Kreis Bad Duerkheim Wes Geistes Kind sind wir?

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Ein Riss – so scheint es – durchquert gerade unser Land und ganz Europa. Auf der einen Seite stehen die unverdrossenen Befürworter eines friedlichen und geeinten Europas. Auf der anderen Seite melden sich wiederum diejenigen lautstark zu Wort, welche in der europäischen Idee keine Zukunft (mehr) sehen. Dabei fällt es schwer, die vielfältigen Gründe für diese Entwicklung zu durchschauen und zu verstehen. Inmitten dieser Zerrissenheit befinden sich nun ausgerechnet die Menschen, welche aus purer Not heraus bei uns Schutz vor Krieg und Terror suchen. Menschen, die alles verloren haben und sich nach einer Zukunft in Frieden sehnen. Die Geschichte unseres eigenen Landes sollte uns dabei zu Achtung und Respekt mahnen. Als im März vor 27 Jahren die erste und einzige freie Wahl zur Volkskammer der DDR stattfand, herrschte vielerorts eine Aufbruchsstimmung. Mit dem eindringlichen Ruf „Wir sind das Volk“, der sich an die einstigen Oberen der SED-Diktatur richtete, sind die Menschen damals „für die Freiheit, geistige Offenheit und offene Grenzen“ auf die Straße gegangen, so der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer. Dieser Ruf stemmte sich, anders als heute zunehmend zu hören ist, genau gegen jede Form von Ausgrenzung und Fremdenhass. Zudem galt es später nach der friedlich vollzogenen deutsch-deutschen Wiedervereinigung die Werte eines freien und geeinten Europas auszubauen und zu schützen. Zu diesen gehören bis heute die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Ebenso soll sich die Gesellschaft in den Mitgliedstaaten durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnen. Grundlegendes Ziel der Europäischen Union ist dabei, den Frieden, ihre Werte und das Wohlergehen ihrer Völker zu fördern. Gewiss haben wir nicht alles in der Hand, was aktuell auf der europäischen Politbühne geschieht. Dennoch liegt es an uns, wem wir in diesen Tagen unser Vertrauen schenken. An unserem Reden und Tun lässt sich messen, wie wir die fundamentalen Errungenschaften der europäischen Gründungsväter bewahren wollen. Wer sich in seinem Handeln auf das Christsein beruft, sollte jedoch diese Zeilen eines neuen geistlichen Liedes stets im Ohr behalten: „Wes Geistes Kind seid ihr, sind eure Aktionen, eure Taten? Es wird sich zeigen, ihr könnt es nicht vertuschen, ob ihr vom Brote Jesu genährt seid.“ —Michael Kolar (43) ist Gemeindereferent in der Pfarrei Heilige Theresia vom Kinde Jesus.

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