Kreis Bad Dürkheim
Wie Pizzaboten und Lieferdienste mit der Corona-Krise umgehen
„Es ist schon ein bisschen komisch, aber das Geschäft ist tatsächlich schlechter geworden“, erklärt Jihad Aissa, Spitzname Johnny. Der Inhaber des La Casetta in Wachenheim hatte in Folge der Ausgangsbeschränkungen eigentlich mit einem kleinen Aufschwung für den Lieferdienst seines Lokals gerechnet. „Aber die Leute haben wohl so viele Lebensmittel gekauft, dass sie die jetzt erst mal essen müssen“, vermutet der 26-Jährige.
Außerdem müssten sich seine Kunden keine Sorgen machen, da bei der Lieferung der bestellten Speisen alle Sicherheitsvorschriften beachtet würden. „Die Fahrer tragen Handschuhe und Masken und wechseln die Handschuhe nach jeder Lieferung“, erklärt Aissa. Die Kunden, die seine Dienste auch in der Krise noch annehmen, bezahlen ihm zufolge online. Der Fahrer stellt die Speisen dann vor die Haustür ab. Ein direkter Kontakt findet zum beiderseitigen Schutz nicht statt. Obwohl er gegenüber reinen Gaststätten den Vorteil hat, dass er nicht komplett den Betrieb einstellen musste – Lieferservice sei Dank –, sei die wirtschaftliche Lage auch für ihn schwierig. „Mein Personal und die Fixkosten muss ich ja weiter zahlen“, hebt „Johnny“ hervor. Deshalb habe er mit seinem Steuerberater auch schon über die angekündigten Soforthilfen geredet. „Es würde natürlich helfen, wenn die Leute wieder mehr bestellen“, erklärt er.
„Nur vom Lieferservice kannst Du nicht leben“
„Wir haben wie die anderen große Probleme“, schildert die Inhaberin des Da Robertino in Bad Dürkheim, Odet Marino, die Situation. Ihr Restaurant bietet 120 Gästen Platz, doch bewirten darf sie hier derzeit niemanden. Noch bis mindestens 19. April nicht. „Und vom Lieferservice allein kannst Du nicht leben“, sagt Marino. Kurzarbeit hat sie bereits beantragt, Kredite möchte sie möglichst nicht aufnehmen. „Denn die muss man ja irgendwann zurückzahlen.“ Entsprechend mache die Krise ihrem Mann und ihr zu schaffen. „Wir wollen eigentlich positiv denken, aber wegen der Krise schlafen wir nachts nicht“, verrät die Restaurantbesitzerin. Doch vieles mache ihr auch wieder Mut. „Unser Vermieter hat ein großes Herz und besteht nicht auf den Mietzahlungen. Und unsere Mitarbeiter arbeiten momentan ohne Bezahlung. Die kommen freiwillig, weil sie helfen wollen“, schwärmt sie.
„Es ist weniger geworden, ja. Aber ich werde nicht zumachen. Ich brauche die Einnahmen, und da ist ein bisschen immer noch besser als nichts“, gibt sich der Betreiber des Güney in der Weinstraße Süd in Bad Dürkheim, Yilman Goesmen, notgedrungen kämpferisch. Masken können seine Fahrer zwar nicht tragen, „weil es nirgends mehr welche gibt“. Aber sie tragen Handschuhe und achten beim Ausliefern der Speisen auf den nötigen Abstand. Die Kunden können das Geld vor die Haustür legen. Der Fahrer kann es an sich nehmen und das Essen dort abstellen.
Fahrer tragen Handschuhe und halten Abstand
Deutlich zurückgegangen ist das Geschäft auch im Pedro in Bad Dürkheim. „Im Vergleich mit vielen Kollegen möchte ich mich aber nicht beklagen. Wir können überleben“, sagt Inhaber Guiseppe Sanfilippo. Bestellen sonst mehr Kunden ihr Essen zu sich nach Hause oder zum Abholen, ist die Nachfrage bei beiden Angeboten gesunken. „Die Leute haben einfach Angst“, ist er sicher. Dabei tragen seine Fahrer zum Beispiel Handschuhe und haben vom Chef die Abweisung, Abstand zu halten. Staatliche Hilfen möchte Sanfilippo möglichst nicht in Anspruch nehmen. „Wir wollen versuchen, die Krise aus eigener Kraft zu überstehen“, erklärt er.
„Das ist für uns alle eine Katastrophe“, sagt Natale Carone, Inhaber des Don Camillo in Friedelsheim. Die 20 Plätzen seines Restaurants müssen wie überall leer bleiben. „Mit einem Lieferservice kann er nicht dienen: „Wir haben niemanden, der das macht“. Doch Essen bestellen und abholen, das können die Kunden nach wie vor. „Von der Möglichkeit machen leider nur sehr wenige Gebrauch“, bedauert Carone. Doch auch für ihn gibt es Zeichen der Hoffnung: „Kunden haben uns Desinfektionsmittel und Schutzmasken mitgebracht, die für die nächsten vier bis fünf Wochen reichen“, erzählt Carone stolz und fügt hinzu: „Wir versuchen alles, um uns über Wasser zu halten.“
Abbas Namatullah bietet im „Freinsheimer Döner“ in der Haydnstraße zwar keinen Liefer-, dafür aber jetzt einen Abholservice an. „Es kommen 70 Prozent weniger Kunden als früher“, erzählt er. Wie lange er unter diesen Umständen überhaupt noch weiterarbeiten wollen, wisse er noch nicht.