Kreis Bad Duerkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheim: Stadtrat gibt grünes Licht für Lindenbrunnen-Carré

Noch steht hier eine Halle. Nach dem Willen der Investoren sollen hier Wohn- und Geschäftshäuser entstehen.
Noch steht hier eine Halle. Nach dem Willen der Investoren sollen hier Wohn- und Geschäftshäuser entstehen.

Nach langer Diskussion: Der Wachenheimer Stadtrat hat dem Lindenbrunnen-Carré sein Einvernehmen erteilt. Auf dem ehemaligen Scharfenberger-Gelände sollen eine Sparkassen-Filiale, Arztpraxen und Wohnungen entstehen.

„Nicht anders erwartet“ hat Elfriede Schaaf-Rüffel den Ausgang der Entscheidung. Die Anwohnerin hatte Anfang des Jahres über 200 Unterschriften gegen das Bauvorhaben gesammelt. Wenigstens seien am Donnerstag in der Ratssitzung noch ein paar für sie wichtige Punkte diskutiert worden, die nun der Kreisverwaltung vorgelegt werden. Etwa zu Lärm, Verkehr oder Parken. Der Verkehr sei an der Einfahrt zum Königswingert jetzt schon „extrem“. Durch das Bauprojekt werde dieser zunehmen, vermutet sie. „Eine gute Lösung wäre gewesen, dass man sowas im Vorhinein bespricht“, sagte sie am Freitag auf Nachfrage. Die Verantwortlichen müssten sich deshalb nicht wundern, wenn Bürger versuchten, dagegen vorzugehen.

Der Stadtrat trifft baurechtliche Entscheidungen und erteilt dem Projekt sein Einvernehmen oder nicht. Der Rat hatte aber auf Anregung von SPD und FWG einige Empfehlungen an die Genehmigungsbehörde – die Kreisverwaltung – formuliert. Diese würden sicher berücksichtigt, sagte Bauamtsleiter Stefan Schneider in der Sitzung am Donnerstag. Die Stadt könne ihr Einvernehmen nicht an Bedingungen knüpfen, sagte Kreis-Sprecherin Sina Müller auf Nachfrage. Aber: „Sachgerechte Hinweise werden durchaus beachtet“, betonte sie.

Die Anmerkungen zum Einvernehmen sind unter anderem, die Empfehlung an die Kreisverwaltung, den Straßenbaulastträger einzubinden. Oder die Forderung, dass verkehrslenkende Maßnahmen unmittelbar erfolgen müssen. Auch die Lärmfrage soll berücksichtigt werden.

Das Neun-Millionen-Euro-Bauprojekt, das nach Willen der Investoren 2022 fertiggestellt sein soll, hatte in Wachenheim für Kontroversen gesorgt. Zu massige Baukörper, zu viel Verkehr in diesem Bereich, sagten die Skeptiker. Ein Raum für Sparkasse, Ärzte und Menschen, die sich barrierefreie Wohnungen wünschen, sagten die Fürsprecher.

Neben Anwohner-Unterschriften sorgte zwischenzeitlich ein wiederaufgetauchter Bebauungsplan aus den 1950er-Jahren für Trubel. Dieser ist nach Ansicht der Verwaltungen inzwischen funktionslos. Eine Bürgerin hat sich deswegen aber an die Bürgerbeauftragte gewandt, diese wolle nun auf dem Laufenden gehalten werden, sagte Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU).

„Sowas geht nur in Wachenheim“

Nach Gesprächen mit den Anwohnern hatten die Investoren Anfang des Jahres ihre ursprünglichen Pläne geändert. Einige Geschosse sollten durch umlaufende Balkone weniger wuchtig wirken, an anderer Stelle kam aber ein zurückgesetztes halbes drittes Geschoss hinzu. Bei einer Sitzung im März entschied sich der Rat zunächst für eine Vertagung. Aus Sicht einiger waren noch zu viele Fragen offen, die neuen Pläne erst zu kurz bekannt, um eine Entscheidung treffen zu können. Was im Schnitt massiv aussehe, „sind am Ende 60 Quadratmeter“, argumentierte Volker Eckl für das halbe neue Geschoss. Eckl ist einer der Investoren. Er sitzt auch für die CDU im Rat, durfte bei diesem Punkt nicht mitstimmen.

Jürgen Rohr (SPD) sagte, es ginge darum, Bürger, die Probleme mit dem massiven Bau haben, mitzunehmen. So viele offene Fragen hätten geklärt werden müssen, sagte er mit Blick auf die März-Sitzung, in der es zu keiner Entscheidung gekommen war. Nils Rosenberger (Grüne) sagte, nachdem die Investoren die Baupläne nochmals erläutert hatten, habe er „heute besser verstanden, um was es hier geht“. Frank Mehlmer (Volt) versicherte sich, dass die vorgelegte veränderte Version zur Genehmigung geht und nicht die alte.

Marcus Scholz (CDU) bezeichnete den Prozess als „sehr transparent“. Ihm gefalle nicht alles, was die Investoren vorgestellt haben. Drei volle Geschosse seien „ein Haufen Holz“. Letztlich müssten die Räte die Interessen abwägen. Neue Wohnungen sein hilfreich für Wachenheim, hier bestehe „absoluter Bedarf“.

Arnold Nagel (FWG) kritisierte, es sei aus seiner Sicht eine Zumutung, „dass hier ein Investor seine Interessen so vertritt“. „Sowas geht nur in Wachenheim.“ Die Kreisverwaltung müsse nun entscheiden, so Nagel. Erst dann erst könnten Betroffene dagegen vorgehen, wenn sie denn wollten. „Ich wohne an dieser Straße, wenn die Kreuzung nicht geändert wird, dann werden wir dort eine Katastrophe erleben.“

Bei zwei Enthaltungen von Dorothea Geibel (FWG) und Nagel wurde das Einvernehmen erteilt.

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