Nachgeschenkt
Warum ein Bürgermeister das Jackett von Konstantin Wecker trägt
Das Jackett des Liedermachers
Der Hermann-Sinsheimer-Preis als Youtube-Video: Das mag man als Krücke ansehen in Pandemie-Zeiten oder als Beispiel dafür, was trotzdem alles möglich ist, wenn man nur mit den Mitteln kreativ umgeht, die einem noch bleiben.
Über 2000 Mal wurde das Video bislang angeklickt. Für den Freinsheimer Bürgermeister Matthias Weber zählt die Begegnung mit Liedermacher und Preisträger Konstantin Wecker vor zwei Wochen in München jetzt schon zu den Höhepunkten seiner Amtszeit. Wie ungezwungen der Umgang zwischen beiden war, zeigt auch eine Anekdote, die Weber jetzt erst verraten wollte. Denn das Jackett, das der Bürgermeister im Aufnahmestudio in München trug, war nicht sein eigenes. Das hatte er daheim in Freinsheim vergessen. Beim Dreh in Von-Busch-Hof hatte er es noch an. Doch im Koffer, den Weber für seine Reise zur Preisverleihung ins eigene Wohnmobil packte, war es dann doch nicht gelandet. Nur Hose, Hemd und Schuhe waren darin. Was nun? Weber rief im Studio an und fragte, ob es vielleicht ein Sakko zum Leihen gebe? Kein Geringerer als der Preisträger selbst machte mit einem Modell aus seinem eigenen Kleiderschrank dann die Studiotür auf. Und bot Weber nicht nur den feinen Stoff, sondern auch gleich das Du an. So kam es auch, dass bei laufender Kamera beide schon längst bei der vertrauten Anrede waren – ohne dass die Zuschauer die genauen Umständen mitbekommen hatten. Mit diesem Hintergrundwissen kann man das toll gemachte Video gleich noch einmal aufrufen. Und für alle, die noch keine Gelegenheit dazu hatten: Den Film anzuschauen, lohnt sich allemal.
Ein schwacher Moment
Um 9 zu Hause sein? Das weckt bei manchen Erinnerungen an die Kindheit. Dass man sich als Erwachsener noch mal Gedanken darüber machen muss, rechtzeitig daheim zu sein, das hätte sich wohl keiner träumen lassen. Aber seit einer Woche ist es Realität für Klein und Groß: Erstmals gibt’s eine Ausgangssperre im Kreis Bad Dürkheim – zunächst bis 21 Uhr. Nachts nicht mehr die Wohnung verlassen zu dürfen, ist eine der umstrittensten Corona-Maßnahmen überhaupt. Bringt das was?, fragte man sich in dieser Woche immer wieder. Gerade hier auf dem Land… Während man also vor sich hin flucht und überzeugt ist, dass nichts, aber nun wirklich nichts Gutes an dieser Ausgangssperre ist, da flattert eine Mail in die Redaktion. Betreff: Verbandsgemeinde-Ratssitzung Wachenheim. „Gegebenenfalls“, schreibt da der Bürgermeister, müsse man die nächste Sitzung um 20.45 Uhr beenden, um die Ausgangssperre einhalten zu können. Was bedeuten würde, dass diese sonst durchaus ausführlichen Sitzungen tatsächlich eine Länge von unter zwei Stunden haben könnte.
Und kurz, wirklich echt nur kurz, erwischte sich die Berichterstatterin beim Gedanken, dass ja vielleicht doch nicht alles schlecht ist an dieser Ausgangssperre ...