Hassloch
Warnstreik im Ardagh-Dosenwerk mit hoher Beteiligung
Im Haßlocher Getränkedosenwerk von Ardagh haben die Warnstreiks der IG Metall in Form von Frühschluss-Aktionen stattgefunden. Mitarbeiter der Tag-, Spät- und Nachtschicht verließen jeweils eine beziehungsweise zwei Stunden vor Arbeitsende den Betrieb. Nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Philipp Nerger von der IG Metall in Neustadt war die Warnstreik-Aktion „ein voller Erfolg“. Zu annähernd 100 Prozent habe sich schon die Früh- und Tagschicht beteiligt: „Die Bänder standen still.“
Für Ardagh gelten die Tarifverträge der Feinstblechpackungsindustrie, sagte Nerger im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Für diese Branche habe aber im Gegensatz zur Metall- und Elektroindustrie bislang kein Verhandlungsergebnis in der laufenden Tarifrunde erzielt werden können. Der Tarifabschluss für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sieht 2,3 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigung vor. Das Geld wird Monat für Monat angespart und im Februar 2022 in Summe als „Transformationsgeld“ in Höhe von 18,4 Prozent des Monatsentgelts ausbezahlt. Zudem erhalten die Beschäftigten im Juni eine Corona-Prämie von 500 Euro netto.
IG Metall fordert vier Prozent
Mit den Warnstreiks will die Gewerkschaft vor der nächsten Verhandlungsrunde am 19. April Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Die IG Metall fordert ein Plus von vier Prozent für die mehrere tausend Beschäftigten in der Feinstblechpackungsindustrie und kritisiert, dass die Arbeitgeber in den bisherigen zwei Verhandlungsrunden noch kein angemessenes Angebot unterbreitet hätten. In der zweiten Runde hatten sie nach den Worten des IG Metall-Verhandlungsführers Carsten Maaß ein „Pseudo-Angebot“ vorgelegt, das sich „höchstens als absolute Nullnummer“ bezeichnen lasse. Die IG Metall fordere „moderate Lohnsteigerungen in diesem und kräftige im nächsten Jahr“, Konzepte für die Zukunft und Jobsicherung. Die Arbeitgeber malten den „angeblichen Untergang“ der Branche an die Wand, obwohl in nahezu allen Werken überdurchschnittlich hohe Renditen eingefahren würden.
Aus historischen Gründen bilde die Feinstblechpackungsindustrie, zu der das Haßlocher Dosenwerk gehört, einen eigenen Tarifbereich, erläuterte Gewerkschaftssekretär Nerger. Die Tarifhoheit liege in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, weil sich dort der Großteil dieser Betriebe befinde. In Rheinland-Pfalz gebe es neben Ardagh in Haßloch nur in Weißenthurm bei Koblenz (ein Werk von Ball Packaging, ehemaliger Eigentümer des Haßlocher Werks) einen Standort aus dieser Branche. In den vergangenen Jahren seien die Tarifabschlüsse weitgehend identisch mit denen der Metall- und Elektroindustrie gewesen, so Nerger. In diesem Jahr habe die zweite, ohne Ergebnis zu Ende gegangene Tarifrunde für die Feinstblechpackungsindustrie bereits vor der Einigung für die Metall- und Elektroindustrie stattgefunden.