Mit Krone und Wurzel
Wachenheimer Zypressen: Grüne Säulen mit Symbolik
An vielen Stellen der Pfalz gedeihen heute Zypressen. Mit ihrem schlanken, aufrechten Wuchs bringen sie südländisches Flair in die Region. Auch in das römische Landgut bei Wachenheim sind die Bäume wirksam eingebunden.
Das Entstehen der Villa rustica reicht 2000 Jahre zurück. Nach ihrer Entdeckung führte das Landesamt für Archäologische Denkmalpflege Speyer in den 1980er-Jahren hier Ausgrabungen aus. Heute kann der Besucher im frei zugänglichen Gelände ausgedehnte rekonstruierte Grundmauern besichtigen.
Zwischen den Mauerzügen erheben sich markante Baumgestalten. Für Mittelmeer-Zypressen ist ein säulenförmiger Wuchs typisch. Die Bäume sind immergrün und können sehr alt werden. Aufgrund dieser Eigenschaften haben sie seit Jahrtausenden eine besondere Symbolik.
Zum einen gelten Zypressen als Sinnbild einer langen Lebensdauer und stehen für Hoffnung und Unsterblichkeit. In der christlichen Kunst wachsen sie in manchen Darstellungen des Paradieses. Auch die weltliche Kunst griff die schlanken Gehölze als Motiv auf. Im 19. Jahrhundert gestaltete Vincent van Gogh immer wieder ihre flammenartigen Gestalten. Mit lebhaft züngelnden Strukturen beleben sie seine expressiven Landschaften.
Einige der Zypressen wurden gestohlen
Blickt man zurück in die Antike, dann erhalten Zypressen eine dunkle Bedeutung. Sie galten als Bäume des Todes und der Trauer. „Du wirst im Haus des Hades rechts eine Quelle finden, neben der eine weiße Zypresse steht“, heißt es in altgriechischen Versen. Damals glaubte man, wer von jenem Wasser trinke, verliere seine Erinnerung, bevor er das Reich der Toten betrete.
Griechen und Römer kultivierten die Zypresse und nutzten sie zu medizinischen Zwecken. Dem ätherischen Öl werden viele Heilwirkungen zugeschrieben; es soll desinfizieren, Fieber senken, Krämpfe lösen, Wunden heilen und außerdem Insekten vertreiben. Allerdings sind die Pflanzenstoffe teilweise stark giftig. Auch an die Luft geben die Bäume Abwehrstoffe gegen Fressfeinde ab.
Dass Zypressen trockene und sonnige Standorte mögen, kommt den Exemplaren in der Villa rustica zugute. Der „Förderkreis Villa rustica Wachenheim“ hat sie 2001 anlässlich seines zehnjährigen Bestehens gepflanzt. Für das bedeutende Kulturdenkmal engagiert sich der Verein seit über 30 Jahren. Leider steht nur noch ein Teil der ursprünglich gesetzten Zypressen: „Die anderen wurden bald ausgegraben und gestohlen“, sagt Friedrich Reinert, Beisitzer des Förderkreises.
Indes sind die Exemplare, die der Besucher heute in der Anlage sieht, zu stattlichen Bäumen herangewachsen. Die Gattung der Zypressen in der Ordnung der Koniferen gilt als schnellwüchsig.
So kann die Mittelmeer-Zypresse innerhalb von zehn Jahren schon sechs Meter hoch werden. Erst im höheren Alter lässt dieses rasche Wachstum nach.
Zwischen Beständigkeit und Wandel weisen die Bäume auch auf die Geschichte der Villa rustica. Länger als andere römische Höfe der Region blieb das Landgut bewohnt, obwohl germanische Verbände wiederholt in die Rheinprovinzen einfielen. Doch als das fünfte Jahrhundert zu Ende ging, brannten die Gebäude nieder und wurden aufgegeben.
Unsere Serie
In der menschlichen Kultur sind Bäume seit frühesten Zeiten verwurzelt. Anhand lokaler Beispiele erzählt unsere Serie „Mit Krone und Wurzel“ von ihnen.