Kreis Bad Duerkheim
Wachenheim: Herbstspaziergang am Kämmertsberg
Das Naturschutzgebiet „Am Kämmertsberg“ bei Wachenheim zeigt auch im Herbst manche Besonderheiten. Wo früher Wein angebaut wurde, leben heute Spezialisten trockenwarmer Standorte.
Der direkte Weg ins Naturschutzgebiet ist ein schmaler Steig, der über Stufen und Steine nach oben führt. Festes Schuhwerk ist also nötig. Gleich nach der Einmündung der Straße „Am Königswingert“ zweigt der schmale Pfad rechts von der Bürklin-Wolf-Straße ab.
Während man auf den Untergrund achten sollte, geht es an sehenswerten Strukturen vorbei. Vielfältige Gehölze und Trockenmauern säumen den Weg. Am Kämmertsberg wurden wie vielerorts am Haardtrand sonnenbeschienene Hanglagen terrassiert, um sie zu bewirtschaften. Wo die locker verlegten Steinmauern noch heute kleine Parzellen begrenzen, blieben wertvolle Biotope erhalten.
Flächen liegen seit Jahrzehnten brach
In der kälteren Jahreszeit sehen die Mauern verwaist aus, aber ihre Lücken bieten auch jetzt vielen Tieren Unterschlupf. Ein typischer Bewohner steiniger Lebensräume ist die Mauereidechse. In frostfreien Mauerspalten überdauern die zierlichen Reptilien die kalte Zeit, bis die erste Sonnenwärme sie aus der Winterstarre weckt. Teilweise kommt der Spaziergänger auch an schadhaften Stellen vorbei: Hier sind die Mauern eingestürzt und etliche Steine rollten bis auf den Pfad.
Vor Jahrzehnten wurden die kleinen Flächen unrentabel. Seitdem liegen sie brach. Mit dem Ende des Weinbaus drohten die alten Terrassen unter Baum- und Strauchbewuchs zu verschwinden. Deswegen unternehmen Mitglieder der „Gesellschaft Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz“ hier regelmäßig Pflegeeinsätze. Wie erfolgreich sie ein Mosaik aus verschiedenen Stufen des Bewuchses schaffen, davon kann sich der Besucher weiter oben überzeugen.
Bei klarem Wetter Sicht auf den Speyerer Dom
An den Hängen gedeihen wärmeliebende Pflanzen. Dazu gehört der Mauerpfeffer, der auch jetzt im Herbst zu finden ist. Sandige, lockere Erde ist zudem für viele Insektenarten sowie für die Eiablage heimischer Eidechsen wichtig. Auch der Spaziergänger gewinnt durch die freie Sicht. Wenn er vom Weg auf die Terrassen kommt, bieten sich weite Ausblicke. Ein Stück weiter südlich ist die Wachtenburg zu sehen. Umringt von Weinbergen liegt Wachenheim mit Kirchen und Stadtmauer. Dahinter zeigt sich in herbstlichen Farben die Rheinebene, wo bei klarem Wetter sogar die Silhouette des Speyerer Doms mit seinen vier Flankentürmen zu erkennen ist.
Zu den Bäumen auf dem Kämmertsberg gehören neben schönen Stieleichen auch Obstbäume, unter ihnen ein sehr alter Kirschbaum. Sein gekrümmter Stamm ist von Flechten bewachsen und stark ausgehöhlt. Aber noch steckt Leben in ihm: Einige restliche Äste tragen Herbstblätter und neue Knospen für das nächste Jahr.