Kreis Bad Duerkheim Werkzeugkoffer für alle
Kaufen und besitzen müssen – das war gestern, mieten und nutzen können – das ist heute. Zumal es preiswerter, platzsparender und umweltfreundlicher ist. Zu diesem Zeitgeist passt die Geschäftsidee von Reiner Gradwohl, der um die Jahrtausendwende ein Konzept aus Hard- und Software für das Rund-um-die-Uhr-Verleihen von Profiwerkzeugen und Maschinen entwickelt hat. Seit Kurzem steht in der Grünstadter Industriestraße die erste Mietbox für Privatkunden.
Eine zweite ist in Mülheim-Kärlich eröffnet worden, und eine dritte geht in der zweiten Novemberwoche in Aschaffenburg in Betrieb. Für jeden Container muss der Unternehmer rund 50.000 Euro investieren. „Mein Ziel ist es, in den nächsten zehn Jahren bundesweit ein Netz aus rund 500 Boxen aufzubauen, sodass man ein Gerät in Hamburg leihen und in München zurückbringen kann“, so der Landmaschinenmechanikermeister, der sich seine Innovation vor 15 Jahren patentieren ließ. „Bislang hat sie noch kein Nachahmer in Deutschland gefunden“, berichtet Gradwohl. Dabei ist der Einfall des Wahl-Kirchheimers schon genial. Per EC-Karte verschafft sich „Otto Normalverbraucher“ Zugang in die wenige Quadratmeter große, videoüberwachte Servicestation, die vollgepackt ist mit Regalen und Schließfächern. Ein Computer mit weiblicher Stimme begrüßt den Kunden: „Herzlich willkommen.“ Die Worte erscheinen auch auf dem Touchscreen, über den das System bedient wird. Nach der Zustimmung zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden über EC-Karte und Geheimnummer 200 Euro als Kaution reserviert. Bei bekannten Handwerkern, die mit einem Transponder in die Mietbox gelangen, wird auf die Sicherungsleistung verzichtet. „Ihnen wird ja eine Rechnung gestellt“, so Gradwohl. Anschließend gibt man die Nummer des Faches ein, in dem sich das gewünschte Werkzeug befindet. Rund 50 sind im Angebot, vom Akkuschrauber über den Meißelhammer bis zum Schwingschleifer. Verbrauchsmaterialien wie Sägeblätter lassen sich in gleicher Weise dazu kaufen. In Sekundenschnelle wird der betreffende Lagerbereich automatisch entriegelt, sodass das Gerät entnommen werden kann. Gleichzeitig verschwindet es auf der Homepage aus der Liste der verfügbaren Werkzeuge, der Vermieter erhält online eine Buchungsbestätigung und der Kunde den parallel ausgedruckten Beleg für den Mietvorgang. „Auf diesem Vertrag ist auch ein QR-Code der Bedienungsanleitung abgebildet, die aber noch einmal in Papierform im Koffer der Maschine liegt“, sagt Sohn Jan Gradwohl. Bei der Rückgabe werde das Leihgerät elektronisch gegen sofortige Wiederentnahme verriegelt, und der Kunde bekomme einen Beleg, erläutert der 26-Jährige das Prozedere. Der Vermieter wird online über den Vorgang informiert und kann das Werkzeug nach der Kontrolle auf Funktionstüchtigkeit wieder freischalten. Im Jahr 2000 hatte Reiner Gradwohl, der lange im Vermietungsgeschäft bei Liebherr in Kirchdorf und Ludwigshafen-Ruchheim tätig war, in Osthofen die Gradwohl GmbH gegründet. Dreieinhalb Jahre später richtete er eine Mietstation für Handwerksbetriebe ein. Dann konzentrierte sich der heute 54-Jährige darauf, seine Container bei Industrieunternehmen und auf Großbaustellen zu installieren, womit er schon Erfahrung hatte. So standen die Boxen unter anderem beim Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, bei der BASF in Ludwigshafen oder bei Daimler in Rastatt. Nach wie vor sind langfristige Baustellen (27 sind es aktuell) und große Firmen Hauptstandorte für die Verleihstationen, die sich in ihrem Sortiment und ihrem Namen (Bau- oder Savebox) unterscheiden. Darüber hinaus können auch Fahrzeuge wie Lkw und Radlader gemietet werden. Das operative Geschäft wird inzwischen von der 2G Konzept KG in Kirchheim abgewickelt, wo Gradwohl, der eine betriebswirtschaftliche Zusatzausbildung hat, zwei feste Mitarbeiter beschäftigt.