gesicht zu halten. Doch leider hat sie so keine Chance: „Das wird streng kontrolliert und ist zum Schutz“, erklärt man ihr.

Kammtricks am Maskengummi

Ohlinger und Mohr müssen, genau wie ihr Team, Frisuren auch mit Handschuhen perfekt hinbekommen und Maskengummis geschickt per Kamm hinterm Ohr wegziehen, wenn es an die Konturen geht. Natürlich darf auch die Schere kein Unheil an der Kundenmaske anrichten. „Allein die ganze Ausrüstung zu bekommen, war weder einfach noch günstig“, erzählt Ohlinger. Die Coronahilfe sei „schnell gewesen, aber letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Da habe sich die zehnjährige Erfahrung als Saloninhaber gelohnt: „Unsere Mädels haben ihr Gehalt weiter bekommen, darauf sind wir stolz. Jetzt arbeiten wir die nächsten zwei Monate auch montags, um alle Kunden gut bedienen zu können.“

Wieder ruft jemand – trotz der ausgeschilderten „Umleitung“ über den Hof – an der Eingangstür, die beim „Coronaumbau“ der Ausgang ist. „Außenrum gehen, der Eingang ist jetzt hinten“, antworten nun sogar schon die Kunden unter ihren Masken.

„Ich habe allergrößten Respekt vor der Leistung. Was so alles geregelt werden muss, um wieder aufhaben zu dürfen“, betont Kundin Ulrike Baumann. Inzwischen wirkt ihre „Schokofarbe“ ein, sie liest ein Buch auf der Smartphone-App, denn Zeitschriften sind tabu. Auch auf das „Käffchen“ verzichtet sie für schöne Haare gern.

Sperrgebiet: Tanja Mohr an den Waschplätzen.
Sperrgebiet: Tanja Mohr an den Waschplätzen.
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