Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Leiter des Bürgerspitals für eine allgemeine Impfpflicht ist

Beschäftigte in der Altenpflege müssen ab Dienstag gegen Corona geimpft sein.
Beschäftigte in der Altenpflege müssen ab Dienstag gegen Corona geimpft sein.

Am Dienstag tritt die Impfpflicht im Gesundheitswesen in Kraft. Bernd Brosig, Leiter des Bürgerspitals, hat mit Alexander Sperk über die Auswirkungen für sein Haus in Wachenheim gesprochen – und erklärt, warum er trotz der geplanten Lockerungen für eine allgemeine Impfpflicht ist.

Herr Brosig, wie wirkt sich die Impfpflicht auf die Arbeit im Bürgerspital aus?
Im Grunde gar nicht. Bis auf zwei Mitarbeiterinnen sind bei uns alle komplett geimpft und geboostert. Eine der Kolleginnen hat ihre Erstimpfung bereits erhalten und bekommt am 22. März ihre Zweitimpfung. Sie wollte auf die Zulassung des Novavax-Impfstoffs warten. Die andere Mitarbeiterin hat eine Autoimmunerkrankung und deswegen mit der Impfung gezögert. Sie will sich nun aber doch unter ärztlicher Aufsicht impfen lassen.

Welche Rolle hat der Corona-Ausbruch in Ihrem Haus im November, bei dem mehrere Bewohner mit oder an Covid-19 gestorben sind, bei der offenbar hohen Impfbereitschaft Ihrer Mitarbeiter gespielt?
Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hatten wir bereits eine sehr hohe Impfquote unter den Mitarbeitenden. Wir hatten bereits im Januar 2021 die Erstimpfungen mit mobilen Einsatzteams bei uns im Haus, im Februar dann den zweiten Termin. Und im Oktober die Termine für die Boosterimpfungen. Bei dem Ausbruch im November sind leider überwiegend Senioren verstorben, die nicht geimpft waren.

Wie ist die Situation derzeit bei den Bewohnern?
Wir haben hier eine Impfquote von 97 Prozent. Allerdings gibt es Senioren, die sich nicht impfen lassen wollen und dies auch klar kommuniziert haben. Das ist in Ordnung. Jeder muss für sich entscheiden.

Haben Sie bei Ihren Mitarbeitern denn viel Überzeugungsarbeit leisten müssen?
Ich habe jeden zum Gespräch eingeladen und versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Ein Thema war die Wirkungsweise der mRNA-Impfstoffe, die ja völlig neu sind. Dazu habe ich kurze Videos gezeigt, die erklärt haben, wie die Stoffe wirken.

Eine Befürchtung war, dass Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen möchten, wegen der Impfpflicht aus der Pflege in andere Berufe wechseln. Hat sich das bewahrheitet?
Bei uns nicht, und auch aus den anderen zwölf Seniorenheimen unseres Trägers, mit denen wir regelmäßig im Austausch stehen, habe ich nichts dergleichen gehört. Es scheint zumindest bei unserem Träger kein Problem zu sein.

Sind Sie eigentlich ein Befürworter der Impfpflicht im Gesundheitswesen?
Ich befürworte die Impfpflicht im Gesundheitswesen, hätte aber lieber eine allgemeine Impfpflicht. Denn nicht nur wir haben viel Kontakt mit Menschen, sondern auch viele andere Berufsgruppen, vom Friseur bis zur Fußpflege. Und jede Impfung verringert das Risiko einer Ansteckung und damit einer Weiterverbreitung des Coronavirus.

Gegen die Ansteckung mit der Omikron-Variante sind die Impfungen aber weniger effektiv. Ist es dann nicht zu spät für eine allgemeine Impfpflicht?
Nein. Wie ich hier im Haus bei meinem Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beobachten konnte, gab es keine schweren Verläufe mehr, seit die Impfungen abgeschlossen wurden. Vielleicht schützen die Impfungen weniger effektiv vor Ansteckungen, aber sie verhindern doch ernsthafte Erkrankungen. Daher bin ich nach wie vor für eine allgemeine Impfpflicht, auch zum jetzigen Zeitpunkt – gerade mit Blick auf den nächsten Herbst und den nächsten Winter.

Zur Person

Bernd Brosig leitet seit mehr als zwölf Jahren das Bürgerspital in Wachenheim und war zuvor als Einrichtungsleiter in Neustadt tätig. Der 53-Jährige ist Altenpfleger und hat eine Weiterbildung zur Wohnbereichs- und Pflegedienstleitung absolviert. Er lebt in Maikammer.

Bernd Brosig
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